MVV informiert seit Langem über die Ausbaupläne des Fernwärmenetzes. (Archivbild)

MVV informiert seit Langem über die Ausbaupläne des Fernwärmenetzes. (Archivbild)

Bild: © MVV

Einige Mannheimer Bürger wollen die vom Energieversorger MVV bis 2035 angestrebte Abschaltung des Gasnetzes stoppen. Rund 220 Menschen sind nach Angaben des Initiators Teil der nun gegründeten Bürgerinitiative "Mannheim gibt Gas". Alexandra Halkenhäuser, Projektleiterin Wärmewende bei MVV, erklärt im Interview, wie der Konzern mit dem formierten Widerstand umgeht.

Frau Halkenhäuser, in Mannheim hat sich eine Bürgerinitiative gegen das Abschalten des Gasnetztes gegründet. Wie gehen Sie mit dem Gegenwind um?

Wir wollen die Bürgerinnen und Bürger mitnehmen bei der Wärmewende. Deshalb informieren wir über die absehbaren Kosten von fossilen Heizungen, erklären unsere Beweggründe und zeigen Lösungen. Wir sind in Gesprächen mit verschiedenen Akteuren. Auch mit dem Initiator der Bürgerinitiative haben wir uns bereits ausgetauscht, gemeinsam mit der Stadt Mannheim und der Klimaschutzagentur. Selbstverständlich stehen wir weiterhin für Gespräche zur Verfügung. 

Sehen Sie MVV als Adressaten der Kritik? Die Entscheidung, auf Gas zu verzichten, ist immerhin eine politische?

MVV spricht offen über die Zukunft von fossilen Brennstoffen für Heizungen. Der Wärmesektor ist schließlich einer der großen Emittenten von Treibhausgasen. Und das Gelingen der Wärmewende ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Politik setzt die Klimaziele und gibt den Rahmen für die Umsetzung vor. Für die Zukunft der Gasnetze bildet die 2024 verabschiedete Gasbinnenmarktrichtlinie die Grundlage; sie muss bis 2026 in nationales Recht umgesetzt werden. Das ist eine der wichtigen Aufgaben einer neuen Bundesregierung.

Ein Argument des Initiators ist: Er selbst etwa habe sich erst vor eineinhalb Jahren eine neue Gasheizung einbauen lassen und wolle nicht schon wieder alles in ein paar Jahren umbauen. Seine Altersversorgung sei auch nicht so großzügig. Was würden Sie darauf antworten?

Uns ist bewusst, dass mit dem angestrebten Gasnetzrückzug auch schwierige Entscheidungen für die Hauseigentümer oder Mieter verbunden sein können. Und wir verstehen, dass es auch Unmut gibt. Nur: Über eine Entwicklung, die wir kommen sehen, nicht zu sprechen, ist keine Option für uns. Jetzt gibt es Planungssicherheit und möglichst viel Zeit für die Umstellung. Es ist Aufgabe der Politik, soziale Härten bei der Transformation abzufedern.

Wie bereiten Sie die Mannheimer auf das Abschalten des Gasnetzes vor?

Wir informieren und beraten – gemeinsam mit Partnern – die Bürgerinnen und Bürger: über die Gründe für den Gasnetzrückzug und über die Planung, Installation, Förderung und Finanzierung von zukunftsfesten Heizlösungen. Beispielsweise haben wir in der vergangenen Woche bereits die 17. Bürgerinfoveranstaltung zur Wärmewende durchgeführt. Mit ihren Fragen wenden sich Eigentümerinnen und Eigentümer von Gebäuden gerne auch an Heizungsspezialisten im Handwerk. Deshalb haben die Stadt Mannheim, die Handwerkskammer, Innungen und MVV gemeinsam die Wärmewende Akademie gegründet, die mit der ersten Schulung von Handwerkern Ende Januar erfolgreich gestartet ist.

Die Fragen stelllte Pauline Faust.

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