Die Installation von Smight Grid2: bestehend aus Sensoren, Wandler und Gateway.

Die Installation von Smight Grid2: bestehend aus Sensoren, Wandler und Gateway.

Bild. © Smight

Um zu erfahren, wie es um das Niederspannungsnetz tatsächlich steht, wollen die Regionalnetze Linzgau anhand von konkreten Messdaten das Netz besser einschätzen und den weiteren Ausbau wirtschaftlich gestalten. Auf der Suche nach einem geeigneten System hat das Unternehmen vom Bodensee verschiedene Systeme geprüft und sich mit anderen Netzbetreibern ausgetauscht.

„Es gibt zwar verschiedene Ansätze, aber die Herausforderungen für die Netzbetreiber sind doch im Kern dieselben“, erklärt der Technische Geschäftsführer Andreas Radl. Neben Redispatch 2.0 und dem Rollout der intelligenten Messsysteme stehen bei den Regionalnetzen alltägliche Aufgaben wie die Erschließung von Gewerbe- und Wohngebieten, die Einbindung der EEG- und PV-Anlagen sowie der Elektromobilität an: sowohl in den Neubau- als auch in den älteren Wohngebieten.

Aktion versus Reaktion. Theorie und Praxis

Bis 2022 waren die Regionalnetze Linzgau eher traditionell unterwegs: Die Netzplanung und Netzberechnung erfolgte auf Grundlage der Anmeldungen von Wallboxen, PV-Anlagen und Wärmepumpen. Und genau hier weichen Realität und Netzberechnung oft auseinander. Die Unsicherheit, ob die Berechnung und Annahmen richtig oder falsch sind, schwang immer mit.

„Wir wissen ja gar nicht, ob die Wallboxen wirklich schon zum Laden benutzt werden, oder nur im Zuge der Förderung installiert wurden“, erklärt Andreas Radl. „Eine Wallboxanmeldung sagt nicht einmal aus, ob der Kunde auch tatsächlich ein E-Auto hat.“

Betriebsführung: Altes Netz, begrenzte Möglichkeiten  

Vor allem in den älteren Wohngebieten der 60er und 70er Jahre gestaltet sich die Umsetzung der Energiewende eher problematisch, speziell in den Bereichen Elektromobilität und Wärmepumpen. Ein akuter Platzmangel erschwert den Ausbau: Platz für neue Ortsnetzstationen fehlt schlichtweg und Kabelneuverlegungen sind vor allem in der Altstadt ein schwieriges Unterfangen.

„Das Netz dort ist in der Regel älter und dennoch – oder gerade deswegen – ist zumindest ein partieller Ausbau erforderlich. Aus diesem Grund ist wichtig zu erfahren, wo wir genau ansetzen müssen und das Netz nur dort ausbauen, wo es tatsächlich notwendig ist.“  

Entscheidende Kriterien: Einbauaufwand und Platzbedarf sowie Handling

Hier kam die Lösung SMIGT Grid2 der SMIGHT GmbH ins Spiel, denn was die Regionalnetze Linzgau benötigten, waren Daten aus der Niederspannung als Grundlage für ihre weitere Netzplanung. „Die Zeit rennt. Neue Wohngebiete kommen, der Ausbau findet statt und wir haben eine Lösung gesucht, die schnell im Einsatz ist, damit wir damit arbeiten und Erfahrungen sammeln können.“

Bei der Auswahl des passenden Systems waren Andreas Radl und seinem Team vor allem der Einbauaufwand und Platzbedarf in der Ortsnetzstation sowie das Handling im Betrieb wichtig. Auch der Anbietersupport war ein wichtiges Kriterium. Und Andreas Radl ergänzt: „Alles steht und fällt jedoch mit der Mitarbeiterakzeptanz. Es bringt nichts, wenn ich mich für ein System entscheide, aber die Mitarbeitenden damit nicht arbeiten können oder wollen und keinen Mehrwert darin sehen.“

Achtwöchige Pilotphase

Um zu prüfen, ob die Smight-Technologie die gewünschten Anforderungen erfüllt, entschied sich das Unternehmen für eine achtwöchige Pilotphase. Drei Stationen wurden mit Smight Grid2 ausgerüstet: bestehend aus Sensoren, Wandler und Gateway. Bereits 15 Minuten nach der Installation seien die ersten Daten auf der zugehörigen Softwareplattform sichtbar  geworden.

Die schnelle Installation und Verfügbarkeit von echten Daten überzeugten die Mitarbeitenden schnell von der Lösung. Der Einbau der Hardware in eine Ortsnetzstation sei in weniger als 60 Minuten abgeschlossen und könne bei laufendem Betrieb vom eigenen Personal durchgeführt werden, heißt es in der Pressemitteilung dazu.

Weiterer Ausbau geplant

Für die Regionalnetze sei das Pilotprojekt sehr hilfreich gewesen, um zu realisieren, wie die Auslastung der Netze tatsächlich ist. „Tatsächlich haben uns die Messdaten gezeigt, dass die Kabel in der Regel nicht so hoch belastet sind, wie vermutet,“ erklärt Andreas Radl. „Und doch haben wir mit der Smight-Lösung die Möglichkeit, bei Bedarf die Synchronität der einzelnen Phasen zu steuern – auch wenn wir das momentan noch nicht müssen.“

Die Regionalnetze werden also nicht sofort die knapp 70 Ortsnetzstationen ausrüsten, sondern priorisieren nach Sinn und Dringlichkeit. Weitere zehn Stationen möchten die Regionalnetze Linzgau in den nächsten Wochen einbauen und die Smight-Lösung gezielt auch in die Netzplanung miteinbeziehen.

Ein weiterer Ausbau ab 2024 ist bereits eingeplant. Vor allem im Altstadtbereich sollen die Stationen mit IoT-Sensorik ausgerüstet werden. Aber auch in den Neubaugebieten, sowohl bei der Erschließung als auch bei der Bebauung, wollen die Regionalnetze die Daten aus den Ortsnetzstationen heranziehen, um Hotspots zu identifizieren und die Auslastung im Netz besser zu prognostizieren. Faktoren wie Elektromobilität, Wärmepumpen und PV-Anlagen können hier berücksichtigt werden. (sg)

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