Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Die Spotpreise auf den europäischen Gasmärkten bewegten sich in dieser Woche seitwärts. Dass sich die Terminpreise fester zeigen, hat mit den anhaltenden geopolitischen Spannungen zu tun. Dazu gibt es bemerkenswerte Entwicklungen im LNG-Handel.

Seitdem der österreichische Energiekonzern OMV vor rund einem Monat in einer sogenannten Remit-Meldung vor einem möglichen Stopp russischer Gasflüsse gewarnt hat, sind die Lieferungen aus Russland zwar stabil geblieben. Die Unsicherheit über potenziell rückläufige Mengen in den kommenden Monaten stützt jedoch weiterhin die Gaspreise.

Attacken auf ukrainische Infrastruktur

Der ukrainische Netzbetreiber GTSOU bekräftigte einmal mehr, dass mit dem Ende des Transitabkommens ab 2025 kein Erdgas mehr von Russland durch die Ukraine fließen kann. Dies gelte explizit auch für den Fall, dass russisches durch aserbaidschanisches Gas ersetzt würde.

Durch die anhaltenden Angriffe Russlands auf die ukrainische Energieinfrastruktur kam es zuletzt zu massiven Ausfällen. Auch auf die russische Stadt Sudscha an der Grenze zur Ukraine wurde in der vergangenen Woche ein Angriff gemeldet, der aber nicht zu einer Beeinträchtigung des Gastransits führte. Die verbliebenen russischen Gaslieferungen durch die Ukraine verlaufen über die Pipeline Jelez-Krementschuk-Krywyj-Rih über die Gasmessstation in Sudscha.

Österreich beschließt endlich Gesetz

Im April 2024 betrug der Anteil von russischem Gas an den gesamten Netto-Gasimporten Österreichs 81 Prozent. Nach langer politischer Diskussion hat der österreichische Nationalrat in der vergangenen Woche ein Gesetz verabschiedet, um diese Abhängigkeit schrittweise zu reduzieren.

Große Gasanbieter müssen Pläne erstellen, wie sie die österreichischen Gaskunden auch dann mit Gasversorgen können, wenn Russland kein Gas mehr liefert. Dazu müssen sie Pläne erarbeiten, wie sie in mehreren Schritten den Einkauf von russischem Gas verringern.

USA größter LNG-Produzent weltweit

Einer Veröffentlichung der französischen Organisation Cedigaz zufolge bleiben die USA im Zeitraum Januar bis Mai 2024 weiterhin der größte Flüssigerdgas- oder LNG-Exporteur. Insgesamt wurden gut 35 Millionen Tonnen verkauft.

Weltweit zweitgrößter LNG-Produzent in den ersten fünf Monaten dieses Jahres war Australien (34 Millionen Tonnen, plus ein Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum) vor Katar (33 Millionen Tonnen, minus 0,3 Prozent. Russlands LNG-Produktion ging um sieben Prozent auf 14 Millionen Tonnen hoch.

Mehr LNG nach Asien, weniger nach Europa

Die US-amerikanischen LNG-Exporte nach Asien stiegen in diesem Zeitraum gegenüber dem Vorjahr um 41 Prozent auf rund zehn Millionen Tonnen. Im Gegensatz dazu sanken die LNG-Verkäufe der USA nach Europa im Jahresvergleich um gut 16 Prozent auf etwa 22 Millionen Tonnen.

Die US-amerikanischen Flüssigerdgasverkäufe konzentrierten sich vor allem auf Japan (plus 46 Prozent auf 2,3 Millionen Tonnen), China (plus 59 Prozent auf 1,4 Millionen Tonnen) und Indien (plus 41 Prozent auf 1,4 Millionen Tonnen). In preissensitive Absatzländer wie zum Beispiel Thailand vervierfachte sich der LNG-Absatz der US-Amerikaner auf knapp eine Million Tonnen.

Russland mit Absatzanstieg

Russland verzeichnete den größten absoluten Absatzanstieg mit einem Plus von 0,9 Millionen Tonnen. Die höheren Exporte wurden im Wesentlichen durch Steigerungen in den LNG-Anlagen Sachalin 2, Wyssozk, Jamal und Portowaja gestützt.

Mehr als die Hälfte der weltweit verkauften LNG-Exporte Russlands im Zeitraum Januar bis Mai gingen nach Europa. Die Verkäufe erhöhten sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 13 Prozent auf insgesamt 7,6 Millionen Tonnen.

Frankreich kauft deutlich mehr russisches LNG

Frankreichs LNG-Importe aus Russland haben sich dabei mehr als verdoppelt. Zwischen Januar und Mai importierte Frankreich 2,7 Millionen Tonnen russisches LNG. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 1,3 Millionen Tonnen.

Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: "Rückläufige LNG-Importe stützen Gaspreise"

Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.

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