Fast drei Monate sind seit der Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen vergangen. Von Anfang an waren die Stadtwerke Schwäbisch Hall in die Geschehnisse und die daraufhin startenden Aufbauarbeiten involviert.
„Es wird Jahre dauern, bis alle Schäden beseitigt sind und die Infrastruktur wiederhergestellt ist“, so die Einschätzung von Stadtwerke-Geschäftsführer Ronald Pfitzer. Und weiter: „Das schreckt uns aber nicht davor ab, weiterhin mit vollem Einsatz die Ahrtal-Werke sowie die Bewohnerinnen und Bewohner im Ahrtal beim Aufbau zu unterstützen."
Hilfe beim Wiederaufbau des Gasnetzes kommt etwa von Gasnetz Hamburg. Das Unternehmen unterstützt die Energieversorgung Mittelhrein, damit bis zum Winter die Heizungen wieder laufen.
Rückblick: Beginn der Flut
In Bad Neuenahr-Ahrweiler, einer von der Flut stark betroffenen Stadt, haben die Ahrtal-Werke ihren Sitz. Die Haller Stadtwerke sind zu 49 Prozent am Energieversorger aus dem Ahrtal beteiligt. Außerdem übernehmen die Stadtwerke einige Dienstleistungen für die Ahrtal-Werke – etwa die Netzführung aus der Schwäbisch Haller Leitwarte heraus. Dort gingen daher bereits am Abend der Flutkatastrophe eine Vielzahl von Anrufen von vor Ort befindlichen Monteuren ein.
Das Haller Versorgungsunternehmen schickte daher noch in der Nacht der Flutkatastrophe erstes Personal und Material ins Krisengebiet. Insbesondere die städtische Infrastruktur mit Strom, Gas, Wasser, Wärme, Abwasser und Telekommunikation erlitt gravierende Schäden .
„Die Katastrophe im Ahrtal stellt für die Ahrtal-Werke eine enorme Herausforderung dar. Ich danke an dieser Stelle allen Energieversorgern und Fachfirmen und insbesondere den Stadtwerken Schwäbisch Hall, die uns solidarisch und unbürokratisch bei der Wiederherstellung der Versorgung, der Bereitstellung von Material und Transportleistungen unterstützt haben und noch unterstützen“, erklärte dazu Thomas Hoppenz, der zugleich einer der beiden Geschäftsführer der Ahrtal-Werke sowie Prokurist der Schwäbisch Haller Stadtwerke ist.
Hilfe aus ganz Deutschland
Zeitweilig waren über 100 Hilfskräfte von Energieversorgern und anderen Fachfirmen aus ganz Deutschland in Bad Neuenahr-Ahrweiler im Einsatz, die dem Hilferuf der Ahrtal-Werke und der Stadtwerke Schwäbisch Hall gefolgt sind.
Versorgung wiederhergestellt
Ziel der Anstrengungen unmittelbar nach dem Flutereignis war die Gefahrenabwehr für die Bevölkerung sowie die schnellstmögliche provisorische Wiederherstellung der Strom- und Wärmeversorgung. Fernwärme für Warmwasserbereitung und Raumheizung gab es bereits wieder Ende Juli. Seit Mitte August ist die Stromversorgung in Bad Neuenahr-Ahrweiler wieder vollständig hergestellt.
Dazu mussten mit Unterstützung der Stadtwerke Schwäbisch Hall unter anderem Trafoanlagen sowie Anschlusskästen in den einzelnen Häuser geprüft, gereinigt und in Betrieb genommen werden. Aktuell besteht die Herausforderung im Tausch beschädigter oder verunreinigter Zähler sowie in der Verstärkung der Netzanlagen. Dazu halt das Schwäbisch Haller Versorgungsunternehmen den Ahrtal-Werken bei der Beschaffung von rund 100 Umspannanlagen und über 6.000 Zählern.
Weitreichende Hilfe
Die Hilfe beschränkte sich nicht nur auf die Zähler. Der Einkauf der Stadtwerke Schwäbisch Hall organisierte bisher über zehn Kilometer Kabel, rund 15.000 Sicherungen, 120 Kabelverteilerschränke und mehrere hundert Hotelzimmer und Essen für helfende Unternehmen. Außerdem bearbeitet der Einkauf weiterhin die eingehenden Hilfsangebote.
