Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Die Gaspreise legten zu Beginn der Woche deutlich zu und wurden im Wesentlichen durch die Rallye am Kohlemarkt und festere Preise für CO2-Zertifikate getragen. Aus fundamentaler Sicht war die Preisstärke bei gleichbleibend starkem Angebot und schwacher Nachfrage nicht zu erklären.

Vielmehr könnten nach dem Preisverfall der Vorwoche einige Positionsumschichtungen, technischer Handel und auch ein verstärktes Kaufinteresse in Asien weitere Preistreiber gewesen sein.

Unterstützung vom Kohle- und Emissionsmarkt

Der umliegende Energiekomplex stützte die Gaspreise. Der Kohlepreis (API#2) stieg seit dem Zwischentief vom 19. Februar bei rund 90 US-Dollar pro Tonne auf zuletzt mehr als 112 US-Dollar pro Tonne. Der CO2-Preis (EUA) legte bis zur Wochenmitte deutlich zu und notierte bei mehr als 60 Euro pro Tonne.

Gaskraftwerke ab einem Wirkungsgrad von 43 Prozent verdrängten somit zuletzt Steinkohlekraftwerke (Wirkungsgrad von 40 Prozent) auf dem deutschen Strommarkt aus der Merit-Order. Die Stromproduktion der Steinkohlekraftwerke fiel daher zu Wochenbeginn auf weniger als drei Gigawatt (GW). Gaskraftwerke legten demgegenüber auf mehr als 8 GW zu.

Wenig Wind und kühlere Temperaturen

Wenig Wind und Sonne führten dazu, dass Wind- und Solarenergieanlagen deutlich weniger Strom erzeugten. Dadurch waren unter anderem Gaskraftwerke stärker nachgefragt.

In den nächsten fünf Tagen sollen die Windstromleistung und auch die Temperaturen in Deutschland wieder deutlich über die saisonale Norm steigen. Dies erklärt die zuletzt gesehene rückläufige Preisentwicklung. Danach und bis Mitte des Monats sollen dann die Werte wieder unter die saisonale Norm fallen.

Festere Preise voraus

Sofern die Gaspreise am Freitag seitwärts verlaufen oder nochmals sinken, könnten wir gemäß der fundamentalen Logik in der nächsten Woche wieder eine festere Preisentwicklung am Gasmarkt sehen.

Die Gasnachfrage zeigt sich auch in der vergangenen Woche schwach und liegt rund 20 bis 25 Prozent unter dem Fünf-Jahres-Mittel.

Stabiles LNG-Angebot

In einigen Ländern wie Großbritannien, Polen und Spanien sehen wir geringere Verbrauchseinsparungen. Dies ist jedoch wegen des insgesamt milden Winters und der saisonal schwachen Heizgasnachfrage im Gesamteffekt derzeit vernachlässigbar.

Die Gaslieferungen via Pipelines und das LNG-Angebot zeigen sich weiterhin stabil. Die europäischen Länder bezogen zuletzt täglich rund sechs Terawattstunden (TWh) Erdgas via Pipeline und rund 4,5 TWh Erdgas aus LNG-Terminals.

Gasexporte Algeriens auf Fünf-Wochen-Hoch

Die Gasflüsse aus Norwegen liegen stabil bei rund 340 Millionen Kubikmeter pro Tag. Das sind umgerechnet rund 3,8 TWh pro Tag. Russland liefert konstant über die Ukraine und an den bulgarischen Übergabepunkt der Turkstream-Lieferung insgesamt rund 950 Gigawattstunden (GWh) täglich.

Die algerischen Exporte stiegen zuletzt auf ein neues Fünf-Wochen-Hoch (rund 950 GWh pro Tag). Verantwortlich dafür waren deutlich gestiegene Exporte an den Übergabepunkt Mazara del Vallo in Italien. Dieser verzeichnete mit täglich knapp 700 GWh den höchsten Stand seit drei Monaten.

Volle Gasspeicher

Auch in dieser Woche zeigen sich die Gasspeicher so voll wie noch nie zu diesem Jahreszeitpunkt. Die Gasspeicher in Deutschland sind zu 68 Prozent gefüllt. Das sind 18 Prozentpunkte mehr als im Fünf-Jahres-Mittel.

Derzeit ist keine Kältewelle in Sicht. Bis zum Ende des Monats könnte sich der Füllstand folglich sogar bei über 60 Prozent halten. Dann endet auch der Gaswinter.

Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: "Nach Ausnahme-Februar: Starkes Gasangebot trifft auf schwache Nachfrage"

Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.

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