Trotz der Kältewelle in der zweiten Monatshälfte lag die Durchschnittstemperatur in Deutschland des gesamten Monats mit 11,3 Grad Celsius rund 2 Grad über der saisonalen Norm. Pendeln die Tagesmittel im April üblicherweise zwischen 7 und 11 Grad, so lagen sie im zurückliegenden Monat bei minimal 3,8 und maximal 19,2.
Wegen der Wärmeperiode zu Beginn des Monats lag die Gasnachfrage In Deutschland im April mit 66 TWh rund 14 Prozent unter dem Fünf-Jahres-Mittel. In den Nachbarländern lagen die Einsparungen wie schon im Vormonat deutlich höher. In Italien, Frankreich und den Niederlanden lag die Gasnachfrage um 20 beziehungsweise 18 Prozent unter der Fünf-Jahres-Norm.
Die gesamte europäische Gasnachfrage lag im April bei 290 TWh, eine Einsparung von 18 Prozent gegenüber dem Schnitt der letzten fünf Jahre. Gegenüber dem Vorjahresmonat April 2023, als die Nachfrage bei 324 TWh lag, ergibt sich damit ein Minus von 12 Prozent.
Hohe Ausspeicherungen in Deutschland
Während der Kältewelle in Deutschland konnten die Flexibilität der vollen Gasspeicher gut genutzt werden, die Ausspeicherungen stiegen auf insgesamt 8,2 TWh, rund doppelt so viel wie im Vorjahresmonat. Die Einspeicherungen waren mit 8,5 TWh dementsprechend niedriger als üblicherweise, so dass insgesamt nur marginal netto-eingespeichert werden konnte.
In den Nachbarländern Italien, den Niederlanden und Frankreich mit einer größeren LNG-Angebotsflexibilität konnte dementsprechend mehr netto eingespeichert werden. In Gesamteuropa fielen die Netto-Einspeicherung mit rund 30 TWh, wegen Kältewelle und hoher Ausspeicherungen in Deutschland, rund 17 TWh niedriger aus als noch im Vorjahresmonat April 2023.
Die Stromgeneration der Gaskraftwerke in Deutschland lag im April mit durchschnittlich 4,8 GW auf dem tiefsten Stand seit September 2023. Erdgas trug im April in Deutschland nur 10,3 Prozent zur Stromgeneration bei.
Verbessertes LNG-Angebot
Das LNG-Angebot erholte sich gegenüber dem Tiefststand des Vormonats März. Im April kamen insgesamt 126 LNG-Schiffslieferungen an den europäischen Häfen an (Vormonat 106). Mit insgesamt 32 LNG-Tankern gingen die meisten Lieferungen nach Frankreich, gefolgt von den Niederlanden mit 24 LNG-Lieferungen und Spanien bzw. Italien mit jeweils 16 Lieferungen. 56 der insgesamt 126 LNG-Tanker kamen aus den USA, 23 aus Russland, 19 aus Algerien und 11 aus Katar.
Stabil zeigte sich im April auch die LNG-Nachfrage in Asien. In die fünfgrößten Abnehmerländer China, Japan, Südkorea, Taiwan und Indien gingen insgesamt 272 LNG-Lieferungen.
Stabile Pipeline-Lieferungen
Trotz der angelaufenen Wartungssaison in Norwegen lagen die Pipeline-Exporte des größten Erdgas-Lieferanten Europas mit umgerechnet 107 TWh rund 1 Prozent über der Fünf-Jahres-Norm und ungefähr auf Höhe der Liefermengen von Januar bzw. Februar dieses Jahres.
Die Gasimporte aus Algerien setzten auch im April ihren positiven Trend der Vormonate fort und stiegen auf rund 31 TWh, der höchste Wert seit September 2023. Die russischen und aserbaidschanischen Importe lagen stabil mit rund 28 TWh bzw. 10,5 TWh ungefähr auf dem Niveau der Vormonate.
Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: Gas-Speicherziele ohne russisches Pipelinegas erreichbar
Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.


