Die Region Hannover will Vorreiter bei der Wasserstoffnutzung werden und dies zum wichtigen Bestandteil ihrer Klimaschutz-Strategie machen. "Wasserstoff ist für die Energie-, Verkehrs- und Ressourcenwende elementar", sagt Ulf-Birger Franz, Wirtschafts-, Verkehrs- und Bildungsdezernent der Region Hannover, in einer Pressemitteilung. Die Region Hannover will die mit dem Wasserstoff verbundenen Chancen frühzeitig ergreifen und gemeinsam mit vielen regionalen Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft die Entwicklung vorantreiben.
Möglich machen soll es eine Roadmap Wasserstoff. Die Verwaltung hat mit der Leibniz Universität, der Hochschule Hannover und der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Hannoverimpuls erste Eckpunkte für eine solche Roadmap im Ausschuss für Wirtschaft und Beschäftigung vorgestellt.
In ganz anderen Größenordnungen denken
"Wasserstoff wird sich nur durchsetzen, wenn wir die Phase kleiner Einzelprojekte verlassen und in ganz anderen Größenordnungen denken. Wir brauchen eine umfassende Strategie mit Ausbildung, Wasserstoffproduktion und wirtschaftlich tragfähigen Anwendungsfällen", ist Franz überzeugt. Bereits in den kommenden Jahren wolle die Region die Infrastruktur für das Thema Wasserstoff deutlich ausbauen."
Die Regionsversammlung hat dafür laut der Mitteilung bis zum Jahr 2024 zunächst 1,5 Mio. Euro für die Projektentwicklung und 5 Mio. Euro für Investitionen bereitgestellt.
Modellprojekt in den Startlöchern
Noch in diesem Jahr könnte ein erstes Modellprojekt starten: Die Stadtentwässerung Hannover benötigt Sauerstoff für die effizientere Abwasserklärung und könnte diesen aus einer Elektrolyse beziehen. Wasserstoff entsteht quasi als Nebenprodukt und könnte künftig genutzt werden – zum Beispiel von Regiobus. Die Elektrolyse-Abwärme soll ins Fernwärmenetz von Enercity eingespeist werden.
Üstra und Regiobus haben bereits 2020 Tests mit einem Wasserstoff-Bus unternommen. Der geplante Regiobus-Betriebshof in Ronnenberg-Weetzen soll eine Wasserstoff-Tankstelle erhalten. Auch Aha will ab 2022 mit einem wasserstoffbetriebenen Fahrzeug auf die Straße gehen.
In die Ausbildung investieren
Ein zentrales Element der Wasserstoff-Strategie wird auch das Thema Ausbildung sein. "Wir brauchen gut ausgebildete Fachkräfte, damit das Thema und die beteiligten Unternehmen wachsen können. Dafür müssen wir in den Hochschulen wie in den Berufsschulen neue Ausbildungsangebote schaffen", sagt Franz. In den kommenden Jahren soll ein neuer "Wasserstoff-Campus Hannover" mit verschiedenen Instituten der Leibniz Universität entstehen. Ein erstes Pilotprojekt wird dort die Entwicklung eines Wasserstoff-betriebenen Multikopters sein. Gemeinsam mit der Handwerkskammer sollen in der dualen Berufsausbildung Angebote für das Handwerk geschaffen werden.
Die Leibniz Universität und die Hochschule Hannover untersuchen aktuell, welches Potenzial Wasserstoff für die Region Hannover hat. Richard Hanke-Rauschenbach von der Leibniz Universität Hannover betont, dass – richtig umgesetzt – Wasserstoff nicht nur Potenziale für den Klimaschutz biete, sondern auch interessante Chancen für die Wirtschaft. „Unser Hauptaugenmerk gilt hierbei dem Energiebereich und in der Kopplung unterschiedlicher Industriesektoren dem Einsatz von Wasserstoff, Sauerstoff und Wärme."
Vorteile gegenüber der Batterie
Lars-Oliver Gusig von der Hochschule Hannover ergänzt: "Zwei Institute unseres Forschungsclusters Energie, Mobilität und Industrieprozesse widmen sich der Bedarfsanalyse von Wasserstoff in der Mobilität und der Industrie. Gerade bei kommunalen Nutzfahrzeugflotten und Sonderfahrzeugen hat Wasserstoff Vorteile gegenüber dem Batterieantrieb."
Noch ist die Entwicklung und Nutzung von Wasserstofftechnologie kostspielig, allerdings fordert die Clean Vehicle Directive der EU von der öffentlichen Hand, ihre Flotten bis 2030 schon auf bis zu ein Drittel emissionsfreier Fahrzeuge umzustellen. Franz sieht darin auch eine Chance: "Die öffentliche Hand muss ein Innovationstreiber sein", ist der Wirtschaftsdezernent überzeugt. "Das ist nicht nur ein Beitrag zum Klimaschutz, sondern auch zur Modernisierung unserer Wirtschaft und zur Schaffung neuer Arbeitsplätze." (amo)



