Die Australien-Ausnahmewochen auf den Gasmärkten haben offenbar auf den Ozeanen dieser Welt Spuren hinterlassen. Wie der Branchendienst Montel berichtet, sanken die Flüssigerdgasimporte nach Europa und in die Türkei in der vergangenen Woche auf den niedrigsten Stand seit fast einem Jahr. Das Medium beruft sich auf Schiffsdaten, die der Dienstleister Kpler zur Verfügung gestellt hat.
Drohende Streiks an drei australischen LNG-Terminals hatten die Gaspreise im August nach oben gejagt. Lag der Preis für den Liefermonat September Anfang des Monats bei 27 Euro pro MWh (Handelsplatz TTF), wurden in der Spitze bis zu 43 Euro pro MWh erreicht (Settlement-Preis).
Drittgrößter LNG-Exporteur weltweit
An einem der drei LNG-Terminals wurde ein Streik am Donnerstag abgewendet. In der Folge fielen die Preise wieder auf 32 Euro pro MWh. Weil Beschäftigte der beiden anderen, zum US-Konzern Chevron gehörenden Anlagen nun aber beschlossen, einen Streik zu ermöglichen, ging es erneut nach oben. Am Montagmittag sprang der Preis innerhalb von einer Viertelstunde von rund 35 auf etwa 38 Euro pro MWh.
Australien, der weltweit drittgrößte LNG-Exporteur, beliefert vor allem asiatische Märkte mit Flüssigerdgas. Brechen jedoch australische Gasmengen weg, intensiviert sich beispielsweise der Wettbewerb um Gasmengen, die an der US-Karibik- und -Atlantikküste verflüssigt und üblicherweise nach Europa exportiert werden.
Deutsche Gasspeicher bei 94 Prozent
Zuletzt galt der europäische Gasmarkt sogar tendenziell als überversorgt. Die deutschen Gasspeicher beispielsweise sind inzwischen zu 94 Prozent voll, die europäischen zu 92 Prozent. Nach Angaben der Bundesnetzagentur verbrauchten zuletzt sowohl Haushalts- und Gewerbekunden als auch Industriekunden deutlich weniger als im Schnitt der Jahre 2018 bis 2021.
Für Gaskäufer verändern sich mit den hohen, selbst untertägigen Preisschwankungen die Risiken stark. "Waren bisher hohe Preisspitzen auf den Spotmarkt beschränkt, so konnte eine diversifizierte Einkaufsstrategie diese Risiken recht gut minimieren", schrieb Joachim Endress, Gasexperte von der Unternehmensberatung Ganexo, vergangene Woche in seiner ZfK-Kolumne.
Risiken für Gaseinkäufer
"Indexiert ein Einkäufer seine Verträge nun auf den Frontmonat beziehungsweise das Frontkalenderjahr, muss von einem möglichen Preiskorridor zwischen 20 und 60 Euro pro MWh ausgegangen werden, um das Risiko von multipel auftretenden Preisschwankungen richtig einpreisen zu können."
Preisspitzen im Falle einer konkreten Verknappung seien damit jedoch noch nicht abgedeckt. "Daher ist mindestens innerhalb der nächsten zwei Jahre nicht mit einem signifikanten Sinken der Endkundenpreise zu rechnen." (aba)
Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.



