Die Gaswirtschaft blickt trotz der Corona-Pandemie zufrieden auf das vergangene Jahr. Der Gasmarkt sei stabil geblieben, Lieferausfälle habe es ebenso wenig gegeben wie massive Preisschwankungen, teilte Timm Kehler, Vorstand der Brancheninitiative Zukunft Gas im Rahmen einer digitalen Pressekonferenz mit. Im Jahr 2020 stellte Erdgas fast 27 Prozent der Energie zur Verfügung, die in Deutschland verbraucht wurde. Insgesamt konnte Erdgas in allen Sektoren seinen Anteil ausbauen – ein Trend, der nach Überzeugung von Kehler auch in Zukunft anhalten wird, auch weil Erdgas einen wichtigen Beitrag zur Reduktion von CO2-Emissionen leisten könne.
Potenzial sieht er vor allem im Wärmemarkt. „Bereits die Hälfte der Deutschen heizt mit Erdgas. Im Jahr 2020 wurden über 600.000 neue Gasheizungen installiert: Ein Rekord, der sicherlich auch auf die Corona-Pandemie und das damit verbundene Bedürfnis an Investitionen im eigenen Haus zurückzuführen ist.“ Gas sei vergleichsweise günstig. Zudem verfüge man über ein gut ausgebautes Gasnetz. Das seien sehr gute Argumente für das Heizen mit (Erd-)Gas.
Dekarbonisierungspfad mit Erdgas
Kehler ist optimistisch, dass immer mehr Menschen von Öl auf Gas umsteigen werden. „Mit Erdgas gibt es einen klaren Dekarbonisierungspfad durch Biomethan und Wasserstoff. Das Potenzial wird im Wärmemarkt von der Politik vernachlässigt, dabei ist die Dekarbonisierung über Heizungen, die mit Wasserstoff laufen, realistischer als eine komplette Elektrifizierung des Wärmemarktes“, merkt er kritisch an.
Einen Boom werde es in den kommenden Jahren bei Brennstoffzellenheizungen geben, ist Kehler überzeugt. Im vergangenen Jahr habe es dort bereits Wachstumsraten von über 50 Prozent gegeben. Auch Markus Last, Sprecher der Geschäftsführung von Erdgas Schwaben, betonte, dass die Brennstoffzellentechnik ein wichtiger Baustein für die Energie- und Wärmewende sei. „Wir haben in einem Baugebiet bereits vor 2 Jahren 30 Einfamilien- und Doppelhaushälften sowie Reihenhäuser mit Brennstoffzellen ausgestattet. Ein echtes Vorzeigeprojekt!“, so Last.
Gaskraftwerke wettbewerbsfähiger denn je
Auch im Strommarkt blickt die Gaswirtschaft laut Kehler auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Die günstigen Gaspreise hätten die Wettbewerbsfähigkeit von Gaskraftwerken gesteigert. Damit habe die Corona-Pandemie dank sinkender Gaspreise den Fuel Switch beschleunigt. Zum ersten Mal ist der Anteil der Verstromung mit Erdgas mit 16 Prozent so hoch wie der Anteil von Braunkohle. „Die Bedeutung von Gaskraftwerken für den Strommix ist 2020 gestiegen“, sagt Kehler.
Auch Markus Last macht sich um die Zukunft von (Erd-)Gas keine Sorgen. Erdgas sei bei seinen Privatkunden aktuell ganz klar Wunschenergie Nr. 1. Das Interesse sei so groß, dass Erdgas Schwaben die Nachfrage nicht immer sofort bedienen könne. Schließlich seien die Tiefbaukapazitäten begrenzt. Auch bei Industriekunden stehe Erdgas nach wie vor hoch im Kurs, betonte er. (amo)



