Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Das hohe Preisniveau hat sich auf den Gasmärkten manifestiert. Trotz der zuletzt guten Versorgung zeigten sich die Gaspreise weiterhin fest.

Der Mix aus geopolitischen Risiken und globaler Marktexposition sollte auch die nächsten Jahre für hohe und volatile Preise sorgen. Damit heißt es Abschied nehmen vom billigen Erdgas der letzten Jahre.

Früher waren 20 Euro pro MWh normal

Während der vergangenen zehn Jahre bis vor Beginn der Covid-Pandemie bewegten sich der Gaspreise in Deutschland, damals noch an NCG und Gaspool, bei rund 20 Euro pro MWh. Der kalte Winter zu Beginn des Jahres 2021, die leeren Gasspeicher im nachfolgenden Sommer und die schrittweise Austrocknung der russischen Gasflüsse trieben die Spotpreise bis Oktober 2021 auf rund 100 Euro pro MWh.

Auf dem Terminmarkt ging man noch von einem kurzfristigen Höhenflug aus. Cal-23, der Preis für das Kalenderjahr 2023, notierte damals nur unwesentlich über 30 Euro pro MWh.

Zuwachs von etwa 300 Prozent

Mittlerweile hat sich der Höhenflug in eine neue Realität verwandelt und am Terminmarkt des deutschen THE notieren alle handelbaren Kontrakte über 50 Euro pro MWh. Cal-23 hat sich mittlerweile auf über 90 Euro pro MWh verteuert – ein Zuwachs gegenüber dem vergangenen Oktober von etwa 300 Prozent.

Dies wird die Endverbraucherkosten auf absehbare Sicht massiv verteuern:  Für einen Drei-Personen-Haushalt könnten sich so die jährlichen Gaskosten gegenüber vor zwei Jahren um 1000 Euro verteuern, für ein Industrieunternehmen mit Leistungsmessung um mindestens 100.000 Euro.

Globaler LNG-Markt ist verknappt

Ohne russisches Gas wird der europäische Gasmarkt noch stärker wie bisher im globalen Wettbewerb um Flüssiggas exponiert. Der globale LNG-Markt ist jedoch verknappt, denn Gas und LNG haben eine Schlüsselrolle in einer dekarbonisierten Welt.

Laut Shell-LNG-Outlook  des Vorjahres soll Gas bis 2040 mit 41 Prozent Wachstum der am stärksten wachsende Energieträger sein. Bis 2040 soll demnach in Asien die Gasnachfrage um 48 Prozent ansteigen. Insgesamt soll die Nachfrage nach Kraftwerksgas im Stromsektor mit 35 Prozent den am stärksten wachsenden Nachfragesektor darstellen.

Vergleich mit Asien

In Asien war bereits vor der aktuellen Krise wegen des hohen Erdgasanteils in der Stromerzeugung die Bereitschaft bei hohem Preisniveau Gas einzukaufen deutlich ausgeprägter als in Europa.

Als sich die Preise in Europa noch um rund 20 Euro pro MWh bewegten, waren Preisspitzen am asiatischen JKM zwischen umgerechnet 40 bis 50 Euro pro MWh keine Seltenheit.

Erst nach 2025 deutlich mehr LNG-Mengen

Die LNG-Infrastruktur in Europa wird sich neu ausrichten müssen. Der Anteil russischen Pipeline-Lieferungen wird sich mindestens stark reduzieren – Lieferstopp hin oder her.

In den kommenden Jahren wird es in Europa beim Wettbewerb um das globale LNG um dringende Fragen der Versorgungssicherheit gehen, was die Gaspreise über längere Zeit stützen könnte. Erst nach dem Jahr 2025 soll sich die globale LNG-Angebotsmenge nennenswert erhöhen. Damit sind Gaspreis von rund 20 Euro pro MWh auf absehbare Zeit passé.

Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: "Das Tabu ist gebrochen: Wie Europa nun auf Putins Machtpoker reagieren muss."

Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.

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