Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller (links) im Gespräch mit Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen)

Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller (links) im Gespräch mit Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen)

Bild: © Bernd von Jutrczenka/dpa

Die Bundesnetzagentur geht für die folgenden Winter von einem erhöhten Bedarf an Netzreservekraftwerken aus. Sie folgt damit Einschätzungen der Übertragungsnetzbetreiber.

Demnach müssen für den Winter 2026/27 mehr als 9200 Megawatt (MW) an Netzkraftwerken vorgehalten werden. Das ist etwa ein Drittel mehr, als für den kommenden Winter für notwendig erachtet wird. Bei den Kraftwerken handelt es sich in der Regel um alte Kohle- und Ölkraftwerke.

Grenzüberschreitende Handelskapazitäten

Die Bundesbehörde nennt drei Gründe für den Mehrbedarf. Erstens geht sie davon aus, dass der Stromverbrauch wieder steigt. Zweitens verweist sie auf eine EU-Vorgabe, wonach grenzüberschreitende Handelskapazitäten ausgeweitet werden müssen.

Und drittens führten der Zubau von Wind- und Solarenergie insbesondere in Norddeutschland sowie der hinterherhängende Stromnetzausbau dazu, dass der benötigte Strom noch nicht vollständig in die verbrauchsstarken Regionen im Westen und Süden der Republik transportiert werden könne.

"Sicherer Netzbetrieb gewährleistet"

Im Vergleich zum Winter 2025/26 ist der Netzreservebedarf übrigens rückläufig. Im Frühjahr 2023 hatte die Behörde hierfür eine Kapazität von rund 10.200 MW bestätigt. Im diesjährigen Bericht wurde diese Zahl nicht geändert.

Entwarnung gab die Bundesnetzagentur für den kommenden Winter. "Der sichere Netzbetrieb im nächsten Winter ist gewährleistet", sagte Behördenchef Klaus Müller. Zwar steigt auch hier der Bedarf an Netzreservekraftwerken  im Vergleich zum Vorjahr sprunghaft – von rund 4600 auf 6900 MW.

Geringerer Redispatchbedarf

Allerdings waren krisenbedingt einige für die Reserve eingeplante Kraftwerke im vergangenen Winter noch auf dem Markt zugelassen worden. Diese Notfallmaßnahme lief Ende März aus. In der Folge kehren Kraftwerke nun wieder in die Netzreserve zurück und erhöhen damit den Reservebedarf.

Noch im April 2020 hatte die Bundesnetzagentur übrigens den Netzreservebedarf für den kommenden Winter deutlich höher eingestuft. In der Zwischenzeit jedoch seien einzelne Netzausbauprojekte fertiggestellt worden, erklärt die Behörde nun. Auch bestehende Stromleitungen könnten mittlerweile höher ausgelastet werden. "Dadurch verringert sich der Redispatchbedarf, für dessen Deckung die Netzreserve vorgehalten wird."

Ausländische Netzreserve

Die Netzreserve in Deutschland besteht aus einer inländischen Kraftwerksflotte, die nicht mehr für den Strommarkt produziert, jedoch als systemrelevant eingestuft wird und deshalb nicht stillgelegt werden darf. Diese Kraftwerke werden ausschließlich auf Anforderung der Übertragungsnetzbetreiber eingesetzt.

Dazu kommt eine ausländische Netzreserve, die ebenfalls für den Redispatch eingesetzt werden kann. Für das kommende Jahr sollen ausländische Kraftwerke eine Kapazität in Höhe von rund 1300 Megawatt bereitstellen. Die entstehenden Kosten sind Bestandteil der Gesamtredispatchkosten und werden über die Netzentgelte finanziert.

Kapazitätsmechanismus als Ergänzung

Um eine drohende Stromlücke in wind- und sonnenarmen Zeiten künftig zu verhindern und den Bau neuer steuerbarer Kraftwerke zu fördern, will die Ampelregierung neben der Netzreserve einen Kapazitätsmechanismus einziehen. Dieser soll spätestens 2028 operativ sein. Bis zum Sommer will sich die Koalition auf ein Konzept einigen. (aba)

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