Die Gaspreise zeigten sich in dieser Woche bislang volatil. Die Sorge um den wachsenden LNG-Wettbewerb mit Asien, die anstehenden Wartungsarbeiten in Norwegen, die Befüllung der Gasspeicher und die in vielen Regionen hohe Gasnachfrage zur Stromerzeugung führten zu starken Preisbewegungen.
Wegen der andauernden Hitzewelle in Südeuropa lagen die Gaspreise in Italien und Spanien in den vergangenen Tagen zeitweise um bis zu 15 Prozent über den Preisen am niederländischen TTF. Wegen des hohen Klimatisierungsbedarfs dort stieg die Gasnachfrage zur Stromerzeugung in der vergangenen Woche auf den höchsten Stand seit vier Monaten.
Kraftwerksgasnachfrage auf Jahreshöchststand
In Italien lag die Netzleistung der Gaskraftwerke an einigen Tagen bei über 21 GW. Das war doppelt so viel wie die durchschnittliche Netzleistung im Juni. In Spanien ging der Wert auf bis zu zwölf GW nach oben – rund 40 Prozent über dem Durchschnittswert im Vormonat.
Dadurch stieg die Netzleistung aller europäischen Gaskraftwerke Mitte Juli mit 65 GW auf einen neuen Jahreshöchststand. Die Gaskraftwerke machten damit bis zu 23 Prozent der gesamten europäischen Netzleistung aus.
Gaskraftwerke gleichauf mit Braunkohlekraftwerken
In den vergangenen sechs Monaten lag der Anteil der gasbefeuerten Stromerzeugung an der Gesamtstromerzeugung in Europa zwischen 13 und 19 Prozent.
Auch für die nächsten zwei Wochen werden in Italien und Spanien Temperaturen mit Tagesmitteln von bis zu 29 Grad Celsius und damit bis zu vier Grad über der saisonalen Norm erwartet. Der Energiebedarf und die Gasnachfrage zur Stromerzeugung und Klimatisierung sollten damit weiterhin hoch bleiben und die Gaspreise stützen.
Kraftwerksgasnachfrage auf Vier-Monatshoch
Wegen der Relation Gaspreise zu Kohlepreise kletterte auch in Deutschland die Kraftwerksgasnachfrage in der vergangenen Woche auf ein neues Vier-Monatshoch. Die Netzleistung der Gaskraftwerke stieg an einigen Tagen auf über acht GW und machte bis zu 20 Prozent der gesamten Stromerzeugung in Deutschland aus.
In den vergangenen sechs Monaten pendelte der Anteil der gasbefeuerten Stromerzeugung an der Gesamtstromerzeugung in Deutschland hingegen nur zwischen fünf und zwölf Prozent.
Steinkohleverstromung auf neuem Jahrestief
Gaskraftwerke lagen damit in Deutschland in den letzten Wochen oftmals gleichauf mit Braunkohlekraftwerken, deren durchschnittliche Netzleistung zwischen vier bis acht GW lag.
Die Stromerzeugung aus Erdgas hat in den vergangenen Monaten Steinkohle deutlich hinter sich gelassen. Die Stromerzeugung aus Steinkohle sank zuletzt an einigen Tagen auf Durchschnittswerte unter 1,5 GW – ein neues Jahrestief.
Gaskraftwerke günstiger als Steinkohlekraftwerke
Bei den aktuellen Marktpreisen sind Gaskraftwerke bereits ab einem Wirkungsgrad von 43 Prozent kostengünstiger als Steinkohlekraftwerke mit einem Wirkungsgrad von 40 Prozent. Dennoch ist der sogenannte Clean-Spark-Spread aktuell für diese Gaskraftwerke negativ. Einen positiven Clean-Spark-Spread erreichen derzeit nur hocheffiziente Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerke mit einem Wirkungsgrad ab 60 Prozent.
Gas-und-Dampfturbinen-Kraftwerke mit einem Wirkungsgrad von 60 Prozent sind bei den aktuellen Marktpreisen jedoch gegenüber Steinkohlekraftwerken (Wirkungsgrad 40 Prozent) konkurrenzlos günstiger. Bei gleichbleibenden Strom-, Kohle- und CO2-Preisen könnte der Gaspreis auf bis zu 50 Euro pro MWh steigen, um diese Gaskraftwerke nicht teurer als Steinkohlekraftwerke zu machen.
Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: "Trotz gefallener Spotpreise: Warum die Lage am Gasmarkt angespannt bleibt"
Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.


