Die Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft verzeichnet coronabedingt einen massiven Einbruch bei den Fahrgastzahlen im ÖPNV. Die Geschäftsführung hofft, in den nächsten drei Jahren hier auf das Vorkrisen-Niveau zurückzukehren.

Die Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft verzeichnet coronabedingt einen massiven Einbruch bei den Fahrgastzahlen im ÖPNV. Die Geschäftsführung hofft, in den nächsten drei Jahren hier auf das Vorkrisen-Niveau zurückzukehren.

Bild: © Leipziger Gruppe

Von Andreas Lorenz-Meyer

Die Leipziger Gruppe blickt auf ein aus ihrer Sicht erfolgreiches Geschäftsjahr 2024 zurück: Die Konzernholding Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH (LVV) schließt mit einem Überschuss von 39,5 Millionen Euro ab. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen – der sogenannte Ebitda-Wert – beläuft sich auf 322,4 Millionen. "Ein sehr gutes Ergebnis, denn damit sind wir über Plan", sagt Peter Krutsch, Sprecher der Leipziger Gruppe. Zwar liege das Ebitda 21,9 Millionen Euro unter dem Vorjahresergebnis, im Vergleich zu dem in der Wirtschaftsplanung 2024 prognostizierten Wert übersteige das Ergebnis die Erwartungen aber deutlich – um 23,1 Millionen Euro.

Markant ist die gegenüber dem Vorjahr stark veränderte Ertragslage. Die Erlöse gingen im Geschäftsjahr 2024 von 4,45 Milliarden Euro auf 2,62 Milliarden zurück. Das liegt an der Entwicklung beim Hauptumsatzbringer, dem Energiehandel. Der gehört neben dem Endkundenmarkt zum Geschäftsfeld Energie. Der Umsatz im Bereich Energiegroßhandel sank von 2,83 Milliarden  auf 1,12 Milliarden Euro. 

Normalisierung der Energiemärkte

Ursache für den Rückgang der Einnahmen aus dem Energiehandel war vor allem, dass die Preise an den Handelsbörsen für Energie infolge der Beruhigung der Märkte deutlich niedriger waren, erläutert Krutsch. Für ihn ein Prozess der Normalisierung: "Unser Energiehandel, der den Handel mit den Commodities Strom und Gas betrifft, beeinflusst maßgeblich die Höhe der Umsatzerlöse und Materialaufwendungen des Konzerns. Die Erlöse haben sich im Vergleich zu den ebenfalls deutlich gesunkenen Bezugsaufwendungen überproportional vermindert. Nach der Preiskrise auf den Energiemärkten hat das Handelsvolumen nunmehr wieder sein gewöhnliches Niveau erreicht."

Trotz knapp 1,7 Milliarden Euro weniger Erlös aus dem Energiehandel macht der Bereich Energie immer noch 85,6 Prozent des Gesamtumsatzes des Konzerns aus (Vorjahr: 92,5 Prozent).

Wie sieht es bei den anderen Bereichen aus? Im Geschäftsfeld Wasser erhöhten sich die Umsätze um 16,4 Prozent auf 210,8 Millionen Euro. Grund waren unter anderem Preisanpassungen und leicht gestiegene Absatzmengen. Von den Umsatzerlösen entfielen 99,9 Millionen Euro auf die Wasserversorgung und 110,9 Millionen Euro auf die Abwasserableitung und -aufbereitung. Insgesamt wurden 36,6 Millionen Kubikmeter Wasser bereitgestellt (Vorjahr: 36,2 Mio.).

Im Mobilitätsbereich stiegen die Umsatzerlöse leicht auf 168,3 Millionen Euro. Unter anderem Deutschlandticket und Fußball-EM brachten die Fahrgastzahlen von 153,3 Millionen im Vorjahr auf 166,9 Millionen. Die Zahl der der Abo-Kunden erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um 23,7 Prozent auf 213.178.

Regulierung und viele Projekte

"Wir haben ein anspruchsvolles Jahr hinter uns – und sind stolz auf das Ergebnis", fasst Krutsch zusammen. Prägend gewesen seien die sich ändernden energiepolitischen Rahmenbedingungen, vor allem die Novellierung einiger gesetzlicher Grundlagen. Diese hätten "wesentliche Risiken im regulatorischen, branchenspezifischen und finanzwirtschaftlichen Umfeld" gebracht. Regulatorische Risiken lägen zum Beispiel in den Vorgaben des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG), der Anreizregulierungs- und Netzentgeltverordnung sowie den Festlegungen und Bescheiden der Regulierungsbehörden und den daraus resultierenden Absenkungspfaden der Erlösobergrenzen für Netzentgelte.

Herausfordernd sei auch das Voranbringen und Abschließen von großen Investitionsprojekten gewesen: der erste selbst-projektierte Windpark in Königshain-Wiederau, das Abwärmeprojekt Leuna-Leipzig, der Start der Erweiterung des Klärwerks Rosental. "Wir haben einiges geschafft, aber all diese Projekte brauchen viel Kommunikationsarbeit und große Umsetzungsressourcen."

Das Investitionsvolumen in den drei Geschäftsfeldern Energie, Mobilität und Wasser beläuft sich auf 331 Millionen Euro – etwas weniger als im Vorjahr (368 Mio.). Neben Königshain-Wiederau sind im Bereich Energie weitere Windkraftanlagen im Bau. Und die Solarthermie Leipzig West – die derzeit größte Solarthermie-Anlage Deutschlands – wird ab Anfang 2026 grüne Fernwärme einspeisen. Auch im Bereich Mobilität wurde viel angeschoben: neue E-Busse, Ladetechnologie, die Modernisierung der Infrastruktur im Mobilitätsbereich. Und im Bereich Wasser hat man unter anderem die Kläranlage Dölzig umgebaut. Krutsch: "Wir investieren also weiter auf hohem Niveau."

Mehr Mitarbeiter

Weitere Kennzahlen des Jahresabschlusses: Die Eigenmittelquote des Konzerns verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahr um 1,3 Prozentpunkte auf 35,4 Prozent, die Nettogesamtverschuldung beläuft sich zum Bilanzstichtag auf 1,051 Milliarden Euro – ein ähnlicher Wert wie im Vorjahr. Der dynamische Verschuldungsgrad von 3,3 ist niedriger als erwartet, vor allem weil nicht so viel Fremdkapital aufgenommen wurde wie geplant. Die Mitarbeiterzahl der Leipziger Gruppe stieg von 5146 auf 5392.

"Jetzt steht mit der Wärmewende die nächste Herkulesaufgabe vor der Tür – eine Generationenaufgabe, um das Heizen in den Leipziger Wohnungen klimaneutral zu machen“, sagt Burkhard Jung, Oberbürgermeister der Stadt Leipzig und Aufsichtsratsvorsitzender der Leipziger Gruppe. Den Verkehrsleistungsfinanzierungsvertrag – ein Auftrag der Stadt Leipzig – habe der Unternehmensverbund im zurückliegenden Jahr mit 90,6 Millionen Euro erneut erfüllt, so Jung. Dieser Vertrag regelt die Querfinanzierung des Mobilitätsbereichs innerhalb der Gruppe.

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