Die Erneuerbaren-Branche hat auf dem diesjährigen Handelsblatt-Energie-Gipfel eher den internationalen Markt im Blick als das Wachstum im heimischen Markt. Grund hierfür ist unter anderem die vielfach kritisierte EEG-Novelle.
So fokussiert sich der Windkraftanlagenhersteller Enercon stärker auf die Internationalisierung seiner Aktivitäten, nachdem der deutsche Markt in den vergangenen Jahren stark eingebrochen ist. Vor allem Südamerika und Asien würden große Chancen bieten, so Momme Janssen, CEO von Enercon. Die größten Probleme identifiziert der Chef des Auricher Unternehmens bei der Strombedarfsprognose auf denen die Ausbaupfade im EEG 2021 basieren.
zu niedrige Verbrauchsprognose, zu wenig Technologieoffenheit
Genau wie viele andere Experten geht er davon aus, dass die festgelegten 580 TWh nicht ausreichten, vielmehr steige der Strombedarf bis 2030 auf bis zu 750 TWh. Ein weiteres großes Versäumnis der Bundesregierung sieht Janssen in der fehlenden Repowering-Strategie. Statt den Austausch von Windkraftanlagen an bereits genehmigten Standorten möglichst unbürokratisch und schnell zu ermöglichen, müsse das aufwendige und komplexe Genehmigungsverfahren wie bei Greenfield-Projekten erneut durchlaufen werden. Als Vorbild für einen erfolgreichen Repowering-Ansatz nennt Janssen Frankreich. Es sei schade, dass Deutschland seine Vorreiterrolle beim Erneuerbaren-Ausbau verloren hat.
Auch für Speichertechnologien sieht der deutsche Markt nicht sehr rosig aus, wie Martin Schichtel, CEO des saarländischen Speicherentwicklers Kraftblock erklärt: „Wir würden gerne stärker in Deutschland durchstarten, aufgrund der derzeitigen Regulatorik ist das allerdings schwierig.“ Im EEG würden Speichertechnologien kaum berücksichtigt, lediglich die Erzeugung von grünem Wasserstoff ist von der EEG-Umlage befreit. Andere Technologien würden diskriminiert. Schichtel wünscht sich daher eine neue, technologieoffene Definition von Speichertechnologien und entsprechende Privilegien, denn Speicher seien eine feste Säule der Energiewende.
Mehr gemeinsame Offshore-Pläne
Auch die RWE Renewables ist auf Internationalisierungskurs. Vor allem der US-amerikanischen Markt werde aufgrund der bevorstehenden Präsidentschaft von Joe Biden interessanter, so Anja-Isabel Dotzenrath, CEO der RWE-Tochter. Und auch Asien gilt als Wachstumsmarkt mit ambitionierten Ausbauzielen und regem Wettbewerb. Für das europäische Geschäft begrüßt die RWE-Managerin die Ausbaupläne im Offshorebereich. Hier gelte es nun seine Hausaufgaben zu machen und stärker mit allen Nordsee-Anrainern zusammenzuarbeiten, um die nationalen Ausbaupläne gemeinsam aufeinander abzustimmen.
Zuletzt fanden die Diskussionsteilnehmer dann doch noch positive und wichtige Weichenstellungen im EEG. So gingen die Maßnahmen zur Akzeptanzsteigerung bei Kommunen und Bürgern vor Ort in die richtige Richtung. (lm)


