Erwartungsgemäß wurde an Tag eins der Wartungsarbeiten an Nord Stream 1 deutlich weniger Gas in deutsche Gasspeicher eingespeichert als die Tage zuvor.
Am Montag wurden gerade einmal gut 0,5 TWh brutto eingelagert, wie Daten des Branchendiensts AGSI+ zeigen. Zugleich wurden fast 0,3 TWh ausgespeichert.
Geringster Tageszuwachs seit 5. April
Insgesamt ging der aggregierte Füllstand aller Gasspeicher in Deutschland damit um 0,09 Prozentpunkte nach oben. Das war der geringste Tageszuwachs seit 5. April. Insgesamt waren die deutschen Gasspeicher Stand Montag zu 64,6 Prozent gefüllt.
Besonders viel wird weiterhin in Deutschlands größten Gasspeicher im niedersächsischen Rehden eingelagert, auch wenn zuletzt nicht mehr die maximale Auslastung genutzt wurde. Der Füllstand dort beträgt mittlerweile 29,1 Prozent.
Ausspeicherungen bei Uniper- und VNG-Speichern
Netto ausgespeichert wurde dagegen aus den Anlagen des größten deutschen Speicherbetreibers Uniper. Der aggregierte Füllstand sank hier auf 60,0 Prozent. Betroffen waren die Speicher Bierwang in Bayern (–0,38 Prozentpunkte), Epe H-Gas (–0,16) und Etzel (–0,1). Uniper-Chef Klaus-Dieter Maubach hatte am Freitag angedeutet, dass sein Unternehmen gezwungen sein könnte, Gas in dieser Woche auszuspeichern, um seine Lieferverpflichtungen zu erfüllen.
Auch aus den Speichern des Gaskonzerns VNG wurde am Montag mehr aus- als eingespeichert. Die VNG hält wie Uniper langfristige Gaslieferverträge mit Russlands Energieriesen Gazprom. Beide Unternehmen mussten infolge der von Gazprom herbeigeführten Drosselung der Gasflüsse über Nord Stream 1 Mitte Juni Lieferkürzungen hinnehmen.
US-Terminal wohl erst im Januar wieder voll einsatzbereit
Im Großhandel kletterten die Gaspreise am Mittwoch tendenziell nach oben. Am Handelspunkt TTF wurde 1 MWh Gas für den Liefermonat August am Mittwochmittag für fast 185 Euro pro MWh gehandelt.
Preisstützend wirkten dabei neben nach wie vor stark reduzierten Gasmengen aus Russland neue Nachrichten von der LNG-Großmacht USA. Die Energiebehörde EIA prognostiziert in einem frisch veröffentlichten Bericht, dass US-amerikanische Flüssigerdgasexporte im zweiten Halbjahr 2022 im Vergleich zu den ersten sechs Monaten um sechs Prozent sinken wird. Sie geht davon aus, dass das LNG-Terminal des Betreibers Freeport in Texas nach einem Brand erst im Januar 2023 wieder voll einsatzbereit sein wird. (aba)


