Blick auf den Gasspeicher Etzel in Niedersachsen.

Blick auf den Gasspeicher Etzel in Niedersachsen.

Bild: © Uniper

Von Andreas Baumer

Das neue Jahr hat kaum begonnen, da dürften Gashändler schon wieder alle Hände voll zu tun haben. Denn die Preise auf den europäischen Großmärkten haben einmal mehr zum Höhenflug angesetzt.

Am Donnerstagvormittag wurde die Megawattstunde (MWh) am niederländischen Leitmarkt TTF für den Liefermonat Februar für mehr als 49 Euro gehandelt, am Mittag wurde sogar die 50-Euro-Marke geknackt, nachdem Probleme bei einer norwegischen LNG-Anlage gemeldet wurden. So teuer war der Rohstoff zum letzten Mal im November 2022 – als Europa noch mitten in der Energiekrise steckte.

Gaslieferstopp und beschädigtes Ostseekabel

Tatsächlich begann der Aufwärtstrend bereits Mitte Dezember. Seitdem stiegen die Gaspreise für Februar von gut 40 auf nunmehr rund 50 Euro pro MWh – oder um mehr als 20 Prozent. Auch der Liefermonat März kostete am Donnerstagvormittag mehr als etwa 50 Euro pro MWh. Deutlich billiger war der Rohstoff erst für den kommenden Winter zu haben. Für die entsprechenden Monate waren nur noch rund 45 Euro fällig.

Schon länger dürften Gashändler eingepreist haben, dass Russland seit diesem Jahr kein Gas mehr durch die Ukraine leitet. So ist es auch gekommen. Während die betroffenen Länder, unter anderem Österreich und die Slowakei, versicherten, sie seien vorbereitet gewesen, bezeichnete der ukrainische Energieminister Herman Haluschtschenko den Transitstopp als "historisches Ereignis". "Russland verliert Märkte, es wird unter den finanziellen Verlusten leiden", teilte er mit.

Unerwartet war dagegen die Nachricht, dass ein Stromkabel, das Estland und Finnland verbindet und durch die Ostsee läuft, beschädigt wurde. Diese Meldung machte erstmals am ersten Weihnachtsfeiertag die Runde. Die finnischen Behörden vermuten Sabotage. Unter Verdacht steht ein Öltanker, der Teil einer russischen Schattenflotte sein könnte. Die Reparatur der 170 Kilometer langen Verbindungsleitung könnte nach ersten Schätzungen der Netzbetreiber mehrere Monate dauern.

In Europas Gewässern liegt eine Menge wichtiger Energieinfrastruktur. Sollten beispielsweise die norwegischen Gaspipelines Europipe I und II nach Deutschland Ziel einer Sabotageaktion werden, könnte das die europäische Gasversorgung empfindlich treffen. Der Preisanstieg der jüngsten Tage dürfte auch damit zusammenhängen, dass Händler dieses Risiko wieder stärker berücksichtigen.

Netzagentur-Präsident: Gas sparen lohnt sich

Dazu kommt, dass in Deutschland in dieser Heizperiode deutlich mehr Gas verbraucht wird als im vergangenen Jahr. Nach einer Auswertung der Bundesnetzagentur stieg der Verbrauch in den ersten drei kalten Monaten (Oktober bis Dezember) um knapp sechs Prozent. Der Großteil des Anstiegs ist auf Haushalte zurückzuführen. Der Präsident der Netzagentur, Klaus Müller, rief die Menschen zu Sparsamkeit auf. "Es lohnt sich auf jeden Fall weiterhin, Gas zu sparen und damit den Geldbeutel zu entlasten", sagte er.

Einer der Gründe für den Verbrauchsanstieg war, dass die erste Winterhälfte dem Bericht zufolge etwas kälter als 2023 ausfiel. Die Temperatur lag im Schnitt bei 6,5 Grad und damit 0,6 Grad unter der des Vorjahres.

Insgesamt bleibt die Bundesnetzagentur aber bei ihrer Einschätzung, dass die Gasversorgung in Deutschland stabil sei. Die Gefahr einer angespannten Gasversorgung sei gering, heißt es auf der Website.

Gasspeicher-Füllstand

Als wichtiger Indikator gilt der Füllstand der deutschen Gasspeicher. Nach Angaben des Branchendiensts AGSI waren die Anlagen zuletzt im Durchschnitt zu 80 Prozent gefüllt. Seit Anfang November wurde jeden Tag mehr aus- als eingespeichert.

Zum Vergleich: Zum Vorjahreszeitpunkt waren die Speicher im Schnitt noch zu 91 Prozent voll. Ende 2022 lag der durchschnittliche Füllstand bei 90 Prozent.

Die niedrigeren Füllstände zu Beginn dieses Jahres sind jedoch kein Grund zur Panik. Ende 2021, also kurz vor Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, waren die Speicher gerade noch zu 54 Prozent voll. Auch die Preise lagen damals noch auf ganz anderem Niveau: nämlich bei 70 Euro pro MWh aufwärts.

Beruhigende Worte hatte auch Bundesnetzagentur-Chef Müller: "Wir sind bisher gut durch die erste Hälfte des Winters gekommen", sagte er. Die Speicher seien noch gut gefüllt. "Damit sind wir für die nächsten drei Monate gut gerüstet." (mit dpa)

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