Preem, Schwedens größter Hersteller von Kraftstoffen, spielt eine herausragende Rolle bei der Umstellung auf Wasserstoff.

Preem, Schwedens größter Hersteller von Kraftstoffen, spielt eine herausragende Rolle bei der Umstellung auf Wasserstoff.

Bild: © Adobe Stock/Thomas

Anderthalb Jahre wurde am Konzept gearbeitet, über 40 Projekte sind entwickelt worden: Ein breites Bündnis aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft hat nun einen konkreten Fahrplan für die Wasserstoffregion Emscher-Lippe vorgestellt. In den kommenden Jahren soll rund 1 Mrd. Euro in das Zukunftsthema investiert werden, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung.  Ziel der Roadmap H2EL sei es, die industrielle Basis der Region zu sichern und neue Arbeitsplätze in zukunfts­sicheren Branchen zu schaffen.

Die Region verfolge dabei einen pragmatischen Ansatz: „Wir nutzen die vorhandenen Ressourcen und Kompetenzen, um so schneller und kostengünstiger eine Wasserstoffwirtschaft aufzubauen als andere Regionen“, sagt Landrat Bodo Klimpel. Ein Beratungsunternehmen habe der Emscher-Lippe-Region „beste Voraussetzungen“ zur Etablierung als H2-Modellregion bescheinigt, wenn ein eng abgestimmtes strategisches Konzept verfolgt werde.

Welge: Neue Lebensqualität dank Wasserstoff

„Die Roadmap H2EL weist den Weg in die Klimaneutralität mit grünem Wasserstoff und wird zugleich durch Versorgungskonzepte für Quartiere und neue Mobilität zu neuer Lebensqualität führen“, lässt sich Gelsenkirchens Oberbürgermeisterin Karin Welge, in der Mitteilung zitieren. Die Vorreiterrolle der Industrie könne den Weg zu Unternehmensansiedlungen ebnen und den konsequenten Einsatz von grünen Wasserstofftechnologien zu einem Exportschlager aus dem nördlichen Ruhrgebiet machen. Der Wandel gehe weiter, so die Oberbürgermeisterin. Als herausragendes Beispiel nannte Welge den „Klimahafen Gelsenkirchen“, wo Mittelstand, Binnenschifffahrt und Großindustrie in einem Verbundprojekt schrittweise auf Klimaneutralität umgestellt werden sollen.

Die Umsetzung der Roadmap bis 2030 bedeute einen Kraftakt für die Region: „Das Ziel der Klimaneutralität stellt die Industrie vor enorme Herausforderungen“, betont Lars Baumgürtel, Vizepräsident der IHK Nord Westfalen. Um die Transformation zu meistern, müsse der Mittelstand genauso wie die Großindustrie Zugang zu grünem Wasserstoff erhalten.

Ehrgeizige Ziele

Die Roadmap setzt auch ehrgeizige Ziele für die Mobilität: „Wir wollen den Anteil erneuerbarer Energien im Verkehrssektor, der heute noch bundesweit bei 7,3 Prozent liegt, in unserer Region bis 2030 auf 30 Prozent steigern“, sagt Bernd Tischler, Oberbürgermeister der Stadt Bottrop. Im Jahr 2030 sollen 1000 Lkw, 120 Busse und 100 Müllfahrzeuge von Brennstoffzellen angetrieben werden und in jeder Stadt mindestens eine Wasserstofftankstelle vorhanden sein. „Dafür werden wir uns um eine weitere Förderung des Bundesverkehrsministeriums (HyPerformer) bewerben.“

Regierungspräsidentin Dorothee Feller gibt einen Ausblick auf die nächsten Schritte. Der zentrale Baustein auf dem Weg zur grünen Industrieregion sei die Nutzung und der Ausbau der Infrastruktur: Schon jetzt geht von der Emscher-Lippe-Region die längste Wasserstoff-Pipeline Deutschlands aus. Das vom Bund geförderte Projekt GET H2 werde ein öffentlich zugängliches Netz schaffen, das die Wirtschaft mit grünem Wasserstoff aus dem Emsland versorgt und perspektivisch die Wasserstoffregion Emscher-Lippe mit den Nordseehäfen Rotterdam, Antwerpen und Wilhelmshaven und dem Rheinland verbindet.

Wasserstoff international denken

„Wenn wir Wasserstoff nutzen wollen, um Arbeitsplätze im energieintensiven Gewerbe zu erhalten, neue Arbeitsplätze zu schaffen und die Klimaziele zu erreichen, dürfen wir nicht allein in Regionen denken. Es wird entscheidend darauf ankommen, nationale und regionale Grenzen entlang von Wertschöpfungsketten zu überwinden und sich kooperativ zu verbinden“, so Feller. 

Die Perspektiven sollen am 4. Oktober auf der früheren Steinkohlenzeche Fürst Leopold in Dorsten beim Wasserstoff-Gipfel weiterentwickelt und konkretisiert werden. Auf dem Weg dahin gebe es die Möglichkeit, konkrete Projekte im Rahmen einer Roadshow kennenzulernen, so am 14. September im Chemiepark in Marl. (amo)

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