Bis 2028 soll der Vorsteuergewinn des Unternehmens auf etwa 120 Millionen Euro wachsen.

Bis 2028 soll der Vorsteuergewinn des Unternehmens auf etwa 120 Millionen Euro wachsen.

Bild: © fotograf-halle.com/AdobeStock

Von Julian Korb

Langfristige Stromabnahmeverträge, sogenannte PPAs, werden für Anlagenbetreiber, aber auch für Gewerbe- und Industriekunden immer wichtiger. In Zeiten schwankender Marktpreise sind solche Verträge aber nicht ohne Risiko. "Gerade kleinere Energieversorger haben oft unfreiwillige Erneuerbaren-Risiken im Portfolio", sagt Max Amir Dieringer, Gründer und Geschäftsführer beim Hamburger Stromhändler Flex-Power.

Etwa weil die Produktion eigener und kundenseitiger Wind- und PV-Anlagen, wetterbedingt, stark schwanken kann. Überschüssige Strommengen müssen dann mittags zu niedrigen oder gar negativen Preisen verkauft werden. Oder andersherum: Waren die Prognosen zu optimistisch, müssen Energielieferanten am Spotmarkt teuer nachbeschaffen.

Preise deutlich über 100 Euro

Auch die Preistransparenz auf dem PPA-Markt ist eingeschränkt. Während Strombörsen die Preise veröffentlichen, werden PPAs nicht zentral organisiert. Für die Abnehmerseite führt das zu Nachteilen.

"Zu Zeiten der Energiekrise sind große Industrieunternehmen teilweise sehr hohe Preise für langfristige Abnahmeverträge eingegangen", sagt Dieringer. Preise deutlich über 100 Euro pro Megawattstunde seien damals keine Seltenheit gewesen. Mittlerweile ist das Preisniveau allerdings wieder deutlich gesunken. "Wir sehen aktuell, dass einige große Unternehmen versuchen, einen Teil ihres (PPA-)Preisrisikos wieder loszuwerden."

Hinzu kommt, dass schwer abzuschätzen ist, wie weit die Marktwerte, gerade von Solaranlagen, weiter absinken. Das Thema ist in der Branche schon lange bekannt und wird als "Kannibalisierungseffekt" bezeichnet. Je mehr Solaranlagen in den sonnenreichen Mittagsstunden einspeisen, desto weniger wert ist der Solarstrom in diesen Zeitfenstern. Doch wie stark und wie schnell schrumpfen die Marktwerte Solar genau? Die Schätzungen unter Experten gehen auseinander.

Risikobewusstsein für Preise wird größer

"Wenn ich einen Pay-as-produced-PPA mit einem Solarpark abgeschlossen habe, übernehme ich genau diese Preisrisiken", sagt Volker Puck, Geschäftsführer der Münchener Handelsplattform Enmacc. "Dieses Risikobewusstsein wird jetzt deutlich größer." Zunehmend würden von Vebraucherseite sogenannte Baseload-PPAs angefragt, um Grundlasten zu decken. Allerdings sind diese Produkte bislang deutlich teurer als beispielsweise eine Kombination aus Baseload-Lieferung und deutschen Herkunftsnachweisen.

"Was sich die meisten Marktteilnehmer für PPAs wünschen, ist Transparenz, ähnlich wie etwa bei Baseload-Preisen, eben auch um das Portfolio besser absichern zu können", so Puck. Nochmal schwieriger als für große Industriebetriebe seien PPAs weiterhin für den Mittelstand zu handhaben. Große Konzerne unterhalten mittlerweile eigene Abteilungen für den Energieeinkauf, bei kleinen und mittleren Unternehmen fehlen dagegen oft Beschaffungsexperten.

Zugang von Stadtwerken zum PPA-Markt

Enmacc hat sich daher vorgenommen, auch den Zugang von Stadtwerken und mittelständischen Unternehmen zum PPA-Markt zu verbessern. "Die Idee ist, dass wir Standardprodukte schaffen, bei denen die Kunden die Laufzeiten flexibel wählen können", erläutert Geschäftsführer Puck. Statt Individualverträge mit einzelnen Wind- und Solarparks oder Batteriespeichern abzuschließen, können Unternehmen künftig Sonnen- und Windstrom standardisiert handeln.

Ziel sei es, dass sich am Markt Produkte entsprechend den bisherigen Base- und Peakload-Lieferungen etablierten. Auch die Netzbetreiber zeigten bei standardisierten Solarhandelsprodukten Interesse. "Der Einfluss von Solaranlagen aus dem SLP-Segment auf die prognostizierten Verbrauchsmengen ließe sich durch Pay-as-Indexed-Solarprodukte, etwa für das Folgejahr absichern", so Puck weiter.

Das würde an sonnenreichen Tagen zu einer deutlichen Reduzierung der kurzfristigen Ausgleichsmengen in der Spotauktion führen. Dadurch würden auch die Preise vergleichbarer als bislang.

Markteilnehmer denken wirtschaftlicher

Die beiden Branchenstimmen erwarten ohnehin, dass sich der Fokus bei Verträgen künftig wieder verschiebt. "Ich glaube schon, dass wir wieder einen stärkeren Trend sehen werden, dass die Marktteilnehmer einfach wirtschaftlicher denken wollen und müssen", sagt Händler Dieringer. Auch die Kombination von Erneuerbaren-Anlagen und Speichern sowie anderen Flexibilitäten würden eine zunehmende Bedeutung gewinnen.

"Wir sehen gerade tendenziell noch immer fallende Preise", ergänzt Puck von Enmacc. "Wenn ein bestimmtes Preisniveau für Solarproduktion erreicht ist, wird es auch wieder Käufer geben." Dabei spiele es keine Rolle, ob PPA-Standardprodukte als Absicherung oder spekulativ gehandelt würden. "Das sehen wir in jedem anderen Markt auch. Nur wenn aktiv gehandelt wird und Liquidität in den Markt kommt, können alle Teilnehmer davon profitieren."

Fatales Signal für Netzstabilität

Dieringer von Flex-Power hebt noch einen weiteren Vorteil von standardisierten PPAs hervor. Anbieter könnten mit einzelnen Anlagen so verfahren, wie es im Strommarkt Sinn ergebe. "Heute gibt es zahlreiche PPA-Verträge, die es verbieten, Anlagen bei negativen Preisen abzuschalten." Etwa, weil die PPA-Abnehmer die Herkunftsnachweise aus dem erzeugten Strom bräuchten. Aus Sicht des Stromsystems und der Netzstabilität ein fatales Signal. "Das ist nicht weniger als ein direkter Eingriff in die Preisfindung am Spotmarkt, die zu Ineffizienz führt."

Zwischen den Vertragspartnern habe dies zudem höhere Risikoprämien zur Folge – PPAs würden teurer. Bei standardisierten Produkten hingegen schließen Anbieter und Abnehmer einen Vertrag auf einen Index ab. "Alles, was wir als Händler physisch mit den Anlagen machen, ist davon losgelöst", erläutert Dieringer. Vermarkter erhielten so mehr Flexibilität und Netze würden stabilisiert.

Flex-Power selbst bietet bereits seit zwei Jahren standardisierte PPAs an, die nun auch über die Enmacc-Plattform gehandelt werden können. Das Produkt des Hamburger Stromhändlers nutzt für den Preis einen Deutschlandindex für Solar und für Wind, der auf frei verfügbaren Wetterdaten des Meteorologie-Dienstleisters Enwex basiert. Die Zusammensetzung der Preise lässt sich so nachvollziehen.

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