Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Die Gasmärkte zeigten sich im Verlauf dieser Woche von den zurückliegenden Tiefstständen erholt und notierten stabil über 100 Euro pro MWh. Die Marktteilnehmer warteten bei milden Temperaturprognosen auf neue Impulse.

Die milden Wetterprognosen, weiterhin hohe LNG-Ausspeicherungen und die hohen Speicherstände der Gasspeicher üben Druck auf die Spotmärkte aus. Die Sorge um die verbliebenen russischen Gaslieferungen durch die Ukraine vor dem Hintergrund der russischen Angriffe auf die ukrainische Energie- und Zivilinfrastruktur stützt die Preise.

Kaufanreize im Industriesektor

Zudem setzten die zuletzt gefallenen Preise Kaufanreize im Industriesektor, sodass die gestiegene Nachfrage am Terminmarkt die Preise stützte.

Die LNG-Lieferungen liegen bisher in dieser Woche um zehn Prozent über dem Niveau der Vorwoche, sprich rund 5150 GWh pro Tag gegenüber der Vorwoche von circa 4600 GWh pro Tag.

Europa saugt den LNG-Markt leer

Die zwei niederländischen Terminals laufen weiterhin nahezu unter Volllast und speichern täglich mehr als 700 GWh pro Tag aus. Die europaweit höchsten LNG-Ausspeicherungen verzeichnet Frankreich mit seinen vier Terminals von insgesamt knapp 1000 GWh pro Tag.

Europa saugt weiterhin den globalen LNG-Markt leer, mit negativen Folgen für einige asiatische Länder wie Pakistan. Auch in den nächsten Tagen sollte das Angebot hoch bleiben. Bis Anfang nächster Woche werden weitere zehn LNG-Lieferungen in Nordwesteuropa erwartet.

Jahreshöchststand bei Algerien-Lieferungen

Das pipelinegebundene Angebot liegt mit circa 5800 GWh pro Tag ungefähr auf dem Niveau der Vorwoche. Die norwegischen Lieferungen liegen mit 3600 GWh pro Tag auch in dieser Woche konstant auf hohem Niveau. Die algerischen Lieferungen erreichten mit knapp 1100 GWh pro Tag erneut einen Jahreshöchststand.

Die Inbetriebnahme des Empfangsterminals für norwegisches Gas über die neue Baltic-Pipeline in Polen wurde auf den 20. Oktober verschoben. Auf der neuen Pipeline kann jährlich bis zu 10 Mrd. Kubikmeter Erdgas von Norwegen nach Polen geliefert werden.

Türkei als Drehscheibe

Aserbaidschan und die Türkei haben sich darauf verständigt, die Kapazität der Tanap-Pipeline von derzeit 16 Mrd. Kubikmeter auf 32 Mrd. Kubikmeter pro Jahr zu verdoppeln.

Davon sollen sechs Mrd. Kubikmeter im Rahmen eines langfristigen Vertrages in der Türkei bleiben. Der Rest soll die Lieferungen in die Trans-Adria-Pipeline (TAP) erhöhen, die durch Griechenland geht und in Italien endet.

Deutsche Speicher bei 95 Prozent

Trotz der kühleren Temperaturen wird weiterhin viel eingespeichert. Die europäischen Speicher sind zu knapp 92 Prozent gefüllt, die deutschen Gasspeicher zu 95 Prozent.

Im Oktober wurden bisher in Europa rund 40.000 GWh eingespeichert, das sind 60 Prozent mehr als üblicherweise zu diesem Zeitpunkt im Jahr.

Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: "Gas-Hoffnungsträger: Warum Deutschland ausgerechnet Spanien hofiert"

Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper