Nach Daten der Plattform Energy-Charts fuhren die beiden Blöcke des Trianel-Gaskraftwerks in Hamm im August 2020 zu 67 Prozent auf Volllast. Im August 2021 war es weniger als ein Prozent.

Nach Daten der Plattform Energy-Charts fuhren die beiden Blöcke des Trianel-Gaskraftwerks in Hamm im August 2020 zu 67 Prozent auf Volllast. Im August 2021 war es weniger als ein Prozent.

Bild: © Trianel

Mehr als ein Fünftel aller europäischen Gaskraftwerke ist laut einer neuen Studie der britischen Denkfabrik Carbon Tracker zurzeit unrentabel. In Deutschland selbst ist die Lage demnach noch deutlich düsterer. Und: Steigende Brennstoffpreise dürften den Anlagen weiter zusetzen.

Nach Angaben der Experten sind neue Windräder an Land sowie Solaranlagen schon jetzt üblicherweise deutlich billiger als bestehende Gaskraftwerke.

23,7 GW allein in Deutschland

Einnahmen aus den Gaskraftwerken seien nicht ausreichend, um Schulden und Steuern zu refinanzieren. Auch nach Abbezahlung der Baukosten blieben die Anlagen demnach insgesamt unwirtschaftlich, heißt es.

Die Denkfabrik beziffert allein für Deutschland die gesamte Kapazität von Gaskraftwerken mit 23,7 GW. 88 Prozent davon seien schon heute unwirtschaftlich. 90 Prozent würden es 2030 sein.

Steigende Gaspreise als Belastung

In Deutschland seien die operativen Profite im vergangenen Jahr bei mehr als vier US-Dollar pro MWh gelegen, schätzen die Experten auf Basis eigener Modelle. Allerdings würden die Anlagen angesichts steigender Gaspreise wieder ins Minus fallen. Carbon Tracker rechnet mit Verlusten von 20 US-Dollar pro MWh sowohl für dieses als auch für nächstes Jahr.

Demgegenüber seien die operativen Kosten für neue Wind- und Solaranlagen hierzulande schon jetzt halb so hoch wie die geschätzten Aufwendungen für bestehende Gaskraftwerke. Die Denkfabrik geht davon aus, dass dieser Unterschied noch größer wird.

Erdgas als Brückentechnologie

Selbst wenn Kosten für Batteriespeicher dazukommen würden, wären neue Windkraftanlagen an Land und Solarparks in Deutschland noch immer günstiger, schreiben die Studienautoren.

Erdgas gilt im politischen Berlin als Brückentechnologie. Auch die SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP hielten in ihrem Sondierungspapier die Errichtung "moderner Gaskraftwerke" fest, um den im Laufe der nächsten Jahre steigenden Strom- und Energiebedarf zu wettbewerbsfähigen Preisen zu decken.

Wasserstofffähige Gaskraftwerke

Die bis zur Versorgungssicherheit durch erneuerbare Energien notwendigen Gaskraftwerke müssten jedoch so gebaut werden, dass sie auf klimaneutrale Gase umgestellt werden könnten, heißt es weiter. (aba)

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