Der Monat Juli stellte einige neue Rekorde für dieses Jahr auf. Die Pipelineexporte Russlands stiegen auf ein neues Jahreshoch, die europäischen LNG-Importe und die Gasnachfrage fielen auf ein neues Jahrestief. Dazu stiegen die LNG-Importe Chinas im Juli auf den höchsten Stand in diesem Jahr.
Gazprom lieferte über die Pipeline Turkstream und durch die Ukraine in die EU im Juli 25,2 TWh Erdgas. Dies entspricht einem Plus von knapp 30 Prozent gegenüber dem Monat Juni und war das höchste monatliche Liefervolumen bisher in diesem Jahr.
Norwegen liefert unter Fünfjahresmittel
Norwegen lieferte im Juli insgesamt 101 TWh Erdgas an seine europäischen Kunden. Dies war zwar wartungsbedingt mehr als im Monat Juni (78 TWh), aber dennoch rund sechs Prozent weniger als im Fünfjahresmittel des Monats Juli.
Die algerischen Gasexporte nach Spanien und Italien summierten sich im Juli auf knapp 30 TWh. Dies entsprach rund 15 Prozent mehr als im Fünfjahresmittel.
LNG-Importe im Juli auf Jahrestief
Die LNG-Aussendungen an den europäischen Terminals zeigten sich im Juli gegenüber dem Vormonat Juni rückläufig. Wurden im Juni insgesamt noch knapp 134 TWh Erdgas regasifiziert, so waren es im Juli nur 113 TWh – dennoch ein Plus gegenüber dem Fünfjahresmittel von 29 Prozent.
Im Juli wurden in der EU und in Großbritannien insgesamt 116 Ankünfte von LNG-Schiffen an den europäischen LNG-Terminals registriert – ein neuer Jahrestiefstand. Im Vormonat kamen noch 138 Schiffe LNG an. Im Rekordmonat April 2023 waren es 164 Schiffsladungen.
Chinas LNG-Importe auf Jahreshoch
Dominierender LNG-Exporteur für Europa waren auch im Juli die USA mit insgesamt 45 Schiffslieferungen. Die russischen LNG-Lieferungen waren mit 16 Ladungen gegenüber dem Vormonat (17 Lieferungen) leicht rückläufig und damit auf einem neuen Jahrestief. 16 LNG-Schiffsladungen kamen aus Katar und 15 Lieferungen aus Algerien.
Grund für die schwache Entwicklung in Europa im Juli war die deutlich gestiegene LNG-Nachfrage in Asien. Die LNG-Importe Chinas erreichten mit insgesamt 77 registrierten LNG-Schiffslieferungen einen neuen Jahreshöchststand. Auch in Japan (69 Lieferungen) und in Südkorea (54 Lieferungen) zeigten sich die LNG-Importe fest.
Einspeicherungen legen im Juli zu
Die Netto-Einspeicherung in die europäischen Gasspeicher hat im Juli mit knapp 103 TWh gegenüber dem Vormonat Juni (93 TWh) deutlich zugelegt. Die gesamte Netto-Einspeicherung lag dennoch rund fünf Prozent unter dem Fünfjahresmittel des Monats Juli. Die Gasspeicher in Europa sind zu 87 Prozent gefüllt, in Deutschland zu 89 Prozent.
Das EU-Speicherziel, einen Füllstand von 90 Prozent zum 1. November zu erreichen, sollte damit bereits im August erreicht werden. Wenn die Einspeicherungen von nun an entlang des langjährigen Minimums verlaufen, würden die Gasspeicher zum 1. November einen Füllstand von 100 Prozent erreichen.
Gasnachfrage im Juli auf neuem Jahrestief
Begünstigt wurden die gestiegenen Einspeicherungen durch eine rückläufige Gasnachfrage im Juli. Die Gasnachfrage in der EU sank im Juli mit insgesamt 179,6 TWh auf ein neues Jahrestief und lag damit 25 Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre.
Dies war jedoch kein durchgängiger Trend in Europa. Die Nachfrage in Deutschland fiel mit 34,8 TWh auf ein neues Jahrestief und lag damit 29 Prozent unter dem Durchschnitt der Jahre 2018 bis 2022 des Monats Juli. In Italien wiederrum stieg die Gasnachfrage von zuvor 36,9 TWh auf 43,4 TWh und lag damit nur acht Prozent unter dem Fünfjahresmittel.
Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: "Vier-Monatshoch: Warum gerade wieder so viel Gas verstromt wird"
Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.