Die Hilfe habe sich dabei über die gesamte Organisation der Stadtwerke Schwäbisch Hall erstreckt. Zeitweise waren in Schwäbisch Hall 50 Mitarbeitende zur Unterstützung der Ahrtal-Werke im Einsatz. Neben dem Einkauf betraf das auch das Team der Leittechnik sowie die Teams Finanzbuchhaltung und Verbrauchsabrechnung.
In der Verbrauchsabrechnung war in den ersten Wochen nach der Flut die Telefonzentrale des Versorgungsunternehmens aus dem Ahrtal aufgeschaltet. Das enorme Telefonaufkommen wäre für die Ahrtal-Werke allein nicht auffangbar gewesen. Bis zu 400 Anrufe am Tag gingen deshalb in Schwäbisch Hall ein.
Erdgasinfrastruktur über weite Strecken zerstört
Für die Bevölkerung in Bad Neuenahr-Ahrweiler (sah es zunächst so aus, als stünde ein Winter ohne Heizung bevor, weil die Erdgasinfrastruktur über weite Strecken zerstört ist. Jetzt konnte der örtliche Netzbetreiber Energieversorgung Mittelrhein (EVM) Entwarnung geben, denn Hilfe beim Wiederaufbau des Gasnetzes kommt aus vielen Teilen Deutschlands, darunter von Gasnetz Hamburg.
Bei dem städtischen Unternehmen bereiten sich jetzt sieben Fachkräfte auf den Hilfseinsatz im Ahrtal vor. Mit vier Fahrzeugen und Spezialgerät werden sie am 4. Oktober in Bad Neuenahr-Ahrweiler erwartet, um dort das Gasnetz in einem Abschnitt im Westen der Innenstadt von Bad Neuenahr wiederherzustellen.
Spezialkompetenz aus Hamburg hilft beim Wiederaufbau
„Für uns als städtisches Unternehmen ist dieser Einsatz eine Ehrensache“, sagt der technische Geschäftsführer von Gasnetz Hamburg, Michael Dammann. „Direkt nach der Flut haben wir unsere Unterstützung über ein zentrales Hilfsportal der Energie- und Wasserwirtschaft angeboten. Jetzt hat die EVM unsere Hilfe angefordert, da Aufräumarbeiten an Straßen und Plätzen abgeschlossen sind und die umfassende Reparatur der Infrastruktur beginnen kann.“
Weil das Gasnetz in Bad Neuenahr-Ahrweiler zu großen Teilen überflutet war und an gebrochenen Trassen Schlamm und Geröll in die Rohre eindrangen, beginnt die Reparatur mit der Reinigung der noch verwendbaren Netzabschnitte. Gasnetz Hamburg bringt dafür Gerät und Fachwissen mit zum Einsatzort.
Das EVM-Netz besteht größtenteils aus Stahlrohren. Deshalb reisen Schweiß-Fachkräfte von Gasnetz Hamburg an. Fachleute der Instandsetzung werden für die Trennung defekter Netzabschnitte bei der Wiederinbetriebnahme gebraucht. Zwei dreiköpfige Teams, zu deren Einsatzgespannen auch Minibagger und Kompressoren gehören, werden parallel arbeiten. Ein Koordinator steuert den Einsatz vor Ort. Nach jeweils 14 Tagen will Gasnetz Hamburg die Mitarbeiter am Einsatzort ablösen.
Viele Freiwillige helfen bei Wiederaufbau
Bernd Spille, Leiter Instandsetzung Rohrnetz bei Gasnetz Hamburg, bereitet den Einsatz vor: „Wir sind stolz, dass wir hier im Unternehmen so viele Freiwillige gefunden haben, die diesen Hilfseinsatz hochmotiviert und kompetent unterstützen werden. So kommen wir genau mit dem Leistungsprofil an den Einsatzort, den die EVM jetzt für eine zügige Wiederherstellung des Gasnetzes benötigt.“
Spille hatte bereits in der vorletzten Septemberwoche mit drei Kollegen eine Erkundungsreise nach Bad Neuenahr-Ahrweiler unternommen, um sich mit dem dortigen Netzbetreiber über die Details des Einsatzes abzustimmen. Der Einsatz zur Netzinstandsetzung soll nun von Oktober bis Anfang Dezember dauern.
Das Wichtigste haben die Fachleute von Gasnetz Hamburg schon jetzt im Gepäck: Die klare Aussicht für die Menschen in Bad Neuenahr-Ahrweiler, dass für den kommenden Winter wieder Energie für die Heizungen bereitsteht. (sg)



