Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Seit Beginn der Kältewelle sind die Gaspreise gesunken. Die starken LNG-Aussendungen und Gaslieferungen aus Norwegen auf Rekordhoch bringen das Gasangebot in dieser Woche auf ein neues Jahreshoch. Mit den vollen Gasspeichern sollten alle Speicher-Zwischenziele erreicht werden.

Die Gasnachfrage – Einspeicherungen ausgenommen – in der EU und Großbritannien stieg zuletzt auf knapp 19.000 Gigawattstunden (GWh) pro Tag und damit auf den höchsten Stand seit Februar. In Deutschland lag die Gasnachfrage zuletzt bei über 4200 GWh pro Tag.

Gasspeicher-Zwischenziele erreichbar

Es scheint jedoch, dass die temperaturgewichtete Nachfrage nicht auf das Niveau vor der Energiekrise zurückkehrt. Die europäischen Verbraucher sparen immer noch Gas. In den Jahren vor der Energiekrise lag bei vergleichbaren Temperaturen die Gasnachfrage in Deutschland oftmals bei mehr als 5000 GWh pro Tag.

Mit den kalten Temperaturen stiegen die Netto-Ausspeicherungen der EU-Länder mit insgesamt rund 6000 GWh pro Tag zuletzt auf den höchsten Stand seit März dieses Jahres. Die Gasspeicher sind so gut wie noch nie zu diesem Zeitpunkt im Jahr gefüllt – in der EU zu 97 Prozent und in Deutschland zu 98 Prozent.

Füllstandsszenarien für Anfang Februar und Mai

Die Gasspeicher-Zwischenziele der EU-Kommission für die einzelnen EU-Länder ergeben in aggregierter Sicht für das gesamte Unionsgebiet zum 1. Februar ein Zwischenziel bei 45 Prozent und zum 1. Mai ein Zwischenziel bei 27 Prozent. Diese Ziele sind laut Ganexo-Prognosen erreichbar.

Für den Fall, dass die Ein- und Ausspeicherungen von nun entlang der langfristigen Norm erfolgen, ergibt sich folgende Prognose (Szenario: langfristiger Durchschnitt): 1. Februar: 71 Prozent; 1. Mai: 54 Prozent.

Gasangebot auf Jahreshoch

Würden die Ein-und Ausspeicherungen von nun an entlang des langfristigen Minimums erfolgen (Speichersalden der jeweiligen Saisons aus den Jahren 2018 und 2020) so ergeben sich folgende Prognosen: 1. Februar: 58 Prozent; 1. Mai: 34 Prozent.

Das Gasangebot in der EU markiert in dieser Woche mit durchschnittlich rund 18.000 GWh pro Tag einen neuen Jahreshöchststand. Verantwortlich dafür sind im Wesentlichen das starke LNG-Angebot und Gaslieferungen aus Norwegen auf Rekordniveau beziehungsweise nahe der Kapazitätsgrenze.

Blick auf Russland-Gaslieferungen

Die Lieferungen aus Norwegen liegen in dieser Woche bei durchschnittlich 3800 GWh pro Tag. Russland liefert durchschnittlich 1200 GWh pro Tag, was dem höchsten Stand seit 15 Monaten entspricht. Die algerischen Exporte liegen dagegen im laufenden Monat rund zehn Prozent unter der saisonalen Norm bei zuletzt rund 1100 GWh pro Tag.

Die LNG-Aussendungen in der EU und in Großbritannien steigen in dieser Woche auf durchschnittlich 5500 GWh. Das ist der höchste Stand seit dem Allzeithoch im April dieses Jahres. Vor allem die LNG-Aussendungen in Großbritannien erholten sich zuletzt wieder deutlich über das Fünf-Jahres-Mittel und stiegen auf über 1100 GWh pro Tag.

Insgesamt 29 LNG-Lieferungen erwartet

In den nächsten 14 Tagen werden in der EU und Großbritannien insgesamt 29 LNG-Lieferungen erwartet. Jeweils sechs Schiffe sollen in Frankreich und Großbritannien eintreffen. In Belgien sollen vier Lieferungen und in den Niederlanden drei Schiffe ankommen.

Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: "Wachsendes LNG-Angebot drückt die Gasterminkurve"

Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.

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