Das Pilotmodell soll auf weitere Umspannwerke (UW) in der 50Hertz-Regelzone ausgeweitet werden.

Das Pilotmodell soll auf weitere Umspannwerke (UW) in der 50Hertz-Regelzone ausgeweitet werden.

Bild: © 50Hertz

Verteilnetze sind über Transformatoren (Trafos) mit dem Übertragungsnetz verbunden. Als Schnittstellen wandeln sie dafür die Spannung von 380 kV bzw. 220 kV auf 110 kV um – und umgekehrt. Zum sicheren Betrieb des Übertragungsnetzes wird unter anderem das sogenannte (n-1)-Kriterium angewendet.

Dabei werden auch Trafos wegen des möglichen Falls eines Störereignisses im Normalbetrieb nicht voll ausgelastet. Bei der sog. „kurativen Systemführung“ wird durch eine neue Fahrweise diese Auslastung erhöht und so mehr Strom aus dem Verteilnetz ins Übertragungsnetz eingespeist.
 

 

So funktioniert die kurative Fahrweise

Im Umspannwerk Pasewalk erprobt 50Hertz seit Ende des vergangenen Jahres die neue Trafofahrweise. Die Idee dahinter: Durch das Ausnutzen der thermischen Trägheit der Trafos im Umspannwerk Pasewalk können diese statt wie bislang mit 70 Prozent zu 75 Prozent ausgelastet werden.

Dadurch kann mehr Strom aus Erneuerbaren Energiequellen aus dem Verteilnetz ins Übertragungsnetz geleitet und so in die süddeutschen Lastzentren abtransportiert werden. Der erforderlich Redispatch verringert sich überproportional.

Kurze Zeit über der Belastungsgrenze

Im seltenen Fall eines Trafoausfalls steigt die Auslastung der verbleibenden Trafos an und kann so für kurze Zeit sogar über deren Belastungsgrenze liegen. Als Gegenmaßnahme wird die Einspeisung aus dem Verteilnetz so reduziert, dass die Trafos sich nach kurzer Zeit wieder unter ihrer Belastungsgrenze befinden. Technisch ist dieser Vorgang unproblematisch, da der Grenzwert für die Betriebstemperatur des Trafos in dem kurzen Zeitraum nicht überschritten wird.
 
Eine erste Auswertung des Pilotprojektes zeigt, dass durch die neue Fahrweise im Umspannwerk Pasewalk im ersten Halbjahr 2023 erheblich mehr Strom aus dem Verteilnetz ins Höchstspannungsnetz transportiert werden konnte. Dadurch wurden Einsenkungen von Erneuerbarer Energie in Höhe von 2 GWh vermieden und damit Redispatchkosten in Höhe von ca. 176.000 Euro gespart.

Übertragung auf weitere Umspannwerke

Das Jahr 2023 war bislang verglichen mit 2022 ein windarmes Jahr. Durch den weiteren Zubau von Erneuerbare-Energien-Anlagen und absehbar windstärkere Zeiten ist künftig eine noch größere Ersparnis an Redispatchkosten zu erwarten.
 
Aufgrund der sehr guten Erfahrungen mit der kurativen Trafofahrweise im UW Pasewalk soll das Konzept nun auf weitere Umspannwerke übertragen werden. Dabei kommen vor allem Netzverknüpfungspunkte zu den Verteilnetzen in Frage, in denen besonders viel Erneuerbare Energie eingespeist wird. (sg)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper