Die Gaspreise fallen in dieser Woche vor dem Hintergrund eines milderen Temperaturausblicks und einer stabilen Versorgungslage unter 45 Euro pro MWh. Die LNG-Versorgung ist trotz der Streiks in Frankreich auf hohem Niveau, unterstützt durch rekordhohe LNG-Exporte der USA.
Am deutschen THE bewegen sich die Preise für den Frontmonat Mai-23 bisher zwischen 42 und 52 Euro pro MWh. Im langjährigen Mittel sind Auf- oder Abwärtsbewegungen im April von zehn bis 15 Prozent um den Monatsmittelwert nichts Ungewöhnliches.
Handelsspanne im April
Legt man die Marktbewegungen seit 2010 und das aktuelle Preisniveau zugrunde, so liegt die Wahrscheinlichkeit, dass der Frontmonatspreis im aktuellen Monat über 53 Euro pro MWh steigt, bei nur fünf Prozent.
Ein Absinken des Preises auf unter 40 Euro pro MWh und Test eines neuen Jahrestiefs (aus fundamentaler Sicht ist der Markt bearish) liegt aus empirisch-statistischer Sicht jedoch ebenfalls bei nur fünf Prozent.
In Norwegen beginnt die Wartungssaison
Die Versorgungslage über Pipelines ist stabil. Russland liefert konstant circa 750 GWh pro Tag über die Turkstream-Pipeline und die Ukraine. Die Lieferungen aus Algerien erreichten in der vergangenen Woche ein neues Jahreshoch bei rund 1200 GWh pro Tag.
Die norwegischen Lieferungen stiegen gegenüber der Vorwoche um rund zehn Prozent auf mehr als 3700 GWh pro Tag. Mit dem Sommerhalbjahr startet auch die Wartungssaison in Norwegen. Geplante Wartungsarbeiten schränken in der zweiten Monatshälfte die verfügbare Kapazität um bis zu 100 Mio. Kubikmeter pro Tag ein.
US-LNG-Exporte auf Rekordhoch
Die LNG-Aussendungen liegen zwar weiterhin mit insgesamt 5000 GWh pro Tag (EU und Großbritannien) auf hohem Niveau, sind aber durch die anhaltenden Streiks in Frankreich reduziert. Die gute LNG-Versorgung in der EU wird unterstützt durch die rekordhohen LNG-Exporte der USA. Im März exportierte das nordamerikanische Land insgesamt 7,25 Mio. Tonnen LNG – ein Anstieg gegenüber dem Vormonat von knapp zwölf Prozent.
Die Wiederinbetriebnahme des Freeport-Terminals in den USA, wo allein im März 14 LNG-Tanker nach Europa aufbrachen, sorgte dabei für eine wesentliche Unterstützung. Eine weitere enge Zusammenarbeit zwischen den USA und der EU ist geplant. Die USA wollen 2023 mindestens 50 Mrd. Kubikmeter Erdgas nach Europa liefern.
LNG günstiger als TTF-Frontmonat
Die Agentur für die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden (Acer) veröffentlicht seit 8. März einen täglichen EU-LNG-Preis und weist seit 31. März mit dem sogenannten LNG-Benchmark auch die Differenz zum TTF-Frontmonatspreis aus.
Der LNG-Benchmark notierte seitdem zwischen minus drei bis minus zwölf Euro pro MWh. LNG war also günstiger als der Preis am TTF.
EU-Gasnachfrage auf Fünfjahrestief
Die Gasnachfrage in der EU liegt mit zuletzt rund 10.500 GWh pro Tag weiterhin auf Fünfjahrestief. In Deutschland lag die Gasnachfrage zuletzt bei 2300 GWh pro Tag, rund 700 GWh pro Tag weniger als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre zu diesem Zeitpunkt im Jahr.
Die Einspeicherungen zeigen sich zuletzt wegen der kühlen Temperaturen schwach, sollte aber mit den nun milderen Temperaturen sukzessive ansteigen. Die Gasspeicher der EU sind zu 56 Prozent gefüllt. Das sind 17 Prozentpunkte über dem Fünfjahresmittel.
Entsog-Sommerausblick
Der Verband der europäischen Fernleitungsnetzbetreiber Entsog hat in der vergangenen Woche seinen "Summer Outlook" veröffentlicht. Der Verband geht in seinem Referenz-Szenario davon aus, dass die europäischen Gasspeicher bis zum Ende des Sommers zu 90 Prozent gefüllt sein können.
Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: "Gasmärkte mit Fokus auf die Einspeicherungssaison".
Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.



