500.000 Hausbesuche, 220.000 Gasgeräte, 85 Millionen Euro Kosten, so beschreibt die Unternehmensgruppe Energieversorgung Mittelrhein (evm) die Größenordnung ihres kürzlich abgeschlossenen Projekts. In Koblenz hat das Unternehmen die Versorgung von L- auf H-Gas umgestellt.
Sieben Jahre nach dem offiziellen Start habe die evm-Gruppe das Projekt beendet, hieß es in einer Pressemitteilung. Damit ist die Deadline für das Netzgebiet bis Ende 2023, die die Open Grid Europe (OGE) als Betreiberin des Gasfernleitungsnetzes gestellt hatte, erfüllt.
Erdgasförderung wird in den Niederlanden schrittweise eingestellt
Hintergrund ist, dass die Erdgasförderung in den Niederlanden schrittweise eingestellt werden soll und von dort größere Mengen L-Gas in das Fernleitungsnetz eingespeist wurden.
Stattdessen strömt nun H-Gas aus Norwegen und anderen Bezugsländern durch das Netz der Energienetze Mittelrhein enm. Da H-Gas einen höheren Brennwert hat, mussten sämtliche gasbetriebenen Geräte auf die neue Gasqualität angepasst werden.
Umfangreiche Vorarbeiten
„Wir sind dabei schrittweise vorgegangen und haben unser Netzgebiet in drei große Teilbereiche unterteilt“, berichtet Projektleiter Andreas Weiland. „Wir mussten in jeden Haushalt, um exakt zu ermitteln, welche Gasgeräte dort jeweils vorhanden sind.“
Anhand dieser Daten konnten die Experten dann ermitteln, wie das jeweilige Gerät auf H-Gas anzupassen ist. Im Regelfall musste für Erdgasheizungen eine neue Düse beschafft und später eingebaut werden, während sich vor allem neuere Geräte selbständig an die Gasqualität anpassen und kein Ersatzteil zu beschaffen war.
In wenigen Ausnahmefällen sei allerdings eine Anpassung aufgrund des Alters oder des Zustands der Anlage nicht möglich gewesen, sodass der Eigentümer diese austauschen musste.
Eine Million Arbeitsstunden
Damit die Aufgabe pünktlich zum jeweiligen Schalttermin erledigt werden konnte, seien neben dem zwanzigköpfigen Kernteam der evm-Gruppe auch rund 100 weitere Mitarbeiter des Unternehmens sowie mehrere Hundert Mitarbeiter von 15 Dienstleistern im Einsatz, die sich um die Erhebung und Anpassung der Endgeräte der Kunden, um die Qualitätssicherung, den Kundenkontakt und vieles mehr kümmerten.
Unterm Strich seien mehr als eine Million Arbeitsstunden und ca. 85 Millionen Euro in dieses Infrastrukturprojekt investiert worden.
Für die Umstellung des ca. 5.300 Kilometer langen L-Gas-Netzes der evm-Gruppe auf H-Gas sei eine akribische Vorarbeit notwendig gewesen: Die Netzplanungsexperten enm hatten zu diesem Zweck detaillierte Berechnungen vorgenommen und Probebetriebe durchgeführt, bevor dann von 2021 an die Netzbereiche sukzessive auf H-Gas geschaltet werden konnten.
"„Das muss man sich wie eine Operation am offenen Herzen vorstellen.“ -Hendrik Majewski
„Das muss man sich wie eine Operation am offenen Herzen vorstellen“, beschreibt der Geschäftsführer der enm, Hendrik Majewski die Arbeit. „Unsere Spezialisten hatten alles so perfekt vorbereitet, dass die einzelnen Umstellungen ohne Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit in unserer Region durchgeführt werden konnten.“ (pfa)



