Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Bis zum Sommer 2024 stiegen die Tagesmittel der Stromleistung der Gaskraftwerke in Deutschland nur in Einzelfällen auf einen Wert von über 14 Gigawatt. Seit dem Winter 2024 mit mehreren Dunkelflauten und auch im Laufe der letzten Monate stieg die Stromleistung immer mal wieder tageweise auf deutlich höhere Werte an. Der Spitzenwert wurde während der Dunkelflaute im Januar 2025 in Höhe von 17,5 Gigawatt erreicht.

Nicht nur die Spitzenwerte im Tagesmittel, sondern auch die untertägige Flexibilitätsanforderung an die Gaskraftwerke ist von wachsender Bedeutung für den Strommarkt.

Intraday-Variabilität nimmt zu

Diese als Intraday-Variabilität bezeichnete Differenz aus untertägiger Minimal- und Maximalleistungsanforderung der Gaskraftwerke stieg in diesem Jahr an mehreren Tagen auf über zehn Gigawatt. Die Flexibilitätsleistung der Gaskraftwerke hat sich damit in diesem Jahr gegenüber dem Jahr 2020 rund verdoppelt.

So stieg beispielsweise die Stromleistung der deutschen Gaskraftwerke am 13. Oktober dieses Jahres innerhalb von sechs Stunden von rund zwei Gigawatt auf über zwölf Gigawatt. Der Grund war die wegen einer Windflaute deutlich rückläufige Windstromproduktion in diesem Zeitraum.

Gründe für die Zunahme

Im Jahr 2020 lag die installierte Leistung der Kohle- und Atomkraftwerke bei zusammen rund 50 Gigawatt. Durch die Abschaltung der letzten Atomkraftwerke im Jahr 2023 und dem schrittweisen Ausstieg aus der Kohleverstromung sinkt die installierte Leistung der Kohlekraftwerke im Jahr 2025 auf rund 30 Gigawatt.

Wind- und Solarkraft wurden in diesem Zeitraum von rund 105 Gigawatt auf über 170 Gigawatt im Jahr 2025 ausgebaut. Die höhere Abhängigkeit von variabler und wetterabhängiger erneuerbarer Energie sorgt damit für einen steigenden Flexibilitätsbedarf der Gaskraftwerke.

Bundesregierung plant Ausbau Gaskraftwerke

Die installierte Leistung der Gaskraftwerke in Deutschland stieg im Zeitraum 2020 bis 2025 nur um drei Gigawatt auf im Jahr 2025 35,5 Gigawatt an. Die Bundesregierung hat nun in der letzten Woche beschlossen, die Kraftwerksflotte bis Beginn der 2030er-Jahre um weitere acht Gigawatt auszubauen.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche konnte sich damit mit Ihrer Forderung von mindestens 20 Gigawatt Zubau nicht durchsetzen. Bedauerlicherweise sollen laut Regierungsbeschluss nur zwei Gigawatt der geplanten acht Gigawatt technologieoffen und nur zwei Gigawatt wasserstofffähig ausgeschrieben werden.

Dies zeigt, dass die Bedeutung der gasbasierten Stromerzeugung in Deutschland in den nächsten Jahren weiter zunehmen wird. Dies könnte auch zu einer weiter zunehmenden Wechselwirkung der Handelspreise zwischen Strom- und Gasmärkten führen.

Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK-Morning Briefing.

Der Titel seiner letzten Analyse lautet: Gaspreise erreichen ein 18-Monats-Tief

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper