Innerhalb von fünf Minuten kann dieser PV-Park Schwankungen im Netz ausgleichen.

Innerhalb von fünf Minuten kann dieser PV-Park Schwankungen im Netz ausgleichen.

Bild: © Enerparc AG

Von Daniel Zugehör

Zum ersten Mal ist in Deutschland eine Photovoltaik(PV)-Freiflächenanlage für den Regelleistungsmarkt zugelassen worden. Das teilte der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz mit. Der PV-Park mit 37 Megawatt (MW) Leistung im thüringischen Schkölen kann demnach ab sofort bei Bedarf positive oder negative Sekundärregelleistung bereitstellen.

Betreiber ist der Direktvermarkter Sunnic Lighthouse aus Hamburg, Tochtergesellschaft des Projektierers Enerparc. Die Unternehmen setzten die Präqualifizierung gemeinsam mit dem Münchener Flexibilitätsdienstleister Entelios um. Weitere Anlagen von Sunnic Lighthouse in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt im 50Hertz-Netzgebiet sollen folgen.

"Wertvolle Erfahrungen" erhofft

"Ein erster wichtiger Schritt", betont 50Hertz-COO Dirk Biermann. "Im Stromsystem der Zukunft sind Wind- und Solarkraft nicht nur die tragende Säule der Stromerzeugung, sie müssen mit dem Wegfall konventioneller Kraftwerke auch nach und nach Verantwortung für die Systemstabilität übernehmen", so Biermann. Er erhoffe sich von dem Projekt wertvolle praktische Erfahrungen für die erfolgreiche Teilnahme der Erneuerbaren am Regelleistungsmarkt.

Wind- und PV-Parks in den Regelleistungsmarkt zu integrieren, sei herausfordernd, teilt 50Hertz weiter mit. Dies stelle hohe Anforderungen an Prognosesysteme, Datenqualität und technische Prozesse. Die Partnerunternehmen hätten ein umfassendes Gesamtkonzept entwickelt. An den Standorten der PV-Parks sei eine kombinierte Lösung aus Messtechnik, Datenmanagement und einem KI-gestützten Prognosemodell implementiert worden.

Bei hoher Sonneneinstrahlung und Stromüberschuss könne der PV-Park nun gezielt weniger Energie einspeisen. Bei Unterdeckung der Bilanzkreise – etwa in Zeiten niedriger oder negativer Strompreise – dagegen zusätzliche Leistung bereitstellen.

Mindestens 1 MW in fünf Minuten

Sekundärregelleistung dient dem kurzfristigen Ausgleich von Schwankungen im Stromnetz und stabilisiert die Frequenz um 50 Hertz. Anbieter müssen Leistung innerhalb von fünf Minuten aktivieren können und mindestens ein MW für 15 Minuten bereitstellen können. Die Gebote werden täglich über die Plattform "regelleistung.net" bezuschlagt.

Bislang wird Regelleistung noch überwiegend von konventionellen Kraftwerken bereitgestellt. Allerdings steigt die Zahl der Akteure aus dem Clean-Tech-Bereich, wie etwas Batteriespeicherbetreibern, an.

Der Netzbetreiber 50Hertz möchte in seinem Netzgebiet bis zum Jahr 2032 über das Jahr gerechnet 100 Prozent erneuerbare Energien integrieren. Das Unternehmen gehört zu 80 Prozent der börsennotierten belgischen Holding Elia Group sowie zu 20 Prozent der KfW-Bankengruppe.

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