Mögliche Szenarien für die deutsche Gasversorgung im Winter 2022/23 hat die Initiative Energien Speichern (INES) am Freitag in einer Pressekonferenz präsentiert. Hinter der Initiative stecken 14 Betreiber von Gas- und Wasserstoffspeichern. Zusammen repräsentieren sie laut eigenen Angaben rund 90 Prozent der deutschen Gasspeicherkapazitäten und 25 Prozent der EU-weiten Speicherkapazitäten.
Sebastian Bleschke, INES-Geschäftsführer, betont, dass der Verband derzeit eine Gasmangellage für „sehr unwahrscheinlich“ hält. Ganz ausgeschlossen werden, könne sie aber noch nicht. Sollte es zu extrem kalten Temperaturen kommen, wie im EU-Vergleichswinter 2010, werde eine Gasmangellage auftreten, ergänzt Bleschke. In einem solchen Fall läge der Füllstand der Speicher Ende Januar fast bei null. Im Februar würden die Speicher vollständig entleert. Für Februar und März nimmt dieses Szenario dann einen Gasmangel an.
Rückenwind für die insgesamt positive Prognose sind unter anderem die deutlich gefüllten deutschen Gasspeicher, die einen Füllstand von 99 Prozent am 1. November vorwiesen. Parallel dazu ergänzte Bleschke, dass mehrere Wetterprognosen einen milden Winter vorhersagen. Bei dem Modell wurden die Vergleichswerte eines normalen EU-Winters von 2016 genommen. So könnten die Gasspeicher-Füllstände bei einem milden Verlauf im März (mit dem Ende der Heizperiode) noch bei rund 27 Prozent liegen. Wenn es sogar wärmer werde, wären bis zu 55 Prozent möglich (wie im warmen EU-Vergleichswinter 2020).
Schwierig vorherzusagen: LNG-Importe
Für die Modellrechnungen sind die russischen Gasimporte nach dem derzeiten Stand eingeflossen. Auch die LNG-Potenziale, die ab Frühjahr verfügbar sein sollen, wurden mit einkalkuliert. Wobei Bleschke darauf verwies, dass es sehr schwer einschätzbar sei, wie hoch die Importe wirklich sein würden. Von den LNG-Importen hänge auch ab, inwieweit die Gasspeicher für den Winter 2023/34 befüllt werden könnten, sagte der INES-Geschäftsführer. In der Modellrechnung wurden auch die neuen Infrastrukturprojekte wie auch der Import aus Frankreich nach Deutschland mitbeachtet.
Künftig monatliche Aktualisierung geplant
„Um keine bösen Überraschungen zu erleiden, sollten allerdings die zentralen Parameter der Versorgungssicherheit weiterhin beobachtet werden“, sagte Bleschke zum Abschluss. Er sprach sich dafür aus, dass ein zielgenaues Monitoring über russische Gasimporte, LNG-Importe und die Speicherbefüllung in der gesamten EU etabliert werde.
Die INES wird nun monatlich die möglichen Szenarien auf Basis ihres Modells bezüglich der Gasversorgung vorstellen und auch Handlungsempfehlungen daraus ableiten. Die nächste Präsentation ist für den 9. Dezember geplant. (gun)



