Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Im Juni lag die Gasnachfrage in Deutschland mit 37,2 TWh um ein Drittel unter dem Fünfjahresmittel. Damit lag die Gasnachfrage hierzulande nur knapp über der Nachfrage in Italien. Das südeuropäische Land reduzierte jedoch im gleichen Zeitraum mit insgesamt 36,8 TWh seine Gasnachfrage nur um zwölf Prozent gegenüber dem Fünfjahresmittel.

Die Gasnachfrage in der EU lag im Juni mit insgesamt 180 TWh um 22 Prozent unter dem Fünfjahresmittel.

Norwegische Gaslieferungen

Mit Blick auf das gesamte erste Halbjahr liegen die Einsparungen in der EU mit 20 Prozent gegenüber dem Fünfjahresmittel und insgesamt 1778 TWh unter dem Einsparungsniveau des Juni. In Deutschland wurden im ersten Halbjahr dieses Jahres 433 TWh Erdgas verbraucht – eine Einsparung von einem Viertel gegenüber dem Zeitraum 2018 bis 2022.

Die norwegischen Gasexporte via Pipeline lagen im ersten Halbjahr 2023 um rund vier Prozent unter dem Fünfjahresdurchschnitt. Das skandinavische Land exportierte nach Großbritannien und in die EU insgesamt 602 TWh. Im Durchschnitt der Jahre 2018 bis 2022 waren es 626 TWh.

Pipelineexporte im ersten Halbjahr

Wegen der intensiven und zum Teil ungeplanten Wartungsarbeiten gingen die Exporte im Juni auf knapp 78 TWh zurück – ein Minus von rund 14 Prozent gegenüber dem hier angelegten Benchmark.

Die russischen Erdgasexporte via Pipeline lagen im ersten Halbjahr 2023 mit insgesamt 127 TWh Erdgas um 87 Prozent unter dem Durchschnitt der Jahre 2018 bis 2022. Der Export über die Pipeline Turkstream und durch die Ukraine fiel im Juni mit insgesamt 19,5 TWh auf ein neues Jahrestief.

LNG-Aussendungen im ersten Halbjahr 2023

Auf der Transadriatischen Pipeline (TAP) exportiert Aserbaidschan seit Dezember 2020 Erdgas in die EU, genauer an den Anlandepunkt Melendugno in Italien. Die Exporte in die EU stiegen im ersten Halbjahr auf 63 TWh – ein Plus von 18 Prozent gegenüber den ersten Halbjahren 2021 und 2022.

Aus den europäischen LNG Terminals wurden im ersten Halbjahr 910 TWh Erdgas in die angeschlossenen Netze ausgesendet. Dies war 35 Prozent beziehungsweise 237 TWh Erdgas mehr als im Vergleichszeitraum 2018 bis 2022.

EU: Aussendungen in Frankreich am höchsten

Der größte Anteil davon wurde in Großbritannien importiert. Dort stiegen die Aussendungen auf 198 TWh, ein Plus von 31 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum. Großbritannien verzeichnete jedoch im Juni mit einem Minus von zwölf Prozent gegenüber dem Benchmark einen deutlichen Einbruch der LNG-Aussendungen.

In der EU lagen die Aussendungen in Frankreich mit insgesamt 155,5 TWh am höchsten, gefolgt von Spanien (140,5 TWh) und den Niederlanden (177 TWh). Die Auslastung der französischen LNG-Terminals lag bei 69 Prozent und in Spanien bei 42 Prozent. Praktisch unter Volllast lief das niederländische LNG-Terminal in Rotterdam mit einer Kapazitätsauslastung von 96 Prozent.

Aussendungen in Deutschland

In Deutschland wurde insgesamt 42,2 TWh Erdgas aus den drei schwimmenden LNG-Terminals in die Gasnetze ausgesendet. Der größte Anteil kam vom schwimmenden LNG-Terminal (FSRU) Wilhelmshaven mit 29,6 TWh Erdgas. Die Kapazität des Terminals war durchschnittlich zu 92 Prozent ausgelastet.

Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: "Unsicherer Ausblick: Fällt auch der Handelsmonat Juli aus dem Rahmen?"

Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.

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