Die Energieminister der Europäischen Union werden auf dem Dringlichkeitsgipfel am 30. September neue Maßnahmen beschließen, um die steigenden Gas- und Strompreise zu bekämpfen.
Die EU-Kommission hatte am Mittwoch einen Gesetzesvorschlag vorgelegt, wonach unter anderem übermäßige Gewinne der Stromproduzenten auf die Verbraucher verteilt werden sollen, die Gas- und Ölkonzerne eine Krisenabgabe leisten sollen und Liquiditätshilfen für Energieversorger. Einen Preisdeckel für Gas sieht der Entwurf derzeit nicht vor – dieser wurde jedoch von vielen Marktteilnehmern erhofft. Mehr zur Gaswoche im Überblick:
Großbritannien: Preisobergrenze und Aufhebung Fracking-Verbot
Die britische Regierung legt die Preisobergrenze für die jährlichen Gaskosten eines typischen Haushalts bei 2500 £ für die nächsten zwei Jahre fest. Premierministerin Liz Truss kündigte an, neue Öl- und Gasexplorationslizenzen in der Nordsee auszugeben. Das Fracking-Verbot wurde angesichts der steigenden Energiekosten aufgehoben, allerdings bleiben bisher wichtige Antworten zu Fragen der Sicherheit und Rentabilität der Fracking-Branche offen.
Am Mittwoch hat der britische Energieversorger Centrica damit begonnen, Tests für die Einspeicherung am Gasspeicher Rough durchzuführen. Die Einspeicherung im reaktivierten größten britischen Gasspeicher soll ab nächster Woche beginnen. Die zusätzliche Nachfrage dafür könnte die Gaspreise steigen lassen.
Niederlande rechnen nicht mit Ausrufung der zweiten Stufe des Gasnotfallplans
Die Gasförderung im niederländischen Groningen-Feld soll ab Oktober in Bereitschaft gehalten werden. Die niederländische Regierung hatte beschlossen die Förderung im größten Gasfeld Europas im kommenden Gaswirtschaftsjahr in Betrieb zu halten, um angesichts der Energiekrise flexibel zu bleiben.
Die Niederlande rechnen nicht damit, dass sie im kommenden Winter die zweite Stufe ihres Gasnotstandsplans ausrufen müssen. Kommunen und öffentliche Einrichtungen wurden bis mindestens Ende des Jahres von der Verpflichtung befreit, Lieferverträge mit Gazprom-Tochterunternehmen zu kündigen.
Russland und China rücken enger zusammen
Die Nord-Stream Pipeline bleibt außer Betrieb. Der Kreml kündigte an, dass die Wiederinbetriebnahme nur unter der Voraussetzung erfolgen könne, wenn die westlichen Sanktionen aufgehoben würden.
Russland und China haben die wichtigsten Rahmenbedingungen für die Gaslieferungen auf der neuen Pipeline, die durch die Mongolei laufen könnte, vereinbart. Die Power of Siberia 2 Pipeline soll ab 2030 jährlich 50 Mrd. Kubikmeter Erdgas nach China transportieren. Gazprom exportierte auf der bestehenden Power of Siberia Pipeline im letzten Jahr 10,39 Mrd. Kubikmeter Gas nach China.
Frankreich und Spanien uneins wegen MidCat-Pipeline
Frankreich bleibt weiterhin gegenüber dem MidCat-Pipeline Projekt ablehnend. Auf einer letztwöchigen Pressekonferenz sagte der französische Präsident Macron, dass die Pipeline das europäische Gasproblem nicht lösen würde und bezeichnete es als faktisch falsch. Dennoch zeigte er sich offen für weitere Gespräche. Das Pipelineprojekt mit Verlauf durch die Pyrenäen wäre die dritte Gasverbindung zwischen Frankreich und Spanien und würde mehr als 3 Mrd. Euro kosten.
MidCat könnte die großen LNG-Importkapazitäten Spaniens besser mit dem Rest von Europa verbinden. Das Projekt wird von den Regierungen Spaniens und Portugal und neuerdings auch von der Bundesregierung unterstützt. Die spanische Ministerin für den ökologischen Wandel, Teresa Ribera, rief zur Solidarität Frankreichs mit dem iberischen Land auf und forderte Paris auf, seine jüngste Ablehnung der MidCat-Pipeline zu überdenken.
Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: "Gaspreis fällt unter 200-Euro-Marke: Was hinter dem Abwärtstrend steckt".
Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.


