Neue Entwicklung im Ostseepipeline-Krimi: Vermutlich wurde die betroffene Gasleitung Balticconnector, die Estland mit Finnland verbindet, durch einen großen Anker eines chinesischen Containerschiffs beschädigt.
Am Meeresboden sei eine anderthalb bis vier Meter breite Schleppspur zu sehen, die zur Schadensstelle an der Gasleitung führe, sagte Risto Lohi von der ermittelnden finnischen Kriminalpolizei auf einer Pressekonferenz. Es werde angenommen, dass das unter der Flagge Hongkongs fahrende Schiff "Newnew Polar Bear" die Schäden angerichtet habe.
"Russland hat mit Vorfall nichts zu tun"
Am Vortag hatte Moskau den Verdacht zurückgewiesen, in die Beschädigung der Pipeline verwickelt zu sein. "Russland hat mit diesem Vorfall nichts zu tun", hatte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge gesagt.
Am Dienstag war der Frontmonat TTF, das liquideste Gasgroßhandelsprodukt Europas, zuerst auf bis zu 53 Euro pro Megawattstunde (MWh) gestiegen, ehe er spürbar fiel – auf zwischenzeitlich 48 Euro pro MWh. Es war nicht unmittelbar klar, welche Auswirkungen die neuen Balticconnector-Entwicklungen hatten. Die Pressekonferenz fand erst am Nachmittag statt. Zuvor hatten die Aussicht auf wärmeres Wetter und mehr Wind preisdämpfend gewirkt.
Gaspreisrallye im Oktober
Zuletzt hatten mehrere geopolitische Entwicklungen den Gaspreis in die Höhe getrieben. Neben dem Balticconnector-Zwischenfall hatten der hochkochende Nahost-Konflikt und damit verbundene Engpasssorgen entlang des Suez-Kanals und der Straße von Hormus Händler beunruhigt.
In der Folge war der Frontmonat von 36 Euro Anfang Oktober auf zuletzt mehr als 50 Euro pro MWh gestiegen.
Stabile Versorgungslage
Demgegenüber bewertet die Bundesnetzagentur die Gasversorgung in Deutschland weiterhin als "stabil". Die Ausgangslage für den kommenden Winter sei "deutlich besser als vor einem Jahr". Allerdings verblieben Restrisiken.
Tatsächlich erwiesen sich die Gasflüsse in den vergangenen Monaten als stabil. Die deutschen Gasspeicher sind im Schnitt mittlerweile zu 99 Prozent gefüllt.
Schaden wegen "äußerer Aktivität"
Die Gaspipeline Balticconnector verläuft zwischen Inkoo in Finnland und Paldiski in Estland. Sie war am 8. Oktober beschädigt worden. (Die ZfK berichtete.) Auch zuvor hatte eine höchstens nachgeordnete Rolle auf dem europäischen Gasmarkt gespielt. (Mehr zur Bedeutung der Pipeline hier.)
Der finnische Präsident Sauli Niinistö hatte kurz nach dem Vorfall mitgeteilt, dass die Schäden an der Leitung sowie einem Datenkabel zwischen Finnland und Estland wahrscheinlich durch "äußere Aktivität" verursacht worden seien. Ob es sich dabei um einen Unfall oder um bewusste Sabotage handelte, blieb auch am Dienstag ungeklärt.
Schiff gehört chinesischer Reederei
Bereits am Freitag hatte die finnische Kriminalpolizei mitgeteilt, sich bei den Untersuchungen des Vorfalls auf die Rolle der "Newnew Polar Bear" zu konzentrieren. Das Schiff gehört einer chinesischen Reederei. (aba/dpa)
Lesetipp: Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: "Warum der Nahost-Konflikt die Gaspreise so stark schwanken lässt"
Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.



