Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Die wiederholt verlängerten Wartungsarbeiten in Norwegen und die australischen Streiks beschäftigten auch diese Woche die europäischen Gasmärkte. Die Gaspreise zeigten sich im laufenden Monat jedoch nicht sonderlich volatil, was typisch für den Monat September ist.

Am deutschen Handelspunkt THE bewegte sich der Frontmonat im laufenden Monat bislang in einem Bereich von rund 32 bis 38 Euro pro MWh. Der Monatsmittelwert der bisherigen Tagesnotierungen lag bei rund 35 Euro pro MWh.

September bisher mit typischer Volatilität

Ganexo hat ein Modell entwickelt, das die statistische Eintrittswahrscheinlichkeit der Preisbewegungen an den Spot- und Terminmärkten im jeweiligen Handelsmonat darstellt.

Datengrundlage sind die Handelsbewegungen der vergangenen zehn Jahre.

Aufwärtsbewegung bei maximal sechs Prozent

Die Aufwärtsbewegung des Frontmonatskontrakts Okt-23 über den Monatsdurchschnittspreis betrug damit im laufenden Monat bisher maximal sechs Prozent. In sieben der vergangenen zehn Jahre war dies ebenfalls die höchste Aufwärtsbewegung im Monat September. Wir bezeichnen dies als das 75-%-Quantil.

Die Abwärtsbewegung unter den Monatsdurchschnittspreis lag ebenfalls bei maximal sechs Prozent. Nur in drei der vergangenen zehn Jahre zeigte der Frontmonatskontrakt im September eine signifikant stärkere Abwärtsbewegung. Wir bezeichnen dies als das 25-%-Quantil.

Statistische Kennzahlen für das Beschaffungscontrolling

Mit dem Korridor des 75-%-/25-%-Quantils konnte man also die Preisbewegungen von Okt-23 im laufenden Monat recht gut prognostizieren. Ein Prognosesystem auf Basis von statistischen Eintrittswahrscheinlichkeiten kann Risiken im Beschaffungscontrolling quantifizieren.

Neben der Analyse der typischen Preisbewegungen ist für die Energiebeschaffung auch die Einschätzung über die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von nur vereinzelt auftretenden Preisspitzen beziehungsweise -abstürzen essentiell wichtig. Diese kann mit dem 95-%-/5-%-Quantil dargestellt werden.

Oktober typischerweise volatiler

Der Handelsmonat Oktober zeigt im Rückspiegel der vergangenen zehn Jahre zwar für das 75%-/25%-Quantil eine ähnliche Volatilität wie der laufende Handelsmonat. Jedoch weist das 95%-/5%-Quantil von allen Handelsmonaten den breitesten Korridor auf. Der Preis pendelte um bis zu 35 Prozent über oder unter den Monatsdurchschnittspreis.

Dies korrespondiert mit der üblicherweise im Monat Oktober hohen Unsicherheit über den weiteren Verlauf des Winters. Erste Anzeichen eines möglicherweise kalten oder warmen Winters führen schnell zu großen Preisbewegungen.

Extremwerte liegen weit auseinander

Auch in diesem Jahr liegen die Extremwerte der Fundamentaldatenprognosen weit auseinander. Die Wetterentwicklung im Oktober und Prognosen für den November, die Auswirkungen der Streiks in Australien, die Höhe des LNG- und Pipeline-Angebot in Europa, der Krieg in der Ukraine, die Entwicklung der industriellen Gasnachfrage – um nur einige Faktoren zu nennen – lassen ganz unterschiedliche Marktszenarien zu.

Dementsprechend ergibt sich ein breiter Korridor für die möglichen Maximal- und Minimalpreiserwartungen im Monat Oktober. Beim aktuellen Handelspreis für Nov-23 bei 47 Euro pro MWh liegt das 95%-Quantil bei 57 Euro pro MWh und das 5%-Quantil bei 28 Euro pro MWh.

Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des jüngsten Artikels: "Im Schatten der Gaspreise hat eine andere Rallye begonnen"

Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.

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