Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Der Winter rückt näher und wie üblich reagiert der Markt sichtlich nervös. So kommt es insbesondere bei den Winterkontrakten im Intraday-Handel zu starken Schwankungen.

Die Wetterprognosen wurden leicht nach unten korrigiert. Zudem treiben Sorgen um eine Gasmangellage im kommenden Winter den Markt wieder vermehrt um.

Ausspeicherungen gestiegen

Die europäischen Gasspeicher sind zu 86 Prozent gefüllt. Die Einspeicherungen waren in dieser Woche mit rund 2800 GWh pro Tag weiter rückläufig.

Mit den kühleren Temperaturen stiegen andererseits die Ausspeicherungen. Zuletzt wurden insgesamt in der EU rund 350 GWh pro Tag ausgespeichert.

Einspeicherungen rückläufig

In Deutschland sind die Gasspeicher zu 90 Prozent gefüllt. Seitdem kein Gas mehr über die Nord-Stream-Pipeline fließt, sind die Einspeicherungen deutlich zurückgegangen.

Sie fielen zuletzt auf weniger als 600 GWh pro Tag. Zum Vergleich: Mitte August wurden noch bis zu 1600 GWh pro Tag eingelagert.

Wartungsarbeiten in Rehden

Im größten deutschen Gasspeicher Rehden wird seit der vergangenen Woche nicht mehr eingespeichert. Auch die Ausspeicherungen liegen bei Null. Grund ist eine geplante Wartung, die am Samstagmorgen enden soll.

Der Speicher ist zu knapp 75 Prozent gefüllt und liegt damit immer noch deutlich unter den Füllständen der anderen großen Gasspeicher in Deutschland.

Deutsche Gasnachfrage gestiegen

Die Gasspeicher in Bernburg und Bad Lauchstädt mit einer Gasspeicherkapazität von knapp 21 TWh, sowie die Speicher Epe, Etzel und Breitbrunn mit Kapazitäten von über zehn TWh sind zu mehr als 90 Prozent gefüllt.

Die Gesamtnachfrage in Deutschland ist temperaturbedingt auf zuletzt rund 2000 GWh pro Tag gegenüber rund 1500 GWh pro Tag gestiegen. Dennoch zeigt sich die Nachfrage in Deutschland gegenüber dem Vorjahr um mehr als 20 Prozent niedriger.

Industriebetriebe sparen

Verantwortlich für den starken Rückgang in Deutschland ist die schwache Nachfrage der Industrie. Einige Industriebetriebe haben wegen der hohen Energiepreise entweder auf eine andere Energieerzeugung umgestellt oder die Produktion gedrosselt oder eingestellt.

In der vergangenen Woche lag die Nachfrage der leistungsgemessenen Gaskunden zwischen 800 und 1100 GWh pro Tag. Im Vorjahreszeitraum nahm dieser Sektor täglich zwischen 1000 und 1600 GWh ab.

Blick auf Niederlande

Die europäische Gasförderung verharrt weiterhin auf einem Fünfjahrestief. Zuletzt wurden rund 1200 GWh pro Tag in die Gasnetze eingespeist. In den Vorjahren lag die Förderung bei circa 1500 GWh pro Tag.

Wesentlicher Treiber für den Rückgang ist die rückläufige niederländische Produktion. In der vergangenen Woche wurden weniger als 300 GWh pro Tag gefördert. Im Vorjahreszeitraum waren es 500 GWh pro Tag.

Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: "Reaktivierung eines britischen Gasspeichers könnte die Preise steigen lassen".

Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper