Aus SWK Stadtwerke Krefeld AG wird künftig noch SWK AG.

Aus SWK Stadtwerke Krefeld AG wird künftig noch SWK AG.

Bild: © Stadtwerke Krefeld

Von Ariane Mohl

Gegen ein Wasserstoffprojekt der Stadtwerke Krefeld (SWK) regt sich heftiger Protest: Eine Bürgerinitiative, die sich aus Anwohnerinnen und Anwohnern gebildet hat, kritisiert insbesondere die Nähe des geplanten Elektrolyseurs zur Wohnbebauung. "Grundsätzlich verstehen wir natürlich, dass bei technisch komplexen Projekten in direkter Nachbarschaft viele Fragen aufkommen", erklärt ein Sprecher der Stadtwerke. Man habe jedoch "von Beginn an mit freiwilligen, öffentlichen Anwohnerveranstaltungen und proaktiver Öffentlichkeitsarbeit über alle relevanten Kanäle" auf Transparenz gesetzt. Und natürlich würden alle staatlich geforderten Auflagen penibel eingehalten. Das Thema Sicherheit stehe beim Thema Wasserstoff ganz oben auf der Agenda, insofern gebe es keinen Grund zur Sorge.  

Das Wasserstoffprojekt der SWK umfasst die gesamte Wertschöpfungskette: von der eigenen, grünen Erzeugung des Wasserstoffs über einen Elektrolyseur mit einer Leistung von fünf Megawatt auf dem Betriebsgelände der SWK Mobil bis hin zur Speicherung, Vertankung an der Wasserstofftankstelle und dem Betrieb der Wasserstoffbusse. Ziel sei ein "zukünftig emissionsloser ÖPNV in Krefeld".

Effiziente Nutzung von Wasserstoff

Der Elektrolyseur soll dabei immer dann betrieben werden, wenn viel erneuerbarer Strom verfügbar ist. Überschüssige Wärme aus dem Prozess soll in das Fernwärmenetz der SWK eingespeist werden – ein effizientes Gesamtsystem, wie das kommunale Unternehmen betont.

Doch das sieht die Anwohnerinitiative, die mit eigener Homepage und Unterstützung von Umweltverbänden vergleichsweise professionell aufgestellt ist, ganz anders. Für die betroffenen Bürger steht fest: Die SWK rechnen sich den Einsatz von Wasserstoffbussen schön – etwa durch unrealistisch hohe Reichweitenangaben für die Wasserstoffbusse. Ein Vorwurf, den die SWK wiederum entschieden zurückweisen. "Die sich bereits bei uns im Einsatz befindlichen H2-Busse schaffen Reichweiten von deutlich über 400 Kilometern und dies sogar in den Wintermonaten", betont der Sprecher. Anders als batterieelektrische Busse, die oft durch zusätzliche Ladeinfrastruktur oder eine höhere Fahrzeugzahl kompensiert werden müssten, seien Wasserstoffbusse effizienter. "Mit Wasserstoff erreichen wir eine höhere Reichweite, geringere Fahrzeugkosten und vermeiden eine kostspielige Erweiterung des Stromanschlusses."

Auch den Kritikpunkt, die SWK hätten die Anwohner nicht ausreichend in die Planung einbezogen, lässt das Unternehmen nicht gelten. Die Anliegen der Anwohner seien sehr wohl berücksichtigt worden. So werde beispielsweise die genaue Ausgestaltung der Lärmschutzwand zusammen mit den Anwohnern erarbeitet. Der Sprecher betont zudem die enge Zusammenarbeit mit der Kommunalpolitik, die von Anfang an parteiübergreifend hinter dem Projekt gestanden habe und das auch weiterhin tue.

Mit Wasserstoff zu besserer Luft

Dass aktuell viele Versorger abwartend auf das Thema Wasserstoff reagieren oder sogar Projekte stoppen, kann man in Krefeld nicht nachvollziehen. Wasserstoff spiele in der eigenen Strategie trotz der Proteste und der nicht gerade idealen politischen Rahmenbedingungen weiter eine zentrale Rolle, erklärt der Sprecher. "Wir sind überzeugt von unserem Weg und den gehen wir für alle 236.000 Einwohner Krefelds." Die sukzessive Umstellung der Busflotte auf Wasserstoff führe zu einer deutlichen Verbesserung der Luftqualität und einer erheblichen CO2-Einsparung. Zudem sei Wasserstoff als speicherbarer Energieträger besonders geeignet, um große Energiemengen über längere Zeiträume vorzuhalten. "Mit steigendem Anteil erneuerbarer Energien wächst der Bedarf an flexiblen Speicherlösungen – und hier ist Wasserstoff unschlagbar", sind die SWK überzeugt.

Was aber, wenn die Proteste nicht abebben und sich vielleicht doch Teile der Stadtpolitik hinter die verärgerten Anwohner stellen? Für die SWK wäre das ein echtes Problem, macht der Sprecher auf Nachfrage klar. Eine Verzögerung des Projekts durch anhaltende Proteste hätte massive wirtschaftliche Folgen, so die unmissverständliche Warnung. Die SWK rechnen mit steigenden Kosten für den Betrieb der Wasserstoffbusse, was letztlich auch die Stadt Krefeld als Gesellschafter der SWK treffen würde – und das in Zeiten knapper öffentlicher Kassen und immer teurer werdender Aufgaben. Trotzdem will das Unternehmen weiter an seiner Strategie festhalten. "Eine tiefgreifende Transformation des gesamten Energiesystems ist nicht ohne Auswirkungen auf Einzelne möglich", gibt der Sprecher zu bedenken.

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