Australien könnte bald zu einem wichtigen Lieferanten von grünem Wasserstoff werden. Vorausgesetzt, Deutschland schafft zeitnah die dafür nötige Infrastruktur. Zu dem Ergebnis kommt eine groß angelegte Studie von der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) und dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Beide ziehen darin aber ein positives Gesamtfazit.
Pipelines am günstigsten
Die kostengünstigste Variante für den innerdeutschen Transport sind demnach Pipelines. Kleinere Verbraucher, die voraussichtlich bis 2035 nicht an das von der Bundesregierung geplante Wasserstoffkernnetz angeschlossen sind, könnten per Schiff und vor allem mit der Bahn beliefert werden. Ein voll beladener Zug könne ein Vielfaches des täglichen Bedarfs liefern, schreiben die Studienautorinnen und -autoren.
Der Import von Derivaten wie Methan oder Ammoniak weise darüber hinaus in manchen Fällen Kostenvorteile auf. Zum Beispiel gegenüber einer kombinierten Versorgung aus heimischer Produktion und importiertem Wasserstoff – etwa in industriellen Anwendungen oder für die Luftfahrt.
Untersucht haben Acatech und der BDI insgesamt vier Transportoptionen: als verflüssigter Wasserstoff (LH2), Ammoniak (NH3 ), Methanol (MeOH) und flüssiger organischer Wasserstoffträger (LOHC).
Drehscheibe Duisburg
Die potenzielle Route verläuft mit dem Schiff von Australien aus durch den Indischen Ozean, den Suez-Kanal und das Mittelmeer bis zum niederländischen Hafen Rotterdam. Von dort aus soll der Wasserstoff auf Binnenschiffen zum Duisburger Hafen kommen. Der dient dann als Drehscheibe für den Weitertransport per Pipeline, auf der Straße oder der Schiene.
Dabei stellt der Rahmen für den Bau der benötigten Infrastruktur eine zentrale Herausforderung dar. Der enthalte aktuell hohe rechtliche Hürden, etwa für den Bau der Schiffe. Außerdem könnten die erforderlichen Genehmigungen auf verschiedenen Ebenen unnötig bremsen.
Allerdings drängt die Zeit. Denn um seine erklärten Klimaziele zu erreichen, braucht Deutschland grünen Wasserstoff in großen Mengen – die hierzulande nicht hergestellt werden können. Das weiß auch die Bundesregierung, die eine Wasserstoff-Importstrategie zwar angekündigt hat, bislang aber schuldig bleibt – wie zuletzt auch der Stahlkonzern Thyssenkrupp bemängelte.
Industrie fordert Planungssicherheit
Holger Lösch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des BDI, fordert Planungssicherheit "für die anstehenden, teilweise immensen Investitionsentscheidungen". Die Importstrategie müsse klar aufzeigen, von wo und in welcher Form der Importbedarf gedeckt werden soll. Nur so könnten mögliche Engpässe bei den notwendigen Infrastrukturen vermieden werden, so Lösch.
Projektleiter Robert Schlögl, Präsident der Alexander-von-Humboldt-Stiftung und Acatech-Mitglied, sieht da gleich mehrere Baustellen: So müsse etwa der Bau des geplanten Wasserstoff-Kernnetzes "energisch weiterverfolgt werden". Doch brauche es auch ein größeres Bahnnetz und eine CO2-Infrastruktur, betont Schlögl.
Die Studie "HySupply" von Acatech und BDI startete im Dezember 2020. Darin untersuchten sie verschiedene Aspekte, den jetzt erfolgten Abschluss bilden die Transportwege innerhalb Deutschlands. Unterstützt wurde das Projekt vom Bundesforschungsministerium und der University of New South Wales in Sydney. (dz)



