Mit der ersten richtigen Kältewelle in diesem Winter notieren die Preise an den europäischen Gasbörsen auch in dieser Woche auf hohem Niveau. Wegen der vollen Gasspeicher und der vielen LNG-Importe verkraftet das Versorgungssystem die stark gestiegene Nachfrage bisher recht gut.
In der nächsten Woche soll es deutlich milder und windiger werden. Beide Fundamentalfaktoren reduzieren die Gasnachfrage. Die Spotpreise hätten damit Potential wieder unter 100 Euro pro MWh zu sinken.
Gasnachfrage auf höchstem Niveau in diesem Winter
Für den Rest des Jahres ist von einer geringeren Volatilität als noch im vergangenen Jahr auszugehen, als die Unsicherheiten um die russischen Gaslieferungen das Marktgeschehen dominierten. Die russischen Lieferungen nach Europa liegen aktuell bei rund zehn Prozent verglichen mit dem Wert vor dem russischen Überfall auf die Ukraine.
Mit den kalten Temperaturen in Deutschland stieg die Gasnachfrage zuletzt auf mehr als 4800 GWh pro Tag und damit auf das höchste Niveau in diesem Winter. Mit Blick auf den laufenden Monat Dezember liegt die Gesamtnachfrage bisher jedoch 19 Prozent unter dem Fünfjahresschnitt.
EU-Speicher zu 87 Prozent gefüllt
Trotz der hohen Nachfrage und der zuletzt deutlich gestiegenen Ausspeicherungen sind die Gasspeicher immer noch sehr gut gefüllt. Die Speicher in der EU sind zu 87 Prozent voll, knapp unter dem Spitzenwert aus 2019, als im Dezember die Gasspeicher zu 90 Prozent gefüllt waren.
In Deutschland stiegen die Ausspeicherungen mit knapp 3000 GWh pro Tag auf den höchsten Wert in diesem Winter. In Deutschland sind bei einem Speicherfüllstand von 91 Prozent derzeit noch rund 224 TWh Erdgas eingespeichert.
Hohes LNG-Angebot verhindert weiteren Preisanstieg
Die Tachometer der Bundesnetzagentur zur Bewertung der Gasversorgung in Deutschland zeigten bei den Indikatoren "Temperaturprognose" und "Gasverbrauch temperaturbereinigt" zuletzt ins Feld "kritisch".
Unterstützung erhält das europäische Gasversorgungssystem weiterhin durch die hohen LNG-Importe. Die Ausspeicherungen aus den LNG-Terminals lagen auch zuletzt weiterhin auf Rekordniveau bei rund 5500 GWh pro Tag (EU+Großbritannien).
Gasmangellage unwahrscheinlicher
Damit rangieren die täglichen Ausspeisungen weiterhin rund 50 Prozent über dem Fünfjahresmittel. Im Dezember 2021 lagen die Ausspeicherungen in der EU und Großbritannien noch insgesamt bei nur rund 3500 GWh pro Tag.
Die Gasversorgung in Deutschland ist derzeit stabil – trotz intensiver Kältewelle. Eine Gasmangellage im laufenden Winter wird derzeit unwahrscheinlicher. Für den nächsten Winter könnte die Situation jedoch ungleich dramatischer werden.
IEA-Warnung
Die Internationale Energieagentur (IEA) betonte in einer Pressekonferenz in dieser Woche erneut, dass die EU im nächsten Jahr mit einem Gasmangel von fast 30 Mrd. Kubikmeter konfrontiert sein könnte, wenn die russischen Gaslieferungen weiterhin ausbleiben und die chinesische LNG-Nachfrage wieder ansteigt.
Die IEA hebt hervor, dass eine stärkere Förderung von Erneuerbaren Energie, Wärmepumpen und Energieeffizienz wichtig sind, um das Risiko von Versorgungsengpässen zu mindern.
Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: "Warum das derzeitige Gaspreisniveau auf dem Terminmarkt trügerisch ist"
Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.



