Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

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Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Durch den Rückgang der russischen pipelinegebundenen Gaslieferungen und den Ausbau der europäischen LNG-Infrastruktur steigt der Anteil von LNG im europäischen Gas-Angebotsmix auf rund 40 Prozent. Russland konnte seine LNG-Exporte stark ausbauen und ist im ersten Halbjahr 2023 nach den USA der zweitgrößte LNG-Lieferant für Europa.

Insgesamt 852 LNG-Schiffslieferungen erreichten die europäischen LNG-Terminals in den ersten sechs Monaten dieses Jahres. Die meisten Lieferungen gingen nach Frankreich (181), gefolgt von Spanien (143), den Niederlanden (128) und Großbritannien (111). Die drei LNG-Terminals in Deutschland wurden von insgesamt 34 LNG-Schiffen beliefert.

LNG in Deutschland kommt hauptsächlich aus den USA

Dominierender Lieferant in Europa im ersten Halbjahr 2023 waren die USA mit 381 Lieferungen (44 Prozent aller LNG-Schiffe), gefolgt von Russland (115), Katar (94), Algerien (80) und Nigeria mit 48 Schiffslieferungen. Die Rolle der einzelnen Lieferanten in den jeweiligen europäischen Ländern ist jedoch sehr unterschiedlich.

Deutschland scheint seine Abhängigkeit von russischen Pipeline-Lieferungen in eine hohe Abhängigkeit von LNG-Lieferungen aus den USA eingetauscht zu haben. Grund ist sicherlich auch die hohe Abhängigkeit Deutschlands von LNG-Spotlieferungen.

26 der insgesamt 34 LNG-Schiffslieferungen an deutsche LNG-Terminals kamen aus den USA. Das entspricht einem Marktanteil von 77 Prozent.

Belgien mit wenig US-LNG-Anteil

Hohe Abhängigkeit von US-LNG-Importen zeigen im ersten Halbjahr ebenfalls die Niederlande mit einem Marktanteil der LNG-Schiffslieferungen aus den USA von 69 Prozent, Großbritannien mit 67 Prozent und Frankreich mit 43 Prozent.

Den niedrigsten Anteil an US-Flüssigerdgas unter den großen europäischen Importeuren zeigt Belgien. Hier kamen im ersten Halbjahr von insgesamt 72 LNG-Schiffslieferungen nur vier Tanker aus den USA – ein Marktanteil von fünf Prozent.

Belgien: Hälfte aller LNG-Lieferungen aus Russland

Belgien, Spanien und Frankreich waren im ersten Halbjahr die wichtigsten Absatzmärkte in Europa für russisches LNG. Belgien bezog 35 LNG-Schiffslieferungen, was dort der Hälfte aller angekommenen LNG-Schiffe an den Terminals Zeebrugge und Alveringem entsprach.

Ebenfalls 35 Lieferungen aus Russland gingen an die spanischen LNG-Terminals. In Frankreich wurden 30 mit Flüssigerdgas aus Russland beladene Schiffe gezählt.

Polen bezieht kein russisches Gas

An die deutschen Terminals gingen nur im Januar und Februar dieses Jahres insgesamt zwei LNG-Lieferungen aus Russland.

Großbritannien, Italien, Polen und Griechenland bezogen im ersten Halbjahr dieses Jahres kein russisches LNG.

USA auf LNG-Markt in Asien

Viel unbedeutender war russisches und US-amerikanisches LNG für die fünf größten asiatischen LNG-Importländer. Ihr Anteil im ersten Halbjahr lag bei fünf Prozent beziehungsweise sieben Prozent aller dort registrierten LNG-Schiffslieferungen.

Die führenden Lieferanten für Japan, China, Südkorea, Taiwan und Indien sind Australien, Malaysia und Katar. Von den insgesamt knapp 1500 LNG-Lieferungen im ersten Halbjahr kamen 35 Prozent aus Australien, 19 Prozent aus Katar und 15 Prozent aus Malaysia.

Blick nach Japan

Größter LNG-Importeur in Asien im ersten Halbjahr war Japan mit insgesamt 460 LNG-Lieferungen. Das ostasiatische Land war zugleich der größte Importeur von russischem LNG im asiatischen Raum. 38 LNG-Schiffe aus Russland erreichten im ersten Halbjahr Japan.

Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: "Pipelines bis LNG: Wie sich wichtige Gasflüsse dieses Jahr bislang entwickelten"

Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.

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