Ehrgeizige Ausbaupläne der Bundesregierung: Wasserstoff soll die neue Allzweckwaffe für eine klimaneutrale Zukunft werden.

Ehrgeizige Ausbaupläne der Bundesregierung: Wasserstoff soll die neue Allzweckwaffe für eine klimaneutrale Zukunft werden.

Bild: © Deemerwha studio/Adobe Stock

OMV hat die finale Entscheidung getroffen, mehrere hundert Millionen Euro in eine neue Anlage für grünen Wasserstoff in Bruck an der Leitha, in Niederösterreich zu investieren. Das Unternehmen will dort eine 140-Megawatt- Elektrolyseanlage errichten – allerdings nur dann, wenn Förderzusagen der Europäischen und der Österreichischen Wasserstoffbank kommen.

Mit einer jährlichen Produktionskapazität von bis zu 23.000 Tonnen grünem Wasserstoff wird die neue Anlage eine der größten ihrer Art in Europa sein. OMV erwartet eine Reduktion der CO₂-Emissionen um rund 150.000 Tonnen pro Jahr – das entspricht dem jährlichen CO₂-Fußabdruck von etwa 20.000 Menschen.

Martijn van Koten, OMV Executive Vice President Fuels & Feedstock und Chemicals, betont, dass man mit der Wasserstoffproduktion die Herstellung alltäglicher, unverzichtbarer Kraftstoffe und chemischer Produkte neu erfinden wolle.  "Durch den künftigen Einsatz von grünem Wasserstoff gestalten wir die Prozesse und die Produktion von Kraftstoffen und chemischen Produkten nachhaltiger und machen unsere Industrie zukunftssicher." Die neue Elektrolyseanlage werde einen wesentlichen Teil des Wasserstoffbedarfs der OMV Raffinerie in Schwechat decken. 

Die Anlage soll 2027 in Betrieb gehen und grünen Wasserstoff unter Nutzung erneuerbarer Energiequellen aus Wind- und Solarenergie sowie Wasserkraft erzeugen. Das 140-MW-Elektrolyseprojekt profitiere dabei von den Erfahrungen, die mit der 10-MW-Elektrolyseanlage von OMV gesammelt wurden, heißt es aus Österreich. Diese wurde Ende 2024 in Partnerschaft mit der Kommunalkredit erfolgreich fertiggestellt. Als eine der ersten Produktionsanlagen für grünen Wasserstoff in Europa wurde sie gemäß der EU-Richtlinie für erneuerbare Energien (RED) als Anlage für die Herstellung von "erneuerbaren Kraftstoffen nicht biogenen Ursprungs" (RFNBO) zertifiziert.

OMV investiert zu einem bemerkenswerten Zeitpunkt in die Elektrolyse: In Deutschland kommt der Wasserstoffhochlauf nicht voran. Anfang des Jahres meldeten die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm überraschend das Aus für ihr Projekt "H2-Factory". Das kommunale Unternehmen wollte eigentlich in der Ulmer Innenstadt eine 2 bis 3 MW große Elektrolyseanlage errichten, um grünen Wasserstoff zu produzieren. Doch daraus wird nun nichts.

Einer neuen Studie des Energiekonzerns Eon zufolge verläuft der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft langsamer als ursprünglich geplant. Viele Projekte haben Schwierigkeiten, die Produktionskosten mit der Zahlungsbereitschaft potenzieller Kunden in Einklang zu bringen.

Von Eon ausgewertete Daten zeigen, dass ein großflächiger Einsatz von kohlenstoffarmem Wasserstoff erst später erforderlich sein wird als im EU-Referenzszenario angenommen. Die Nachfrage könnte also bis 2030 deutlich niedriger ausfallen als ursprünglich erwartet.

Das Essener Unternehmen hatte Ende vergangenen Jahres bestätigt, bei seinen Wasserstoffaktivitäten auf die Bremse zu gehen. Die 2022 gegründete Eon Hydrogen GmbH soll aufgelöst werden. Die Wasserstoffaktivitäten sollen dem Bereich Energy Infrastructure Solutions untergeordnet werden. (amo)

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