Die Debatte um den wirtschaftlich möglichen Betrieb der Gasspeicher und die Sinnhaftigkeit der Speicherziele hatte bereits die gesamte Wintersaison 2024 begleitet. Zwischen Oktober 2024 bis März 2025 waren die Sommer-Winter-Spreads negativ und die Marktsituation war für die Speicherbetreiber schwierig.
Dann wurde damals mit den neuen angepassten Speicherzielen der Spekulation ein Ende gesetzt und ab April 2025 normalisierten sich die saisonalen Spreads wieder. Dennoch blieben die Einspeicherungen im Sommer 2025 hinter den Erwartungen zurück und bis zum Winter stieg der aggregierte Füllstand der Speicher in Deutschland nur auf 76 Prozent und in Europa aggregiert auf 83 Prozent.
Einspeicherungen nicht im Geld
Die Marktbedingungen bleiben für die Speicherbetreiber auch in diesem Jahr weiterhin sehr schwierig. Mit dem Iran-Konflikt und der Sperrung der Straße von Hormus sind die globalen Gaspreise vor allem am kurzen Ende der Terminkurve nach oben geschnellt und die Volatilität stieg auf den höchsten Stand seit dem Ende der letzten Energiekrise.
In dieser Woche notierte der Preis am TTF für Winter-26 bei rund 45 Euro je Megawattstunde (MWh), wohingegen der Preis am für Q3/26 bei rund 46,50 Euro/MWh notierte. Damit steht der Spread aktuell bei -1,5 Euro/MWh, der negative Spread hat sich somit seit Anfang April um 1 Euro/MWh vergrößert.
Damit haben die Speicherbetreiber keinen ökonomischen Anreiz zur Einspeicherung und die Einspeicherungen laufen dementsprechend schleppend. Die europäischen Gasspeicher sind aktuell mit rund 400 TWh Arbeitsgas gefüllt und stehen bei einem Füllstand von 35 Prozent.
Erfolglose Speichervermarktungen
Im Mai wurden in Europa bisher nur 30 TWh eingespeichert. Das Defizit gegenüber dem Vorjahr hat sich damit seit Anfang des Monats von 70 auf 80 TWh erhöht. Vor einem Jahr waren in den europäischen Gasspeichern bereits 480 TWh bei einem Füllstand von 43 Prozent eingespeichert.
Nicht zufriedenstellend läuft in der Sommersaison daher die bisherige Vermarktung der Gasspeicher. Uniper hatte beispielsweise im April Kapazität für den Speicher Etzel angeboten und nichts verkauft. Sefe Storage hatte in zwei Auktionen für den Speicher Rehden mit Auktionsvolumen von insgesamt 3000 GWh eine erfolglose Auktion und bei der zweiten Auktion nur 110 GWh verkauft.
Uniper will Breitbrunn stilllegen
In dieser Woche hatte die Betreibergesellschaft Uniper Energy Storage des bayerischen Gasspeichers Breitbrunn mitgeteilt, dass die Füllstandsziele für den Speicher voraussichtlich verfehlt werden. Derzeit sieht es nicht so aus, dass die 80-Prozent-Zielmarke bis 1. Oktober erreicht wird. Der Speicher ist aktuell aber nur zu rund 9 Prozent befüllt.
Uniper Energy Storage argumentiert, dass sich der wirtschaftliche Betrieb des Speichers nicht mehr abbilden lasse und hatte bereits im letzten November die Stilllegung für den 1. November 2027 angemeldet. Die Bundesnetzagentur dürfte jedoch nur dann der Anmeldung zustimmen, sofern sie zum Schluss kommt, dass die Versorgungssicherheit durch die Stilllegung nicht gefährdet ist.
Versorgungssicherheit durch Gasspeicher
Natürlich benötigen die Speicherbetreiber Marktrahmenbedingungen für einen wirtschaftlichen Betrieb der Gasspeicher. Denn volle Gasspeicher im Winter bedeuten Versorgungssicherheit vor allem in Krisenzeiten wie diesen.
Der Gesetzgeber muss damit Rahmenbedingungen schaffen, die nicht nur dem kommerziellen, sondern auch dem politischen Aspekt der Gasversorgung Rechnung tragen. Schon einmal vertraute man auf das "privatwirtschaftliche Projekt" Nord Stream 2, was Europa in die schwerste Gaskrise der Nachkriegszeit zog.
Die USA stellten im vergangenen Jahr rund 25 Prozent des europäischen Gasangebots, deren Anteil könnte in diesem Jahr auf 30 Prozent steigen. Wenn sich die Angebotsflexibilität im Winter zunehmend von den Gasspeichern auf LNG verschiebt, darf man die politischen Risiken nicht unterschätzen.

