Die Stadtwerke Stuttgart liefern der Stadt Stuttgart erstmals auch einen Anteil an Biogas. (Symbolbild)

Die Stadtwerke Stuttgart liefern der Stadt Stuttgart erstmals auch einen Anteil an Biogas. (Symbolbild)

Bild: © Jürgen Fälchle/AdobeStock

Von Daniel Zugehör

Viele Biogasanlagen zur Ökostromerzeugung fallen bald aus der EEG-Förderung. Doch ohne finanzielle Unterstützung ist ihr Betrieb selten wirtschaftlich. Umso mehr aufgrund gestiegener Rohstoffpreise.

Allerdings wartet die Branche auf eine Lösung bislang vergeblich. Handeln müsste jetzt eigentlich Brüssel. Denn ein entsprechendes Gesetzespaket der Bundesregierung liegt der Europäischen Kommission seit Februar zur beihilferechtlichen Prüfung vor.

Mindestens 1000 Anlagen betroffen

Sollte bis Oktober kein grünes Licht von dort kommen, droht mehr als 1000 Anlagen in ganz Deutschland das Aus, warnt Janet Hochi, Geschäftsführerin des Biogasrates. Dann endet für sie die Förderung nach EEG. Mehr als 9000 gibt es laut Umweltbundesamt in Deutschland.

Und es könnten noch mehr den Betrieb einstellen. Hochi zufolge handelt es sich bei der Zahl lediglich um Biogasanlagen, die in den Jahren 2005 beziehungsweise 2006 in Betrieb genommen wurden und deren Lage "besonders kritisch" sei.

Doch damit nicht genug: BHKW- und Komponentenhersteller, Anlagenbauer und Projektierer sowie landwirtschaftliche Erzeuger wären ebenfalls betroffen. "Die fehlende Genehmigung der EU-Kommission hat gravierende negative wirtschaftliche Auswirkungen auf die Bioenergiebranche in ihrer Gesamtheit", unterstrich Hochi auf Nachfrage.

"Potenziell" 18 GW Leistung

"Der Baum brennt", betont auch der Fachverband Biogas. Eine Verbandssprecherin beziffert die gefährdete Leistung auf aktuell 6 Gigawatt (GW), "potenziell" sogar 18 GW. Damit würde eine "klimafreundliche, regional erzeugte und flexible Backup-Stromquelle", so die Sprecherin. Und kritisiert: Statt die Branche zu unterstützen, "sollen neue Gaskraftwerke gebaut und Verträge über immense Gaslieferungen mit Amerika unterzeichnet werden".

Keine drei Monate vor dem Förderende sind die Erwartungen beider Verbände an die schwarz-rote Koalition, den Druck auf Brüssel zu erhöhen, entsprechend hoch. Diese solle "vehement" und "zügig" eine positive Entscheidung herbeiführen, heißt es. Und das unabhängig von der angekündigten EEG-Reform im Herbst dieses Jahres.

Warum der Betrieb schwierig ist – sich aber lohnt

Dass sich der Betrieb vieler Biogasanlagen ohne staatliche Förderung kaum lohnt, hat mehrere Gründe: So sind etwa die Kosten für Bau und Betrieb vergleichsweise hoch und die Konkurrenz um landwirtschaftlich genutzte Flächen lässt die Substratpreise steigen. Auf der anderen Seite schwanken die Börsenstrompreise und sind oft nicht kostendeckend. Auch müssen in räumlicher Nähe Abnehmer oder Nahwärmenetze vorhanden sein.

Trotz dieser Hürden sind Biogasanlagen von zentraler Bedeutung für den Klimaschutz und die Energiewende. Ohne ließen sich diese Ziele kaum erreichen, räumt auch das Bundeslandwirtschaftsministerium ein. Auch deshalb, weil Biogas – anders als volatile Energien wie zum Beispiel Windkraft – "speicherbar, flexibel nutzbar und grundlastfähig ist", schreibt das Ministerium auf seiner Website.

Energie für Strom und Wärme

Laut dem Umweltbundesamt wurden im Jahr 2024 rund 28,6 Milliarden (Mrd) Kilowattstunden (kWh) Ökostrom aus Biogas erzeugt. Aus fester Biomasse 10,1 Mrd kWh und aus dem biogenen Anteil des Abfalls 5,4 Mrd kWh. Insgesamt stellte Biomasse im vergangenen Jahr demnach zehn Prozent der Energie zur Stromerzeugung bereit – und 31 Prozent zur Wärmeerzeugung.

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