Die Gaspreise fallen in dieser Woche vor dem Hintergrund milder Temperaturen und einer schwachen Gasnachfrage. Die Abschaltung der drei letzten Kernkraftwerke in Deutschland sorgt bisher für keine Stützung des Gaspreises. Doch ein weiteres Absinken der Gaspreise auf Vorkrisenniveau ist nicht in Sicht.
Die bestehende weltweite Regasifizierungskapazität wird sich bis einschließlich 2024 nur geringfügig erhöhen. Erst ab den Jahren 2025 bis 2028 werden signifikante Verflüssigungskapazitäten in Höhe von 170 Mrd. Kubikmeter hinzukommen.
Cal-27 bei rund 34 Euro pro MWh
Bis 2030 soll die weltweite LNG-Verflüssigungskapazität um mehr als 36 Prozent, sprich um 220 Mrd. Kubikmeter pro Jahr steigen. Dies wird die Fundamentaldaten des Weltmarktes verbessern und die Gasversorgungssicherheit erhöhen.
Dies erklärt die starke Backwardation auf der Terminkurve. Am TTF notiert Cal-27 mit rund 34 Euro pro MWh knapp 23 Euro pro MWh billiger als Cal-24. Dennoch: Das Preisniveau vor Energiekrise und Pandemie war deutlich niedriger. Im Jahr 2019 notierte Cal-23 bei knapp 20 Euro pro MWh.
Europa: Hohe LNG-Importe
Die LNG-Aussendungen in der EU lagen zuletzt bei starken 4400 GƒWh pro Tag. Die Terminals in den Niederlanden, Belgien und Italien sind seit Beginn des Monats nahezu voll ausgelastet. Die deutschen Terminals in Wilhelmshaven und Brunsbüttel sind im laufenden Monat bisher zu 75 Prozent ausgelastet.
In Großbritannien zeigen sich in diesem Monat vor allem die LNG-Importe aus Katar sehr stark. Die Importe könnten bis zum Ende des Monats auf bis zu 600 Mio. Kubikmeter LNG steigen und damit den höchsten Wert seit vergangenem September erreichen. Die LNG-Aussendungen lagen zuletzt bei knapp 1400 GWh pro Tag, rund 20 Prozent mehr als in der Vorwoche.
Nachfrageerholung in China
Die chinesische Nachfrageerholung schreitet voran, wenn auch langsamer als erwartet. Der Anstieg der LNG-Nachfrage ist bisher verhalten, jedoch importierte China im März mit 12,3 Mio. Barrel pro Tag so viel Öl wie seit Mitte 2020 nicht mehr.
Indien hat geplant, eine LNG-Reserve anzulegen. Die könnte zusätzlich die Preise stützen und den Wettbewerb verschärfen.
Wartungsarbeiten in Norwegen
In Norwegen haben die Wartungsarbeiten begonnen. Die verfügbare Kapazität ist um knapp 50 Mio. Kubikmeter gekürzt. Die erste große Wartungsperiode dauert rund zehn Wochen und erreicht Ende Mai beziehungsweise Anfang Juni mit einer Kürzung von bis zu 170 Mio. Kubikmeter der verfügbaren Kapazität ihre größte Ausprägung.
Der Wartungskalender ist allen Marktteilnehmern bekannt. Daher sorgt dies bisher für nur wenig Stützung der Gaspreise. Die Gasflüsse per Pipeline der restlichen Importeure sind stabil und ausgeglichen. Umso wichtiger für Europa in den nächsten Wochen wird eine starke LNG-Versorgung sein, um die Einspeicherungsnachfrage zu befriedigen.
Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: "Viel LNG, wenig Nachfrage: Und was machen die Gaspreise?"
Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.



