Trotz der zunehmenden Einspeisung von Erneuerbaren-Anlagen macht sich der intensive Netzausbau von Mitnetz Strom bemerkbar.

Trotz der zunehmenden Einspeisung von Erneuerbaren-Anlagen macht sich der intensive Netzausbau von Mitnetz Strom bemerkbar.

Bild: © your123/AdobeStock

Der Blindleistungsmarkt löst die bisherige Praxis der bilateralen Verträge mit Kraftwerksbetreibern ab. Mit der Einführung dieses neuen Marktes für Systemdienstleistungen setzt 50Hertz eine Vorgabe der Bundesnetzagentur (BNetzA) früher als vorgegeben um, wonach bis Ende Juni 2025 ein solcher Markt von den Hoch- und Höchstspannungs-Netzbetreibern mit Blindleistungsbedarf eingeführt werden muss.
 
50Hertz hat den Blindleistungsmarkt am 31. Januar 2025 gestartet – sieben Monate nach der Veröffentlichung des Regulierungsrahmens durch die Bundesnetzagentur. Ziel des neuen Marktes nach § 12 h Energiewirtschaftsgesetz ist es, einerseits die Beschaffungskosten für Blindleistungen durch mehr Markttransparenz und Wettbewerb zu reduzieren und andererseits neue Potenziale zur Erbringung von Blindleistung zu erschließen. Angesprochen werden unter anderem die Betreiber von Erneuerbare-Energien-Anlagen wie Freiflächen-PV-Anlagen und Windparks sowie zukünftig auch von Elektrolyseuren und Großbatteriespeichern. 

Hintergrund

Bisher stellen überwiegend konventionelle, fossile Kraftwerke über ihre Generatoren Blindleistung zur Verfügung. Allerdings hat 50Hertz sowohl mit dem 600-MW-PV-Park Witznitz als auch mit Windparks in Brandenburg erfolgreich Pilotvorhaben umgesetzt. Die positiven Erfahrungen aus diesen Projekten haben dazu geführt, dass 50Hertz die BNetzA-Vorgabe schnell in die Praxis überführen konnte. EE-Anlagen können über ihre Wechselrichter auch dann Blindleistung zur Spannungshaltung liefern, wenn sie – zum Beispiel bei Dunkelheit oder Windstille – keine Wirkleistung einspeisen.
 
"Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien geht ein Abbau konventioneller Kraftwerkskapazitäten einher. Das ist nicht nur eine Herausforderung für die Versorgungssicherheit, rund um die Uhr Strom als ‘Wirkleistung’ bereitzustellen", erklärte dazu Stefan Kapferer, CEO von 50Hertz. Es sei auch eine Herausforderung für die System- und Netzstabilität, denn die großen Generatoren in den Kraftwerken regeln Spannung und Frequenz quasi als Nebenprodukt automatisch mit. 

Und weiter: "Die erneuerbaren Energien, Batterien, Elektrolyseure und auch Konverteranlagen müssen auch diese Aufgabe der Bereitstellung von ‘Blindleistung’ in Zukunft mehr und mehr übernehmen. Sie sind dazu technisch in der Lage. Der neue Markt ist ein Anreiz, vorhandene und zukünftige Potenziale kosteneffizient zu erschließen, indem zum Beispiel Gleich- und Wechselrichter dafür genutzt werden."

Wer kann am Blindleistungsmarkt teilnehmen?

Am Blindleistungsmarkt können Anbieter teilnehmen, deren Blindleistungsquelle an das Höchstspannungsnetz von 50Hertz angeschlossen ist und deren Potenziale über die Technischen Anschlussrichtlinien/Anschlussbedingungen (TAR/TAB) zum Zeitpunkt der Bekanntmachung der marktgestützten Beschaffung hinausgehen. 50Hertz hat das Netzgebiet in die fünf Beschaffungsregionen Hamburg, Nord, Mitte, Süd-West und Ost aufgeteilt, weil Spannungsregulierung über Blindleistung kleinräumig organisiert werden muss. 

In allen Regionen gibt es sowohl spannungshebenden als auch -senkenden Bedarf. Nach erfolgreicher Bezuschlagung schließen die Anbieter mit 50Hertz einen Standardvertrag. Im Gegenzug erhalten sie als Vergütung einen Blindarbeitspreis bei ungesicherter, also nicht kontinuierlicher Erbringung, sowie zusätzlich einen Vorhaltepreis, wenn sie kontinuierlich gesichert Blindleistung erbringen. (sg)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper