Von Daniel Zugehör
Der Markt für Ökostrom hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Viele Anbieter locken mit niedrigen Preisen, die oft nicht nachhaltig sind. Oliver Hummel, Vorstandsvorsitzender von Naturstrom, kritisiert diese Entwicklung. "Wir sind nicht nur Stromlieferant, sondern engagieren uns aktiv für die Energiewende." Bei Naturstrom fließe das Geld direkt in neue Anlagen und den Ausbau erneuerbarer Energien. Für Verbraucherinnen und Verbraucher sei es wichtig, sich zu fragen, welches Unternehmen sie mit ihrem Wechsel unterstützen.
Gleiche Preise für neue und alte Kund:innen
Ein zentraler Aspekt von Naturstroms Strategie ist die Investition in eigene Erzeugungsanlagen. Hummel unterstreicht: "Wir wollen nicht nur grünen Strom verkaufen, sondern ihn auch selbst erzeugen." Dieses Engagement unterscheidet Naturstrom von vielen Wettbewerbern, die lediglich als Zwischenhändler agieren. Zudem lege das Unternehmen Wert auf faire und transparente Preise ohne Lockangebote oder plötzliche Preiserhöhungen. Deutlich unterschiedliche Preise für Neu- und Bestandskund:innen, wie sie im Markt üblich seien, lehne Naturstrom daher ab.
Trotz signifikanter Fortschritte in der Energiewende herrscht auch bei diesem Thema laut Hummel oft eine pessimistische Grundstimmung in Deutschland. Laut dem Statistischen Bundesamt lag der Anteil von inländisch erzeugtem und ins Netz eingespeistem Strom im Jahr 2024 bei 59,4 Prozent. Dennoch würden die immer gleichen alten Argumente gegen erneuerbare Energien wiederholt, und neue Technologien wie die Wärmepumpe stießen auf Skepsis – obwohl sie in anderen Ländern Standard seien. Hummel fordert, diese Innovationsskepsis zu überwinden, um den Fortschritt nicht zu bremsen.
Flexibilität als Herausforderung
Die Ampelregierung hat Hummel zufolge in kurzer Zeit viel bewegt, beispielsweise durch die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren und den Ausbau erneuerbarer Energien. Dennoch stehen neue Herausforderungen an, wie die Flexibilisierung des Energiesystems durch den wachsenden Anteil erneuerbarer Energien, Speichertechnologien und den Ausbau der Elektromobilität. Die Hebung dieser Flexibilitätspotenziale sei essenziell, um die Energiewende möglichst effizient voranzutreiben. Dazu gehöre der systemdienliche Betrieb von (Heim-)Batteriespeichern ebenso wie ein zügiger Rollout intelligenter Messysteme und ein wachsender Anteil dynamischer Tarife im Markt, die es den Kunden ermöglichen, durch das Ändern ihres Verbrauchsverhaltens Kosten zu sparen.
Planungssicherheit und Kontinuität
Von der künftigen Regierung wünscht sich der Naturstrom-Chef Kontinuität in der Politik. Ein Zickzackkurs solle vermieden werden, stattdessen brauche es einen klaren Pfad, der über Regierungswechsel hinweg Bestand hat. Dies schaffe Planungssicherheit und fördere Investitionen. Ein parteiübergreifender Konsens wäre wünschenswert, um langfristige Stabilität zu gewährleisten.
In diesem Zuge warnte Hummel auch davor, die Strombedarfsprognosen und damit implizit auch die Ausbauziele für erneuerbare Energien infrage zu stellen. "Wenn das Wirtschaftswachstum wieder anziehen soll, brauchen wir mehr günstigen Strom aus Erneuerbaren. Effizienz und hohes Tempo bei der Energiewende widersprechen sich nicht – wir brauchen beides. Mit aktuell knapp 60 Prozent Ökostrom im Netz sind wir noch lange nicht an dem Punkt angelangt, über eine Drosselung des Zubaus diskutieren zu müssen."


