Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Die Gaspreise haben in dieser Woche einige technische Widerstandsniveaus nach oben durchbrochen. Am Donnerstag nähert sich der Day-Ahead im Intraday der Marke von 160 Euro pro MWh. Wir erinnern uns: Vor einem Monat war der Spotpreis noch unter 30 Euro pro MWh auf "Normalniveau" gefallen.

Ursächlich für die gestiegenen Preise ist die Mischung aus sehr geringer Windstromproduktion, kühlen Temperaturen und kalten Wetterprognosen für Dezember.

Windstromproduktion unter Norm

Der Strommarkt ist gegenwärtig sehr angespannt. Die Windstromproduktion in Nordwesteuropa sank zuletzt auf unter 200 GWh pro Tag, die saisonale Norm liegt bei rund 600 GWh pro Tag.

Auch in der nächsten Woche könnte den jüngsten Prognosen zufolge die Windstromproduktion rund 20 Prozent unter der saisonalen Norm bleiben.

Sorgenkind Frankreich

Die französische Grundlast-Stromproduktion liegt weiter deutlich unter dem Fünfjahresmittel. Somit steigt in diesem Umfeld die Nachfrage nach Erdgas zur Stromproduktion deutlich.

Viele der Gasspeicherbetreiber hatten im Sommer zu deutlich höheren Preise eingespeichert. Um starke Speicherentnahmen zu ermöglichen, steigt nun der Gaspreis.

Wetterprognosen nach unten korrigiert

Die Wetterprognosen für die nächsten zwei Wochen wurden weiter nach unten korrigiert. Es scheint derzeit, dass der Dezember und auch der Januar deutlich kälter als bisher erwartet werden. Die Tagesmittel in Deutschland sollen demnach bis Mitte Dezember auf bis zu zwei Gad Celsius unter Null fallen und damit rund vier bis fünf Grad Celsius unter der saisonalen Norm.

Die Gasnachfrage in Deutschland stieg daher zuletzt auf den höchsten Stand in diesem Winter bei über 3600 GWh pro Tag. Dennoch bleibt die Nachfrage weiterhin hinter dem Fünfjahresmittel zurück, was gegenwärtig bei rund 4000 GWh pro Tag liegt.

Katar-Deal ohne große Folgen

Der am Dienstag in der Presse viel diskutierte LNG-Deal mit Katar hatte den Handel natürlich nur wenig oder gar nicht bewegt. Die Liefermenge ist mit zwei Mio. Tonnen LNG in 15 Jahren bzw. 2,7 Mrd. Kubikmeter Erdgas pro Jahr sehr gering und die Lieferung startet ohnehin erst ab 2026.

Zum Vergleich: Deutschland verbrauchte im Jahr 2021 mehr als 90 Mrd. Kubikmeter, die Ostseepipeline Nord Stream 1 hat eine Kapazität von 55 Mrd. Kubikmeter. Dazu: Katar schloss mit China vor wenigen Tagen einen Kontrakt mit anderer Größenordnung: 108 Mio. Tonnen LNG in 27 Jahren.

US-Konzern sichert sich Deal

Das Problem: Deutsche Importeure scheuen derzeit (und auch in Teilen verständlicherweise) den Abschluss langfristiger Verträge und Produzenten wie Katar möchten gerade solche (siehe China Deal) abschließen.

Bezeichnenderweise war es daher nicht ein deutscher Gasimporteur, sondern der US-Konzern Conoco Phillips, der den Vertrag abschloss. Conoco Phillips wird dann von 2026 an das LNG nach Brunsbüttel transportieren, wo sich das Unternehmen Kapazitäten gesichert hat, und von dort verkaufen. (aba)

Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: "Ein Gaspreisdeckel birgt gleich mehrere Gefahren in sich"

Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.

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