Preem, Schwedens größter Hersteller von Kraftstoffen, spielt eine herausragende Rolle bei der Umstellung auf Wasserstoff.

Preem, Schwedens größter Hersteller von Kraftstoffen, spielt eine herausragende Rolle bei der Umstellung auf Wasserstoff.

Bild: © Adobe Stock/Thomas

Von Daniel Zugehör

Bei der heimischen Produktion von Wasserstoff ist Deutschland von seinem erklärten Ausbauziel noch weit entfernt. Eigentlich sollen bis zum Jahr 2030 hierzulande zehn Gigawatt an Elektrolysekapazität in Betrieb sein. Bislang wurden davon aber gerade einmal zwei Prozent erreicht.

In Deutschland sind inzwischen mehr als 40 Elektrolyseanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 200 Megawatt in Betrieb, zeigt das aktuelle "H2-Marktradar" des Berliner Beratungsinstituts Team Consult.

Norden vorn, NRW holt auf

Regionale Schwerpunkte liegen demnach in Norddeutschland, wo Standorte wie Wilhelmshaven, Hamburg und Brunsbüttel von der Nähe zu Offshore-Windparks und Hafeninfrastruktur profitieren.

Doch auch Nordrhein-Westfalen entwickelt sich mit Projekten in Duisburg, Köln und dem Rheinland zu einem industriellen Kerngebiet des Wasserstoffhochlaufs.

Spitze in Europa

Dennoch kann sich Deutschland damit einen europäischen Spitzenplatz sichern. Dem Beratungsinstitut zufolge konzentrieren sich die Aktivitäten auf Nordwesteuropa. Hier sind laut Bericht derzeit 128 Elektrolyseanlagen mit einer installierten Leistung von insgesamt rund 503 Megawatt in Betrieb.

Wesentlich größer ist allerdings das Volumen geplanter oder in Bau befindlicher Anlagen. Das beziffern die Autorinnen und Autoren auf 28,5 Gigawatt beziehungsweise 867 Megawatt. Dies belegt jedoch auch: Die allermeisten Projekte existieren bisher nur "auf dem Papier".

Speicherkapazität wächst stark

Neben der Erzeugung rückt zunehmend die Speicherung von Wasserstoff in den Mittelpunkt. Deutschland zählt mit rund 2,75 Gigawattstunden Kapazität in Europa zu den führenden Ländern bei der Entwicklung von Untergrundspeichern, insbesondere in Salzkavernen in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.

Bis 2030 könnten allein hierzulande mehrere Terawattstunden an Speicherkapazität verfügbar sein – in Europa bis dato zehn Terawattstunden. Parallel wächst das geplante Wasserstoffkernnetz, das künftig Industriezentren im Ruhrgebiet, Norddeutschland und Süddeutschland verbinden soll.

Zwischen Aufbruch und Unsicherheit

Trotz der Fortschritte bleibt die Dynamik verhalten. Mehrere größere Projekte wurden gestoppt oder verschoben, etwa aufgrund gestiegener Investitionskosten, fehlender Abnahmeverträge und regulatorischer Unsicherheiten.

Auch die europäischen Produktionskosten liegen derzeit deutlich über internationalen Werten. Während die Kosten für grünen Wasserstoff in China zwischen zwei und drei US-Dollar pro Kilogramm liegen, sind es in Deutschland fünf bis sechs US-Dollar. Ein Grund dafür ist, dass in China Elektrolyseure zu wesentlich niedrigeren Kosten gefertigt werden. Das Institut gibt die Investitionsausgaben (Capex) dort mit 675 US-Dollar je Kilowatt Leistung an und mit 1600 US-Dollar je Kilowatt für den Rest der Welt.

Ausblick

Indes macht das "H₂-Marktradar" deutlich: Deutschland bleibt das Herzstück des europäischen Wasserstoffmarkts. Zugleich muss der Ausbau schneller gehen, um das Ziel der Bundesregierung von zehn Gigawatt Elektrolyseleistung innerhalb der nächsten fünf Jahre zu erreichen.

Wie Team Consult schreibt, erschwere unter anderem die Regulierung in Europa mit sehr hohen Anforderungen an die erneuerbare Stromerzeugung (RED III) die Realisierung grüner H2-Projekte. Die Oktober-Ausgabe des Radars ist online als PDF verfügbar.

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