Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Trotz aktuell niedriger Nachfrage und guter Versorgung steigen die Gaspreise über 40 Euro pro MWh. Die Sorge, dass wegen des Krieges in Nahost zukünftig weniger LNG in Europa ankommen könnte, beschäftigt die Märkte.

Der wichtigste Transportweg der Welt – ohne Alternativen

Katar ist hinter den USA und Australien der drittgrößte LNG-Exporteur weltweit. Das Land exportierte über die Straße von Hormus im Jahr 2024 rund 80 Millionen Tonnen LNG. Das entspricht ungefähr 19 Prozent des globalen LNG-Angebots.

Katar plant unter anderem mit dem Ausbau des North-Field-East- und North-Field-South-Projekts, seine LNG-Produktion in den nächsten Jahren schrittweise auszubauen. Im Jahr 2026 soll die LNG-Produktionskapazität auf 110 Millionen Tonnen, im Jahr 2028 auf 126 Millionen Tonnen und bis 2030 auf bis zu 142 Millionen Tonnen LNG ansteigen.

Neben Katar exportieren auch die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) LNG durch die Straße von Hormus. Im Vergleich zu Katar ist das Exortvolumen der VAE mit rund 5 Millionen Tonnen LNG jedoch sehr gering.

Ebenso groß ist die Bedeutung dieses Transportweges für den globalen Ölmarkt. Im Jahr 2024 wurden rund 7,5 Milliarden Barrel Rohöl über diesen Seeweg transportiert, was rund 20 Prozent des weltweiten Ölverbrauchs entsprach.

Geringe Wahrscheinlichkeit aber hohe Auswirkung

Derzeit schätzen die meisten Marktteilnehmer die Wahrscheinlichkeit, dass der Iran die Straße von Hormus blockieren würde als sehr gering ein. Eine Blockade dieses Transportweges wäre ein dramatisches geopolitisches Ereignis mit globalen wirtschaftlichen Folgen – für die Energieversorgung und politische Stabilität in der Region.

Die Straße von Hormus wurde noch nie vollständig blockiert, aber es gab in der Vergangenheit mehrere ernsthafte Zwischenfälle, bei denen der Schiffsverkehr gefährdet oder eingeschränkt wurde. Zwischen 1980 und 1988 kam es beispielsweise durch den Iran-Irak-Krieg immer wieder zu Zwischenfällen, im Zuge des Nuklearkonflikts mit dem Iran kam es wiederholt zu Drohungen und Spannungen im Schiffsverkehr.

Im Falle einer Blockade käme es mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem militärischen Eingriff der USA, die auch in der Vergangenheit ein solches Szenario bereits als rote Linie bezeichnet haben. Auch China warnte den Iran jüngst vor einem solchen Schritt.

Verbot russischer Gaslieferungen ab 2026 – Entwurf EU-Kommission

Ein weiteres Thema beschäftigt in dieser Woche die Gasmärkte und stützt die Gaspreise. Die EU-Kommission hat einen Entwurf vorgelegt, der ein vollständiges Verbot russischer Gasimporte bis spätestens Ende 2027 vorsieht.

Der Entwurf sieht einen gestaffelten Zeitplan vor, welcher ab 1. Januar 2026 ein Verbot neuer Lieferverträge für russisches Erdgas (Pipeline und LNG), die Beendigung von Spotmarktverträgen zum 17. Juni 2026 und zum 1. Januar 2028 das Ende aller langfristigen Verträge mit russischen Anbietern vorsieht.

Einige EU-Staaten, wie Ungarn und die Slowakei, kritisieren den Entwurf vehement und verweisen auf mögliche daraus resultierende Versorgungsengpässe. Im Entwurf sind für diese Länder jedoch Übergangsfristen vorgesehen, um den Bezug zum 1. Januar 2028 einzustellen.

Widerstand Ungarns und weiterer Abstimmungsprozess

Ungarn und die Slowakei könnten die Importe über Nachbarländer und deren LNG-Importinfrastruktur ausbauen. Beispielsweise sind dies die bestehenden Anbindungen an die kroatischen, griechischen und italienischen LNG-Importkapazitäten.

Der Europäische Rat muss nun nur mit qualifizierter Mehrheit dem Entwurf der EU-Kommission zustimmen. Damit könnte der Widerstand beispielsweise Ungarns, der Slowakei und eventuell auch Österreichs übergangen werden.

Die formelle Abstimmung im Europäischen Rat wird für Ende 2025 erwartet, wahrscheinlich während der Herbst-Winter-Tagung, als Teil des ordentlichen Gesetzgebungsverfahrens. Dies wird zeitgleich mit den Trilog-Verhandlungen und der Abstimmung im Europäischen Parlament stattfinden.

Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK-Morning Briefing.

Der Titel seiner letzten Analyse lautet: Rumänien auf dem Weg zum größten Gasproduzenten der EU

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