Im vergangenen Jahr machten die LNG-Aussendungen mit insgesamt rund 1650 Terawattstunden (TWh) 35 Prozent der europäischen Gasversorgung aus und lagen damit nur knapp hinter den Gasimporten per Pipeline (1970 TWh, 42 Prozent). Der LNG-Ausbau schreitet auch dieses Jahr weiter voran.
Das Forum Erdgasexportierender Länder (GECF) geht davon aus, dass die globalen Märkte für Flüssigerdgas (LNG) bis 2026 angespannt sein werden, da die Nachfrage in diesem Jahr um 1,5 Prozent und bis 2050 um bis zu 22 Prozent steigen wird.
LNG kontra Pipeline
Dabei könnte der LNG-Handel dem GECF-Bericht zufolge ab 2050 den Pipeline-Ferngashandel deutlich überholen. 64 Prozent des Handels könnten in 2050 auf LNG entfallen.
Das Handelsvolumen könnte sich dabei mit 805 Millionen Tonnen gegenüber 2023 mehr als verdoppeln.
LNG in Deutschland
Der Ausbau der LNG-Infrastruktur in Deutschland macht weiter Fortschritte. In der vergangenen Woche ist die Energos Force in Stade angekommen. Das Schiff soll dort als schwimmendes Terminal (FSRU) installiert werden.
Die Kommissionierung soll in den nächsten Wochen folgen. Die geplante Kapazität beträgt 5 Mio. Kubikmeter pro Jahr.
Fünftes LNG-Terminal
Das FSRU in Stade wäre das fünfte LNG-Terminal in Deutschland – neben den Terminals Wilhelmshaven I, Lubmin und Brunsbüttel, die sich im Regelbetrieb befinden, sowie dem im Probebetrieb laufenden schwimmenden Terminal Mukran II
Ein zweites FSRU in Wilhelmshaven soll im zweiten Quartal 2024 in Betrieb gehen. Für die Jahre 2026 beziehungsweise 2027 ist die Umwandlung der schwimmenden Terminals Brunsbüttel, Wilhelmshaven und Stade in stationäre LNG-Terminals geplant.
LNG in Frankreich
Mit fünf Terminals, darunter dem schwimmenden LNG-Hafen, der vergangenes Jahr in Le Havre errichtet wurde, hat Frankreich seine Rolle als wichtiger LNG-Einstiegspunkt in Europa bestätigt. Nach Angaben des französischen Betreibers GRT Gaz macht das Land damit mittlerweile 22 Prozent aller europäischen Gasimporte aus.
Die französische Total Energies hatte im Oktober 2023 mit Katar einen 27-Jahresvertrag zur Lieferung ab 2026 von jährlich bis zu 3,5 Millionen Tonnen LNG unterzeichnet. Die damit bis 2052 andauernden Lieferungen machen den Kontrakt zum größten und längsten Vertrag des Golfstaats mit Europa.
LNG in Italien
Italien hat derzeit die viertgrößte LNG-Aussendungskapazität in Europa. Mit den festen LNG-Terminals in Rovigo am Adriatischen Meer und Panigaglia in Ligurien sowie den zwei schwimmenden Terminals in Livorno und Piombino ergibt sich eine Regasifizierungskapazität von täglich 723 GWh.
Das italienische Gasunternehmen Snam plant, 1 Mrd. Euro in ein neues Offshore-Terminal für Flüssigerdgas (LNG) zu investieren. Das neue FSRU befindet sich in der Nähe von Ravenna und soll mit einer jährlichen Kapazität von 5 Mrd. Kubikmeter im Jahr 2025 in Betrieb gehen.
LNG in Spanien
Spanien hat mit einer LNG-Aussendungskapazität von insgesamt über 1900 Gigawattstunden (GWH) pro Tag die größte Regasifizerungskapazität aller europäischen Länder. Im Jahr 2023 kam das durch Enagás und Reganosa betriebene Terminal El Musel mit einer jährlichen Kapazität von 8 Mrd. Kubikmeter hinzu.
Die Gesamtkapazität wurde in 2023 jedoch nur zu 35 Prozent genützt. Insgesamt wurden nur rund 241 GWh Erdgas in das Netz ausgesendet.
Wasserstoff-Pipelineprojekt
Dies soll sich spätestens mit dem Wasserstoff-Pipelineprojekt H2Med und der damit besseren Integration der spanischen Importkapazitäten in das europäische Netz ändern. Die für 2030 geplante Bar-Mar Pipeline soll als Teil des H2Med-Projekts die Importkapazitäten des größten europäischen LNG-Terminals Barcelona mit Marseille vernetzen.
Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: "Russlands LNG-Lieferungen nach Europa steigen auf neuen Rekordstand"
Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.



