Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Israel produziert jährlich rund 22 Mrd. Kubikmeter Erdgas. Müsste das Land seine Produktion stoppen, müsste das Land Ersatz auf dem LNG-Markt suchen, was sich bullish auf die LNG-Preise auswirken würde.

Eine weitere Eskalation zwischen Israel und dem Iran könnte zu einer Störung der Tankerverkehrs durch die Straße von Hormus führen. Auf diesem Transportweg verlaufen rund 30 Prozent der weltweiten Öl-Tankerlieferungen und rund 23 Prozent der weltweiten LNG-Lieferungen.

Für den Fall einer extremen Eskalation zwischen beiden Ländern und einer damit verbundenen Beeinträchtigung der Transportwege könnten die Gaspreise kurzfristig auf über 100 Euro pro MWh steigen.

Gerüchte um Ukrainetransit

Die Internationale Energieagentur (IEA) geht in ihrem jüngsten Bericht (Global Gas Security Review 2024) davon aus, dass ab Januar 2025 keine russischen Gasflüsse durch die Ukraine nach Europa mehr erfolgen. Die Agentur schätzt, dass davon kein unmittelbares Risiko für die Versorgungssicherheit Österreichs, Ungarns und der Slowakei ausgeht, betont jedoch die Anfälligkeit der Republik Moldau. Beim Treffen der Premierminister der Ukraine und der Slowakei zu Beginn der Woche, betonte die Ukraine zwar einerseits, dass es keine Pläne für einen weiteren Transitvertrag mit Russland gäbe, andererseits zeigte man sich jedoch offen für eine weitere Nutzung des vorhandenen Transitsystems.

Aserbaidschan bringt sich dazu weiterhin in Stellung, den bisherigen Transit zukünftig zu ersetzen und plant, für seinen grünen Energiekorridor Kaspisches-Schwarzes Meer den Status eines EU-Projekts zu beantragen.

Fundamentaldaten bearish, Nachfrage schwächer

Nach der kurzen Kältewelle zu Beginn des Monats sind die Temperaturen wieder über die saisonale Norm gestiegen und die Heizgasnachfrage zeigt sich diese Woche schwächer. Eine stärkere Erneuerbaren-Stromproduktion sorgte zuletzt für eine gegenüber der Vorwoche rückläufige Gasnachfrage im Stromsektor. Die Wettermodelle sehen derzeit für weite Teile Europas für den Rest des Monats Temperaturen leicht über der saisonalen Norm voraus. Damit liegen die Prognosen dennoch unter den Temperaturen des Vorjahresmonats, als im sehr milden Oktober 2023 die Tageswerte um bis zu 4 Grad höher lagen.

LNG Importe stagnieren, steigende Lieferungen in Sicht

Im laufenden Monat haben sich die LNG-Importe vom Tief des Vormonats nur leicht erholt. Bisher im Oktober wurden nur 30 LNG-Tankerladungen an den EU-Terminals importiert. In den nächsten zwei Wochen werden nur 25 weitere Lieferungen erwartet. Mit dem Preissprung in der letzten Woche stiegen die Gaspreise am TTF jedoch über das Preisniveau der globalen LNG-Preise. Damit hat sich auch am Terminmarkt die Preisdifferenz zu den asiatischen LNG-Preisen verringert und im November könnten daher wieder mehr Lieferungen von Asien nach Europa umgeleitet werden.

Im Kontrast dazu stehen jedoch die seit Mitte des Jahres kontinuierlich gefallenen Frachtraten für den LNG-Transport über den Atlantik, welche den Transport nach Asien verbilligen. Betrugen die Frachtraten im Juli noch rund 70.000 USD pro Tag so fielen sie zuletzt auf rund 40.000 USD pro Tag. Das weltweite LNG-Angebot ist in den ersten drei Quartalen dieses Jahres nur um 2 Prozent gewachsen. Zusätzliche Nachfrage kommt hautsächlich aus Asien. Damit wird Europa auch in diesem Winter wieder in einem engen Preiswettbewerb um die knappen flexiblen LNG-Lieferungen stehen.

Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne.

Der Titel der letzten Kolumne lautete Zum Start ins neue Gasjahr dominieren die Bullen.

Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.

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