Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Der europäische Gasverbrauch steigt im Oktober gegenüber dem Vorjahresmonat um elf Prozent auf rund 338 TWh. Deutschland verbraucht im Oktober knapp 70 TWh Erdgas gegenüber 66 TWh im Oktober 2024.

Gründe für den Anstieg gegenüber dem Vorjahr waren einerseits geringfügig kühlere Temperaturen. Die durchschnittliche Tagestemperatur beispielsweise in Deutschland lag bei 11 °C, rund 0,5 Grad über der saisonalen Norm. Sie war jedoch mehr als ein Grad kühler als im Vorjahresmonat.

LNG-Importe steigen auf 3-Monats-Hoch

Andererseits sorgte die zeitweise eingeschränkte Erneuerbaren-Stromproduktion für einen deutlichen Nachfrageschub aus dem Strombereich. Im Oktober waren die europäischen Gaskraftwerke mit durchschnittlich 44 Gigawatt (GW) Leistung am Netz (Oktober 2024: 34 GW), an einigen Tagen mit Spitzenwerten von rund 60 GW.

Mit rund 120 importieren LNG-Schiffsladungen stiegen die europäischen LNG-Importe im Oktober auf den höchsten Stand seit Juli dieses Jahres. Die asiatische LNG-Nachfrage zeigte sich im Oktober verhalten, die Preise dort notierten weniger als 3 Euro pro Megawattstunde (MWh) teurer als am niederländischen TTF. Dies sorgte dafür, dass wenige Spotlieferungen von Europa nach Asien abflossen.

Der Anteil der US-LNG-Lieferungen auf dem europäischen Markt lag im Oktober bei rund 60 Prozent. Insgesamt kamen knapp 75 Lieferungen aus den USA, 13 Lieferungen kamen aus Norwegen, zehn LNG-Tanker aus Russland und jeweils sieben Lieferungen kamen aus Algerien und Katar.

Die Aussendungen der LNG-Terminals stiegen damit mit über 140 TWh auf den höchsten Stand seit fünf Monaten. Gegenüber dem Vorjahresmonat entspricht dies einer Steigerung von rund 35 Prozent, im Oktober 2024 wurden damals nur 105 TWh Erdgas aus den Terminals regasifiziert.

Pipelineangebot schwächer als im Vorjahresmonat

Die Erdgasimporte via Pipeline aus Norwegen belaufen sich im Oktober auf rund 100 TWh, knapp vier Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Die Lieferungen aus Algerien lagen bei knapp 28 TWh (Oktober 2024: 30,5 TWh) und aus Aserbaidschan auf Vorjahresmonatsniveau bei knapp 12 TWh.

Mit insgesamt knapp 20 TWh stiegen die russischen Lieferungen im Oktober über die Turkstream-Pipeline auf den höchsten Stand seit Wegfall des Ukraine-Transits. Damals lagen die monatlichen Lieferungen im Mittel bei 30 TWh.

Die libyschen Gaslieferungen spielen für den europäischen Markt keine Rolle mehr. Die Lieferungen nach Italien lagen im Oktober bei insgesamt nur 1,6 TWh und damit bei rund 50 Gigawattstunden (GWh) pro Tag. Seit dem Bürgerkrieg im Jahr 2011 sind damit die Gasexporte Libyens auf weniger als ein Sechstel der damaligen Mengen geschrumpft.

Füllstände Gasspeicher im Oktober unverändert

Die Ausspeicherungen im Oktober waren wegen der höheren Nachfrage auf ungewöhnlich hohem Niveau. Aus den Gasspeichern der EU wurden insgesamt rund 28 TWh Arbeitsgas ausgespeichert. Das entsprach 35 Prozent mehr als im Fünf-Jahresdurchschnitt des Monats.

Damit trat der Füllstand der EU-Gasspeicher im Oktober mit rund 83 Prozent auf der Stelle. In Summe konnten lediglich rund 4 TWh netto eingespeichert werden. In Deutschland war die Bilanz jedoch negativ. Der Füllstand der deutschen Gasspeicher sank auf 75 Prozent, insgesamt wurden rund 3 TWh Arbeitsgas netto ausgespeichert.

Die Ausspeicherungen der großen deutschen Gasspeicher lagen durchweg höher als die Einspeicherungen. Im besten Fall stagnierten bei einigen Anlagen die Füllstände. In Deutschlands größtem Gasspeicher tat sich wartungsbedingt wenig, der Füllstand stagnierte den Oktober hindurch bei niedrigen 28 Prozent.

Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK-Morning Briefing.

Der Titel seiner letzten Analyse lautet: "Warum die Gas-Nachfrage auf dem Strommarkt zuletzt so hoch war".

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