Schon ein moderates LNG-Aufkommen im EU-Binnenmarkt könnte diesen Sommer ausreichen, um die deutschen Gasspeicher vor dem Winter vollständig zu befüllen. Zu diesem Schluss kommt der Gasspeicherbetreiberverband Ines auf Basis eigener Berechnungen.
Demnach lieferten die Marktpreise derzeit starke Anreize zum Einspeichern. Sollten sich diese Signale abschwächen, empfiehlt der Verband weiterhin Ausschreibungen von Gasoptionen. Der Marktgebietsverantwortliche THE hatte vor Kurzem bekanntgegeben, dass er auf dieses Instrument vorerst verzichten will.
Drei Winterszenarien
Für den kommenden Winter hat Ines drei Szenarien berechnet. Demnach würden bei mittleren bis kalten Temperaturen die Gasspeicher stark beziehungsweise vollständig entleert. Die Einhaltung der Füllstandsvorgabe in Höhe von 40 Prozent am 1. Februar wäre in diesen Fällen "herausfordernd", schreibt er.
Würde der Winter besonders kalt ausfallen, könnte das von derzeitigen Einsparungen geprägte Verbrauchsniveau "vermutlich nicht vollständig" gedeckt werden, heißt es weiter. Folge einer sogenannten Gasmangellage sei eine "Eskalation der Preissituation". Industrielle Gasverbräuche und Stromerzeugung durch Gas würden "in die Knie gezwungen". Die Wärmeversorgung der Haushalte sieht der Verband in solch einem Fall allerdings nicht in Gefahr.
Ines: "Versorgungssicherheit noch nicht wiederhergestellt"
Den ersten beiden Szenarien wurden warme Temperaturen wie im europäischen Winter 2020 sowie normale Temperaturen wie im Jahr 2016 zugrundegelegt. Im dritten Szenario arbeitete der Verband nach eigenen Angaben mit Daten des europäischen Winters 2010.
"Durch den letzten Winter haben uns vollständig befüllte Gasspeicher, milde Temperaturen und starke Verbrauchseinsparungen gebracht", kommentierte Ines-Geschäftsführer Sebastian Bleschke. "Der Blick auf den kommenden Winter zeigt allerdings, dass die Gasversorgungssicherheit in Deutschland noch nicht wiederhergestellt ist."
Kaum Einspeicherungen im April
Für den kommenden Winter sei es von entscheidender Bedeutung, die Gasspeicher zu befüllen und die Verbräuche stark zu reduzieren, wenn es kalt werde. Darüber hinaus würden weitere Gasinfrastrukturen helfen, die kurzfristig aktiviert werden könnten sowie zusätzliches Gas im kommenden Winter tatsächlich bereitstellen würden.
Die deutschen Gasspeicher waren zuletzt zu 64,5 Prozent gefüllt (Stand Dienstagmorgen). Dabei macht sich der traditionelle Beginn der Einspeichersaison bislang noch kaum bemerkbar. Am 1. April waren die deutschen Gasspeicher zu 64,4 Prozent gefüllt gewesen. Von Montag auf Dienstag wurde sogar geringfügig mehr Gas aus- als eingespeichert. (aba)



